Aufsatz 
Die Schulfreundschaft
Entstehung
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13 Auch in dem verfloſſenen Schuljahre hat die Frequenz der Realſchule eine abermalige Steigerung erfahren und es erſcheint von Intereſſe die Bewegung, welche in dieſer Hinſicht ſeit dem Jahre 1864 ſtatt⸗ gefunden hat, nachzuweiſen: Schuljahr: Geſammtſchülerzahl: Zunahme: 1863 64... 254... 1864 65... 279.. 16 1865 66.. 321.. 51 186667.. 343 4. 22 186768... 357... 14 1868 69... 368.. 11 1869 70.. 403.. 35 149.

Es ergiebt ſich hiernach in dieſer Periode eine ſtetige Zunahme der Schülerzahl, wonach die des letzten Jahrgangs die des Jahres 1864 um 149 übertrifft und es läßt ſich mit Sicherheit annehmen, daß der gegen⸗ wärtige Beſtand, wenn nicht zunehmen doch auf dieſer Höhe ſich erhalten werde, auch ohne die in Ausſicht genommene Erweiterung der Stadt.

Wenn wir im Hinblick auf die vorſtehende Thatſache bereits im vorjährigen Programm die Zuverſicht ausgeſprochen haben:

daß der Gemeinderath der Stadt Mainz, in reger Fürſorge für die Intereſſen ſeiner Mitbürger, die geeigneten Einrichtungen veranlaſſen wird, welche ſich durch die Erweiterung der Realſchule nothwendig erweiſen

wenn wir ferner im Hinblick auf die Verhältniſſe von Städten gleichen,(ja weit geringeren Ranges,)

im Norddeutſchen Bunde den Gedanken ausſprachen:

daß unſere Stadt einer Realſchule erſter Ordnung nicht minder würdig und bedürftig ſich erweißt, als dies bei jenen der Fall iſt

ſo gereicht es uns nunmehr zu nicht geringer Freude, mittheilen zu können, daß wir dieſem Ziele im

Laufe des verfloſſenen Jahres weſentlich näher gerückt ſind und ſeine baldige Erreichung hoffen dürfen.

Zu dieſem Zwecke wurde am 17. Juli 1869 dahier eine Commiſſariſche Verhandlung eröffnet, an welcher der Gr. Oberſtudiendirector, Geheimerath Kritzler, der Gr. Oberſtudienrath Dr. Wagner, der Gr. Kreis⸗ rath, Geheimerath Schmitt, ſowie der Gr. Realſchuldirector Dr. Schödler und als Protokollführer der Gr. Reallehrer Albert ſich betheiligten, während von Seiten der Stadt die Herrn Gemeinderäthe Advokat⸗ Anwalt Dr. Görz und Boudin hierzu delegirt waren. Die aus der gepflogenen Berathung hervorgegangenen Anträge der Commiſſion, im Weſentlichen gerichtet auf die Herſtellung weiterer Lehrzimmer, Erhöhung des Realſchulfonds zur Vermehrung des Lehrperſonals, ſowie auf Fixirung und Verbeſſerung ſeines Einkommens, und auf die Erweiterung der Anſtalt zur Realſchule erſter Ordnung haben in der Sitzung vom 10. September v. J. die Genehmigung des Gemeinderaths ſowie ſpäter des Gr. Miniſteriums erhalten.

In Betreff der Erweiterung der Realſchule haben wir im vorjährigen Programme darauf hingewieſen, wie dieſelbe bisher von einer beträchtlichen Anzahl von Schülern beſucht worden iſt, die nach Erledigung der oberſten Klaſſe in einer höheren Lehranſtalt, insbeſondere in die politechniſche Schule einzutreten beabſichtigten, die aber hierzu weder das erforderliche Alter, noch die geeignete Reife beſaßen und daher genöthigt waren, dieſe Lücke durch Privatunterricht auszufüllen oder 2 Jahre länger in den Vorbereitungsklaſſen auswärtiger höherer Lehranſtalten zuzubringen. Dieſem Nachtheil ſoll nunmehr begegnet werden durch eine geeignete Er⸗ weiterung unſerer Realſchule. Indem dieſelbe für die Mehrzahl der Schüler die bisherige Einrichtung von ſechs einjährigen Klaſſen beibehielt, mit deren Crledigung die Berechtigung zum einjährigen Militärdienſt erlangt wird, ſchließt ſich künftig noch eine zweijährige Oberklaſſe an für ſolche, die eine weitere Ausbildung bedürfen. Beim Abgang von derſelben iſt eine Maturitätsprüfung zu erledigen, welche den Schülern alle die Berechtigungen im Civil⸗ und Militärdienſt gewährt, wie dies bei den Realſchülern erſter Ordnung in Preußen der Fall iſt.

Es empfiehlt ſich daher der Beſuch der Oberklaſſe für diejenigen, welche ſich den höheren techniſchen