Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Höheren Bürgerschule und Großherzoglichen Realschule zu Oppenheim am Rhein von 1847-1897
Entstehung
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und allgemeinere Intereſſen des Lebens erweiterte. Dieſem Bedürfniſſe iſt nun ſeit Oſtern vorigen Jahres genüge geſchehen durch die Gründung der hieſigen Anſtalt, welche den ange⸗ gebenen Zweck möglichſt vollſtändig zu verwirklichen ſtrebt. Denn daß nur wahre und gediegene Volksbildung allein die Grundlage des Glückes und Wohlergehens der bürgerlichen Geſellſchaft bildet, iſt eine allbekannte Sache und wird daher auch dem ganz unbemittelten Talente und Fleiße in Zukunft der Weg zu einer weiteren Ausbildung durch die hieſige Anſtalt geöffnet ſein.

Unterrichtsgegenſtände, welche im Schuljahre 184748 durchgenommen worden ſind. (Die Anſtalt wurde den 3. Mai 1347 eröffnet.)

I. Religionsunterricht. a. Die evang. Schüler bei Dr. Noack: Bibliſche Geſchichte des alten und neuen Teſtamentes, Glaubenslehre mit Memorieren von Bibelſprüchen. Für die Konfir⸗ mierten: Einleitung in die bibliſchen Bücher.

b. Die katholiſchen Schüler bis März 1848 bei Herrn Kaplan Helferich, von da bis zum Schluſſe des Schuljahres bei Hrn. Kaplan Voß: die Lehre vom Glauven im allgemeinen, die Lehre von Gott, den Eigenſchaften Gottes, von den Perſonen in der Gottheit. Von der Erſchaffung und dem Sündenfall des Menſchen, von der Erlöſung der Menſchen und von der Perſon des Erlöſers nach dem größeren Mainzer Diöceſan⸗Katechismus, mit jedesmaliger Berückſichtigung der bib⸗ liſchen Geſchichte.

c. Die iſraelitiſchen Schüler nahmen an dem von Herrn Stettenheimer erteilten Religions⸗ Unterrichte Anteil.

II. Deutſche Sprache. Dr. Noack. II. Klaſſe. Übungen im Leſen proſaiſcher und poetiſcher Stücke, Auswendiglernen poetiſcher Stücke, Ubungen im Rechtſchreiben. In der Sprachlehre wurde die Lehre von den einzelnen Wortarten durchgenommen und damit mündliche und ſchriftliche Übungen im Bilden von Sätzen verbunden..

I. Klaſſe. Die Lehre vom Satzbau und von der Interpunktion, regelmäßige ſchriftliche Ausarbeitungen in verſchiedenen Stylarten, Leſen und Vortrag dichteriſcher Muſterſtücke, der Versbau, die verſchiedenen Dichtgattungen, Biographien ausgezeichneter vaterländiſcher Schrift⸗ ſteller und Notizen darüber.

III. Franzöſiſche Sprache. J. Heitger. II. Kl. 2. Abteilung. Leſeübungen, Memorieren nach önem praktiſchen naturgemäßen Lehrgange(Hillebrands Leitfaden). Übungen im Überſetzen in beide

prachen.

1. Abt. Fortgeſetzte Leſeübungen. Die fünf erſten Erzählungen von Berquin aus Weckers Lehrbuch wurden memoriert, ins Deutſche überſetzt und umgekehrt. Grammatiſche Übungen, die Konjugation der Hilfszeitwörter.

I. Kl. 2. Abt. Fortgeſetztes Memorieren aus Weckers Lehrbuch der franzöſiſchen Sprache grammatiſche Ubungen, Konjugation der regel⸗ und unregelmäßigen Zeitwörter, Überſetzen klaſſiſcher Muſterſtücke aus Ahns franzöſiſchem Leſebuche, Sprechübungen..

1. Abt. Wiederholung der unregelmäßigen Zeitwörter, grammatiſche Übungen, Üüberſetzen ausgeſuchter Stücke aus den Leçons françaises de littérature et de morale, Auswendiglernen poetiſcher Muſterſtücke, Konverſation. Beſonders geleſen und erklärt wurde noch Athalie, Tragédie von Racine. Der Unterricht wurde hier faſt ganz in franzöſiſcher Sprache erteilt.

. IV. Engliſche Sprache. J. Heitger. 2. Abt. Beſonders Leſeübungen, Memorieren, leichte Überſetzungen, die Konjugation der Zeitwörter nach Behnſch's praktiſchem Lehrgange, Üüberſetzen der demſelben angehängten Erzählungen.

1. Abt. Memorieren aus Weckers Lehrbuch der engliſchen Sprache, grammatiſche Übungen, Wiederholung der Zeitwörter, Überſetzen ausgeſuchter Muſterſtücke aus den English Lessons literary and moral. Beſonders geleſen und erklärt wurden noch die acht erſten Kapitel von Goldsmith's Vicar of Wakefield, Sprechübungen.

V. Lateiniſche Sprache. Dr. Noack. An dem Unterrichte dieſer Sprache nehmen die Schüler nur freiwillig Anteil.