Scholderers Arbeitskraft und fachmänniſche Einſicht blieben der Schule noch vier Jahre er— halten. Am 28. März 1896 ſchied er aus dem Amte, von den vorgeſetzten Behörden, ſeinen Mitarbeitern und Schülern aufs höchſte geehrt, und hinterließ ſeinem Nachfolger eine in jeder Hinſicht wohlgeordnete und in der ffentlichkeit hochangeſehene Schule.
Direktor Dr. P. Bode übernahm am 1. April 1896 ſein Amt, nachdem er ſchon 17 Jahre im Frankfurter Schuldienſt als Oberlehrer an der Muſterſchule gewirkt hatte. Unter ſeiner Leitung erfuhr die Realſchule ihre größte Ausdehnung. Ihre Schülerzahl wuchs bis auf 480; es war nämlich von 1898 an ein dritter Klaſſenzug(beginnend mit VI.) errichtet worden, der freilich nach Vollendung der in Sachſenhauſen erbauten Realanſtalt(Sachſenhäuſer Oberrealſchule) 1901 mit drei Klaſſen dorthin überführt wurde. Das Freiwerden der 3 Klaſſenräume, aber auch die bevorſtehende Feier des 25 jährigen Beſtehens der Anſtalt gaben dem Direktor willkommenen Anlaß, die Lebensfrage der Adlerflychtſchule erneut aufzuwerfen. Nur einem ſeit Jahren erprobten Lorkämpfer des Realſchulweſens konnte es gelingen, eine ſo wohlbegründete, in ihren Ausblicken auf weite Zukunft durch die ſpätere Entwickelung beſtätigte Eingabe an die oberen ſtädtiſchen Behörden zu richten. Er ging hierin aus von der auch heute noch richtigen Anſicht, daß große Doppelanſtalten, mit 2zügiger Oberſtufe, nur ſchwer von einem Direktor verantwortlich geleitet werden könnten, und bekämpft deshalb die damals an der Klingerſchule notwendig werdende Teilung der Oberklaſſen. Er wies an eindeutigen Zahlenzuſammenſtellungen auf die immer größer werdende Beliebt⸗ heit der lateinloſen Realſchulen hin, die auf Grund der Beſchlüſſe auf der Pfingſtkonferenz vom Jahre 1900 den übrigen Lollanſtalten völlig gleichberechtigt werden ſollten, er erinnerte vor allem an die ſeit Gründung der Anſtalt von den oberen ſtädtiſchen Behörden des öfteren gegebenen Verſprechungen, im Bedürfnisfall den vorgeſehenen Ausbau der Anſtalt durchzuführen, und beſtätigte das damalige Bedürfnis bis ins einzelnſte. Er bat, anläßlich der 25-Jahrfeier mit einer Oberſekunda die Oberſtufe beginnen zu dürfen. Aus der Ein— gabe ſei folgendes wörtlich wiedergegeben: „Die Adlerflychtſchule hat ſich ſeit ihrem Beſtehen der Zuneigung der Frankfurter Bürgerſchaft in hohem Maße zu erfreuen gehabt, die Leiſtungen derſelben ſind bei jeder Reviſion ebenſo wie die in ihr herrſchende Zucht und Ordnung von den Be⸗ hörden anerkannt worden. Das Lehrerkollegium hat in anerkennenswertem Streben trotz aller äußeren Schwierigkeiten in treuem Fleiße mit dem Leiter der Anſtalt zu— ſammengearbeitet. Es dürfte mit größter Befriedigung von der Bürgerſchaft auf— genommen werden, und dem Lehrerkollegium ein Anſporn zur weiteren treuen Pflichterfüllung ſein, wenn jetzt nach 25jährigem Beſtehen der Anſtalt die ſtädtiſchen Behörden ihr Werk dadurch krönen würden, daß ſie die Adlerflychtſchule zur GOber- realſchule auszubilden beſchlöſſen.“
Auch die ſtaatliche Aufſichtsbehörde hatte durch den Dezernenten der Anſtalt, Herrn Geheimrat Dr. Lahmeyer, ihre Hoffnung und Erwartung zu wiederholtem Male zum Ausdruck ge— bracht, daß die Adlerflychtſchule eine Lollanſtalt würde.
Selbſt dieſer ſtarke Vorſtoß blieb ohne Erfolg. Die Schule ſollte weitere 25 Jahre ihre ſchwere, treu und freudig geleiſtete, aber im Endergebnis immer recht unbefriedigende Bildungs⸗ und Erziehungsarbeit ausführen, bis die ſtädtiſchen Behörden in Einlöſung eines alten Verſprechens die Ausſicht eröffneten, einen Klaſſenzug zu einer Lollanſtalt aus—
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