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Herr Schneider wurde durch Allerhöchſtes Decret vom 21. Juni 1859 definitiv zum Lehrer an der Anſtalt ernannt. Auf Erfordern hat derſelbe folgende biographiſche Notizen ertheilt:
Heinrich Konrad Schneider, geboren am 25. März 1828 zu Traishorloff, beſuchte bis zu ſeiner Con⸗ firmation die Volksſchule ſeines Heimathsortes und bereitete ſich bei dem Ortsgeiſtlichen und Kreisſchulcommiſſär Möbius zum Beſuche des Großherzoglichen Schullehrerſeminars zu Friedberg vor. Im Jahre 1848 hatte er den zweijährigen Cur⸗ ſus des Seminars beendigt und wurde ſofort zum Viear der evangeliſchen Schule zu Niederſtoll, bei Schlitz, ernannt. In den Jahren 1848—1851 widmete er ſich, unter Anleitung eines Chemikers, des Apothekers Waslé zu Schlitz, dem Studium der Chemie. Noch 1851 legte er jedoch ſeine Schulſtelle nieder und ſtudirte in den Jahren 1852 und 1853 auf der Landesuniverſität Naturwiſſenſchaften und Mathematik, und wirkte, nachdem er das höhere Lehramts⸗Examen für Na⸗ turwiſſenſchaften beſtanden hatte, als proviſoriſcher Lehrer an der Rectoratsſchule in Echzell. Dieſe Stelle begleitete er 1 ½⅛ Jahre und legte zugleich den Grund zur Entſtehung der Wetterauer Ackerbauſchule, wofür ihm die landwirthſchaftliche Verdienſtmedaille zu Theil geworden iſt. Nachdem er im Frühjahre 1855 auch ein Examen im Lateiniſchen, Franzöſiſchen und Engliſchen beſtanden hatte, wurde er ſofort zum geſetzlichen Lehramtsacceß am Großherzoglichen Gymnaſium in Worms zugelaſſen, an welcher Anſtalt er im Frühjahre 1858 ſeine erſte proviſoriſche Anſtellung erhielt, die er im Herbſte desſel⸗ ben Jahres mit einer Anſtellung an der höheren Bürgerſchule in Oppenheim vertauſchte, von wo er alsdann am 3. Ja⸗ nuar 1859 proviſoriſch und am 21. Juni definitiv der Großherzoglichen Realſchnle zu Alzey überwieſen wurde.
Neben ſeiner Wirkſamkeit in Worms, Oppenheim und hier, war er ſeit 1855 in den Wintermonaten für den land⸗ wirthſchaftlichen Verein der Provinz Rheinheſſen als vortragender Lehrer der Landwirthſchaft thätig, und verfaßte:
1) des Volkes Naturgeheimniſſe, oder naturwiſſenſchaftliche Vorträge mit Ruͤckſicht auf Technik und Landwirth⸗
ſchaft. 2 Bde.
2) Populäre landwirthſchaftliche Briefe; drei Bände, bereits in's Franzöſiſche, Engliſche und Polniſche überſetzt.
3) Oſthofer landwirtbſchaftliche Jahresberichte. 3 Bde..
4) Denkſchrift über die Verallgemeinerung landwirthſchaftlicher Berufsbildung, und
5) Landwirthſchaftliches Lehr⸗ und Leſebuch.*
Herr Decan Nillius hat die katholiſche Religionslehrerſtelle an unſerer Schule den 20. März 1860 niedergelegt und iſt abgereiſt von hier, ohne die für das Programm erforderlichen Angaben über den katholiſchen Religionsunterricht zurückgelaſſen zu haben. Sein Nachfolger iſt noch nicht ernannt.
Durch Verfügung Großherzoglicher Oberſtudien⸗Direction vom 19. März 1860 wurde dem Gymnaſiallehramts⸗Candidaten Dr. Heinrich Diehl aus Albig geſtattet, ſeinen Acceß an der hieſi⸗ gen Realſchule zu beendigen.
Höchſtpreisliches Miniſterium des Innern hat durch Entſchließung vom 13. Mai 1859 zu Nr. M. d. J. 6545 die Errichtung einer Vorbereitungsſchule zur Realſchule zu Alzey gnädigſt genehmigt, und es fand in Folge deſſen die Eröffnung dieſer neuen Schulanſtalt den 22. Juni mit 25 Schülern Statt. Die jetzige Schülerzahl beträgt 31.
Die Vorbereitungsſchule zerfällt vorerſtin zwei Abtheilungen und umfaßt die Ele⸗ mentarvorbildung und die Einführung in die franzöſiſche Sprache.
Herr Zimmer, früher Lehrer an den hieſigen Stadtſchulen, wurde den 6. Juni 1859 von Großherzoglicher Oberſtudien⸗Direction, vorbehaltlich ſeiner Rechte als definitiver Lehrer, zum proviſoriſchen Lehrer an dieſer neuen Schule ernannt. Außerdem ertheilen noch an derſelben mit Genehmigung der genannten Oberſtudien⸗Behörde die Reallehrer, Herr Heitger und Herr Schneider, gegen Remunerationen Unterricht, und zwar erſterer im Franzöſiſchen und in der Geographie, letzterer im Zeichnen.. 1
Am 10. November 1859 ward auch in unſerer Anſtalt das hundertjährige Geburtsfeſt Schiller's in dem hierzu feſtlich geſchmückten Schulſaale gefeiert. Eine Anrede des Directors und eine von dem Reallehrer Dr. Krämer gehaltene Feſtrede ſowie Vorträge der Schüler aus den Werken des großen Dichters wechſelten mit Geſängen. Die Schüler werden eine ſchöne Erin⸗ nerung an dieſes Feſt bewahren, eine Erinnerung, die ſie heben und begeiſtern ſoll zum Streben nach allem Hohen und Edlen.


