Aufsatz 
Die Berufswahl / Friedrich Schödler
Entstehung
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Verrichtungen. Das Sommerhalbjahr wird Vorzugsweiſe für Botanik, das Winterhalbjahr dagegen für Zoologie benützt. In den Klaſſen II u. I: Mineralogie im Anſchluß an die Chemie, die wichtigſten Felsarten und ihre Lagerungsverhältniſſe.

b. Phyſik. Lehrziel: Kenntniß der wichtigſten phyſikaliſchen Erſcheinungen und ihrer Geſetze, mit beſonderer Berückſichtigung der praktiſchen Anwendungen. In den beiden unteren Jahreskurſen beruht der Unterricht faſt ausſchließ⸗ lich auf der Anſchauung. An den in der Natur beobachteten Vorgängen und zahlreichen Verſuchen werden die Schüler auf die Erſcheinungen aufmerkſam gemacht, daraus die Geſetze abgeleitet und dann auf die Urſachen, die Kräfte, hinge⸗ wieſen. In der oberſten Klaſſe tritt die deduktive Behandlung mehr hervor, jedoch muß das Experiment auch hier die Hauptrolle ſpielen. Ein Lehrbuch iſt einzuführen.

Der Unterrichtsſtoff verteilt ſich in folgender Weiſe auf die einzelnen Klaſſen: In Klaſſe III: Die allgemeinen Eigenſchaften der Körper. Einiges aus der Mechanik, ſoweit es zum Verſtändniß des Späteren notwendig iſt, mit Begründung durch das Experiment. Einiges aus der Wärmelehre. In Klaſſe II: Wärme, Magnetismus und Elektri⸗ cität. In Klaſſe 1: Das Notwendigſte aus der Akuſtik. Katoptrik, Dioptrik, das Auge und die optiſchen Inſtrumente. Mechanik. überſichtliche Wiederholung.

c. Chemie. Lehrziel: Die anorganiſche Chemie mit Beziehung auf die chemiſche Technologie; das Weſentlichſte aus der organiſchen Chemie. Ein Lehrbuch iſt einzuführen. Der Stoff iſt in angemeſſener Weiſe auf die Klaſſen II und I zu vertheilen.

9. Zeichnen. Der Unterricht im Zeichnen beginnt mit Vorzeichnen durch den Lehrer an der Schultafel; daran reiht ſich das Zeichnen nach Vorlagen, Modellen und Gypsabgüſſen in methodiſcher Folge, wobei auch den antiken For⸗ men Aufmerkſamkeit zuzuwenden iſt. An der graphiſchen Nachbildung von großen geometriſchen Körpern ſind die Schüler mit den wichtigſten Geſetzen der Perſpektive bekannt zu machen; hier können Ornamente der Baukunſt mit Erfolg beige⸗ zogen werden. Zur Ausbildung des Farbenſinns ſoll thunlichſt Gelegenheit gegeben werden. Das geometriſche Zeichnen wird in den beiden oberen Klaſſen gelehrt. In Klaſſe II kommen zunächſt geometriſche Konſtruktionen zur Ausführung; in Klaſſe I Aufgaben aus der Projektionslehre.

10. Schreiben. Der Schreibunterricht ſchließt in Klaſſe IV ab; doch werden fakultative Schreibſtunden für Schüler der 3 oberen Klaſſen eingerichtet, zu deren Beſuch ſolche Schüler, die nicht leſerlich und ſauber ſchreiben, gezwungen werden.

11. Turnen. Der Turnunterricht hat den Zweck, durch geeignete Leibesübungen Geſundheit, Kraft und Gewandt⸗ heit zu fördern, ſowie Mut, Entſchloſſenheit, Ausdauer und den Sinn für Ordnung und Pünktlichkeit zu entwickeln. Pußlach hat das Turnen bei höheren Schulen die Aufgabe, die erhöhte geiſtige Anſtrengung auszugleichen. Den Übungs⸗ ſtoff bilden:

1) Ordnungsübungen, welche mit Klaſſe VI beginnen und in allen Klaſſen betrieben werden ſollen. Als Klaſſenziele verteilen ſich dieſelben folgendermaßen: Klaſſe VI. Die Reihe. Bildung und Auflöſung der Stirn⸗ und Flankenreihe Haltung der einzelnen Richtung der Reihe Drehungen im Stehen Taktgehen an Ort und in verſchiedenen Gangrichtungen Drehungen während des Gehens an und von Ort Gehen der geſchloſſenen Flanken⸗ reihe in verſchiedenen Ganglinien leichte Gangarten, vorzugsweiſe Schrittwechſelgang Taktlaufen Bildung eines Reihenkörpers durch Abzählen und Nebenreihen Öffnen der Reihen mit Handgeben, Auflegen der Hände und Aus⸗ breiten der Arme. Klaſſe V. Der Reihenkörper. Bildung des Reihenkörpers aus der Flankenreihe durch Neben⸗ reihen, aus der Stirnreihe durch Vor⸗ und Hinterreihen Bildung der Säule aus der Flankenreihe während des Vorwärtsgehens durch Nebenreihen Gehen der Säule in der Umzugsbahn mit Wahrung der Reihenabſtände Offnen der Reihen zu gegebener Schrittzahl, vorwärts, rückwärts und ſeitwärts Erklären der Reihen und Rotten Offnen und Schließen der Rotten. Klaſſe IV. Der Reihenkörper. Bildung des Reihenkörpers durch ¼ Schwen⸗ kung der einzelnen Reihen Schwenkübungen in größerem Maße mit Faſſung der Hände Schwenken um die Mitte Schwenken mit Rückwärtsgehen Schwenken während des Gehens in der Umzugsbahn Schwenken in größeren Reihen Schwenken ohne Faſſung der Hände. Klaſſe III. Fortbewegung des Reihenkörpers. Gehen des Reihenkörpers in verſchiedenen Ganglinien Winkel⸗ und Gegenzug des getheilten Reihenkörpers nach außen und innen Vorüberziehen(Ausweichen) zweier ſich begegnender Reihen oder Reihenkörper Umbildung einer Flankenlinie zu einem Reihenkörper Gefüge mittelſt wiedergleicher Umzüge und Schwenkungen Kreiſen des ganzen oder getheilten Reihenkörpers Ketten. Reihungen der Einzelnen in der Reihe. Umreihung der Stirnreihe zur Stirnreihe, der Flankenreihe zur Flankenreihe, der Stirnreihe zur Flankenreihe und umgekehrt Umreihungen auf weiterem Wege Umkreiſen der Führer(Umzüge), Umreihungen mit Ausweichen Umreihungen zweiter Art Verbindung von Reihungen und Schwenkungen Üübungsreihen Umreihungen während des Vorwärtsgehens Umreihung geöffneter Reihen. Klaſſe II. Umreihung und Umgeſtaltung des Reihenkörpersdurch Reihen⸗Reihung. Umreihung der Säule zur Säule, der Linie zur Linie, der Säule zur Linie und umgekehrt Umgeſtaltung des Reihenkörpers a. durch Winkelzug und Gegenzug der einzelnen Reihen; b. durch gleichzeitige Drehung mehrerer Wereiſeten Bildung von Schrägreihen und Staffelſtellungen Umreihung der ſchräg oder in Staffel geſtellten Reihen und des in Staffel geſtellten Reihenkörpers. Klaſſe I. Das Reihenkörper⸗Gefüge. Bildung von Reihenkörper⸗Gefügen(Zügen) Gehen und Schwenken der Züge Umreihungen der Züge.

2) Freiübungen. Klaſſe VI. Anordnung leichter Freiübungen während des Gehens einer Flankenreihe, z. B. Armhaltungen, Handklappen und Stampfen bei beſtimmten Tritten, Gang mit verſchiedenen Fußhaltungen, mit Wippen, Schlagen, Fußklappen, Anferſen u. ſ. f. Leichte Freiübungen im Stehen. Klaſſe V u. IV. Freiübungen im Stehen, Gehen und Hüpfen, in den einfachſten Formen, aber in ſtärkerem Maße und auf längere Dauer, z. B. Spreizübungen in größerem Winkel, Hockwippen auf Dauer, 10 12mal u. ſ. f. Feiübungen mit Anordnung anderer Ausgangs⸗ ſtellungen, z. B. in der Vor⸗ und Seitſchrittſtellung. Gangarten ſind zu größerer Präziſion und geräuſchloſerer Aus⸗ führung zu bringen. Klaſſe III u. II. Die Freiübuugen der vorhergehenden Stufe ſind zu wiederholen und iſt dabei auf möglichſt hohes Maß und große Dauer zu ſehen. Die zum Springen und für das Geräteturnen notwendigen