Aufsatz 
Die Schule und der Krieg
Entstehung
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Vorwort.

Anſer diesjähriges Programm umfaßt eine Periode von zwei Schuljahren. Es war bisher üblich, das Schuljahr mit Oſtern abzuſchließen, weil die älteren Schüler vorzugsweiſe um dieſe Zeit aus der Schule auszutreten pflegten, um in die Geſchäftslehre einzutreten. Seit Einführung der allgemeinen Militärpflicht und des damit in Verbindung ſtehenden Inſtituts der Einjährig⸗Freiwilligen hat jedoch die Zweckmäßigkeit des Abſchluſſes auf Oſtern ihre Bedeutung verloren. Andererſeits erwies es ſich wünſchenswerth, in Rückſicht auf diejenigen Schüler, welche die Abſicht haben, eine polytechniſche Schule zu beſuchen, den Schluß des Unterrichts auf den Herbſt zu verlegen, weil bei dieſen ſämmtlichen Anſtalten die Kurſe ihren Anfang am 1. November nehmen. Als daher von Seiten des Großh. Polytechnikums in Darmſtadt geradezu das Erſuchen an uns gerichtet wurde, in dieſem Sinne eine Aenderung eintreten zu laſſen, ſo ſchien es im Intereſſe unſerer Anſtalt geboten, darauf einzugehen.

Zur Vermittelung dieſes Ueberganges erwies es ſich am zweckmäßigſten, denſelben durch Einſchaltung zweier Schuljahre von je neun Monaten zu vollziehen, und es wurde ſomit das zu Oſtern eröffnete Schuljahr 1871 mit Ende jenes Jahres geſchloſſen, während das mit Neujahr begonnene Schuljahr 1872 nunmehr Ende Auguſt ſeinen Abſchluß erreicht. Indem alsdann mit 1. Oktober das nächſtfolgende Schuljahr 1872/73 ſeinen Anfang nimmt, iſt die Regelmäßigkeit wieder hergeſtellt.

Unſer Programm bhietet aber noch eine weitere Eigenthümlichkeit dar: es enthält nämlich nicht die übliche Einladung zur öffentlichen Prüfung und Schlußfeier. Dieſe abzuhalten, mußten wir uns, wie bereits voriges Jahr, ſo auch am Schluſſe dieſes Schuljahres verſagen. Hierzu bewog uns weniger die Kürze der beiden Schuljahre; denn wir hätten, unter Berückſichtigung deſſen, gewiß unſere Schüler mit entſprechender Leiſtung vorführen können. Allein in Erwägung der vielfachen Störungen, welche während dieſer achtzehnmonatlichen Periode unausgeſetzt das im Realſchulhauſe thätige Bauweſen hervorrufen mußte, ſowie des Umſtandes, daß dieſes in ſeiner Unvollendung noch in einem halb ruinenartigen Zuſtande ſich befindet und wir nicht einmal im Stande ſind, für die Schulfeierlichkeiten ein geeignetes Lokal aufzuweiſen erſcheint die Ausſetzung derſelben hinreichend gerechtfertigt.

Hat mit Ablauf des nächſten Schuljahres der Ausbau ſeine Vollendung erreicht, ſo werden wir die Angehörigen und Freunde unſerer Schule zur Prüfung in ebenſo ſtattliche als freundliche Räumlichkeiten einzuladen die Freude haben und mit vollem Zuge wieder in jene Oeffentlichkeit des deutſchen Schullebens eintreten, die demſelben ſo natürlich und nothwendig iſt, wie das Licht dem Gedeihen der Pflanze.

Der Jahresbericht des Programmes 1870/71 endigt mit den Worten:

In dem Augenblick, wo wir unſeren Bericht ſchließen, beginnen im Schulhofe die Vorbereitungen zum langerſehnten erweiternden Ausbau unſeres Schulhauſes. Möge er raſch und glücklich zu Ende geführt werden. 4 1

Dieſer wohlgerechtfertigte Wunſch iſt indeß, insbeſondere ſo weit er die Raſchheit betrifft, nicht ſo recht in Erfüllung gegangen. Theils die bei jedem Umbau ſich vorfindenden unerwarteten Schwierigkeiten, theils Ungunſt der Witterung im vorigen Herbſt, theils endlich die in dem Arbeiterſtande hier wie allerwärts ſich