Aus der Geſchichte der Schule.
I. Fünfzig Jahre Adlerflychtſchule.
Lon Franz Schramm.
jenn eine Schule auf fünfzig Jahre ihres Beſtehens zurückblicken kann, lohnt es ſich wohl, ihr vergangenes Leben zu überſchauen. Kindheit, Entwicklungsjahre, Sturm und Drang des Werdegangs ſind vorüber. Mit 50 Lebensjahren kann Dauch eine Schule ſchon aus Erfahrung reden und handeln; ſie weiß, was ſie will. 50 Jahre bedeuten für eine Bildungsſtätte noch nicht Beginn des Alterns, denn der ewige Kreislauf der Jugend, der ihre Räume durchſtrömt, hält auch den Geiſt jugendfriſch, verjüngt ihn immer aufs neue, läßt ihn von Jahr zu Jahr in neuer Kraft und Schönheit erſtarken. 50 Jahre Adlerflychtſchule— von 1876 bis 19261 Welch ſchickſalsreiche Entwicklungszeit des deutſchen Caterlandes hat ſie mitgeſehen und miterlebt! Ihre Grün- dung und Jugendzeit fallen in die Jahre, da das glücklich geeinte Deutſchland jenen beiſpielloſen Entwicklungslauf angetreten hatte, an dem Preußen und auch Frankfurt, damals wirtſchaftlich und kulturell ein Mittelpunkt Weſtdeutſchlands, in gleichem Maße Anteil hatten. Wie vor dem goldenen Hintergrund eines alten Kirchenbildes ſpielt ſich in den erſten Jahrzehnten die Geſchichte der Schule im Rahmen deutſcher Machtentfaltung ab.
Einem Rembrandlſchen Bilde vergleichbar iſt das, was für das letzte Jahrzehnt als Um welt deutſchen Erlebens zu zeichnen wäre. Krieg und Not, Tod und Elend machten nicht Halt vor den Toren der Schule, drangen in ihre Räume ein, ſenkten ſich als tiefempfun— denes Schickſal in die Seelen der Schüler und Lehrer.
Doch aus dem Niederbruch des Laterlandes, den wir mitleidend erlebfen, hebt eine neue Entwicklung an: das Koſtbarſte, was wir als Colk beſaßen, deſſen Wert in den Jahren des Glücks ſo manchem nicht zum klaren Bewußtſein gekommen war, die Einheit und das Gefühl für die nationale Zuſammengehörigkeitaller Deutſchen, haben wir aus dem Zuſammen⸗- bruch gerettet; es ſtrahlt heute in neuem Glanze allen voran, die deutſchen Willens ſind. Als neue Aufgabe iſt uns heute geſtellt, einer größeren Sammlung aller Deutſchen, auch über die Grenzen des Laterlandes hinaus, den Weg zu bereiten. Mit unerloſchenem Idealismus und ungebrochenem Optimismus geht die Adlerflychtſchule ins zweite Halb⸗ jahrhundert ihrer Geſchichte, um an der Löſung dieſer deutſchen Schickſalsfrage mitzu helfen. Ihre Vergangenheit, die im folgenden in Kürze dargeſtellt werden ſoll, bürgt für eine glückliche Löſung auch der zukünftigen Aufgaben.
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