Aufsatz 
Aus der Geschichte der Schule
Entstehung
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Außere Entwicklung. Die Übernahme der freien Reichsſtadt Frankfurt a. M. in den preußiſchen Staatsverband, im Jahre 1866, brachte einſchneidende Anderungen auch für das Frankfurter höhere Schul weſen. Wenn ſeine Einordnung in die preußiſche Schulverwaltung ohne größere nach außen wahrnehmbare Schwierigkeiten ſich zu vollziehen ſchien, ſo läßt doch die lange Dauer der Lerhandlungen den Schluß zu, daß nicht alles ſich reibungslos erledigte. Die Kriegsereigniſſe 1870 und die politiſchen Ergebniſſe der deutſchen nationalen Einigung ebneten den Weg, ſodaß am 21. Februar 1872 mit der Eröffnung desKuratoriums der höheren Schulen die ſtädtiſchen Schulen dem preußiſchen Schulweſen endgültig eingeordnet waren. Nun war die Bahn frei für eine großzügige Schulpolitik. Der Zwang desBerechligungs weſens und das ungewöhnlich raſche Anwachſen der Stadt hatten die Schülerzahl in den höheren Knabenſchulen in wenigen Jahren auf das Doppelte ſteigen laſſen, ohne daß die beſtehenden, als höhere Schulen nach den preußiſchen Beſtimmungen anerkannten Anſtalten wie Gymnaſium, Muſterſchule, Philanthropin, Selektenſchule und die ſogenannte Höhere Bürgerſchule dem Schülerandrang hätten gerecht werden können. Auch die 1870 erfolgte Schulgründung der Polytechniſchen Geſellſchaft, die Wöhlerſchule, konnte der ungeſunden Überfüllung namentlich der Höheren Bürgerſchule(über 1300 Schüler) nicht abhelfen. So iſt es zu verſtehen, wenn die Stadtverordnetenverſammlung einen Lorſchlag der Schul behörden vom 19. Februar 1873, wonachauf einem Teile des an der Hermannſtraße erkauften Areals ein Doppelſchulgebäude für Bürgerſchulen errichtet werden ſolle, abändert und die Erbauung von zwei höheren Schulen beſchließt. Magiſtrat und Kuratorium ſtimmen dem Beſchluß zu und beauftragen den Direktor der höheren Bürgerſchule Dr. Paldamus, vom Unterrichtsbedürfnis aus die Pläne für eine Realſchule II. Ordnung und eine höhere Mädchenſchule vorzulegen. Die bautechniſchen Pläne liefert Baurat Behnke. Am 25. Januar 1875 meldet die Baudeputation dem Kuralorinm, daßdie Real und Toͤchter- ſchule an der Adlerflychtſtraße zum 1. Oktober 1875 zur Benutzung fertig werden.) Am 19. November wurde zum erſten Direktor Herr Dr. Emil Scholderer vom Magiſtrat gewählt. Er war ſeit dem Tode des Direktors Dr. Paldamus(1873) Leiter der höheren Bürgerſchule. Am 1. Dezember erhielt die neuerbaute Schule nach ihrer Lage auf ehemalig Adlerflychtſchem Hofgelände ihren Namen.

Oſtern 1876 trat die Adlerflychtſchule ins Leben mit einer Lorſchulklaſſe von 18 Schülern. Sie war zunächſt im Gebäude der Humboldtſchule untergebracht, weil der eigene Schulbau der obdachlos gewordenen Wöhlerſchule bis zur Fertigſtellung ihres Neu⸗ baus in der Guiolleliſtraße(1881) überlaſſen werden mußte. Unter einem Dache, unter einer Leitung, in friedlicher Arbeitsgemeinſchaft der beiderſeitigen ſehr kleinen Lehrkörper verlebten die beiden Nachbarſchulen ihre erſten Jugendjahre.

*) Es mag hier erwähnt ſein, daß zur Einrichtung der Realſchule als ſelbſtverſtändlich und nolwendig ein chemiſches Laboratorium vorgeſehen war, das für 32 Schüler Gelegenheit zu Übungen bieten ſollte. Nach dem Muſter der Hochſchullaboratorien in Stuttgart und München eingerichtet, hätte dieſer Raum auch heutigen Be⸗- dürfniſſen voll genügt. Warum die Ausführung des geplanten und in ſeinen Koſten bewilligten Arbeitsraumes unterblieb, läßt ſich aus den Schulakten nicht feſtſtellen. Heute kämpft die Schule ſchwer um die Nachbewilligung dieſer lebensnotwendigen Einrichtung.