Aufsatz 
Ein altdeutsches Frühlingsfest. Eine kulturgeschichtliche Studie : 1. Teil
Entstehung
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Jahre im hieſigen Rathhausſaale eine zahlreich beſuchte Schulfeier. Es wechſelten Geſang und Dekla⸗ mationen, der Unterprimaner Kuhn und der Abiturient Diefenbach hielten paſſende Anſprachen. und der Direktor ſchloß die Feſtlichkeit mit einer die hohe Bedentung des Tages hervorhebenden Rede. Neben der Sedanfeier iſt es das Wiegenfeſt des geliebten Monarchen, unſeres erhabenen Protek⸗ tors, Seiner Majeſtät des Kaiſers und Königs, weelches die Anſtalt alljährlich mit beſonderem Glanze öffentlich begeht, weshalb hier nicht übergangen werden darf, daß im vorigen Jahre der 22. März durch eine Feierlichkeit verherrlicht wurde, auf welcher nach dem Abſingen vaterländiſcher Lieder und dem Vortrage geeigneter Gedichte der Unterprimaner Bräutigam einige Worte ſprachüber Rückerts geharniſchte Sonette und Herr Gymnaſiallehrer Dr. Wahle in der Feſtrede die Verdienſte des Freiherrn von Stein um Preußen und Deutſchland eingehend würdigte. Außer den ſtehenden Schulfeiern dieſer deutſchen Ehrentage boten zur Belebung der nationalen Geſinnung unſerer Zöglinge insbeſondere gemeinſchaftliche Ausflüge Anlaß, welche von Zeit zu Zeit unternommen, um neben dem Ernſte, den das Studium erheiſcht, auch der friſchen Munterkeit der Knaben und dem jugendlichen Frohfinn der vorgerückteren Gymnaſiaſten das gebührende Recht zu laſſen, in ungezwungenſter Weiſe zu patriotiſchen, die Herzen erhebenden und begeiſternden Feſten von ſelbſt ſich geſtalteten. Der Verluſt, den der Unterricht wegen der ihm entzogenen Stunden erlitt, wurde durch die geſteigerte Lernfreudigkeit der Schüler nachher reichlich aufgewogen.

Sonſt iſt der Unterricht während der abgelaufenen Periode abgeſehen von den Ferien nur am 9., 25., 26. Juli 1872 und am 22. Juli 1873 Nachmittags wegen zu großer Hitze ausgeſetzt worden.

Der Geſundheitszuſtand der Lehrer und Schüler war in den 2 Jahren ein befriedigender. Leider haben wir jedoch den Tod dreier braver Schüler zu beklagen, nämlich des Quartaners Ludwig Mann aus Montabaur, der am 1. Juni 1873 am Typhus ſtarb, des Unterſekundaners Heinrich Groyen aus Königswinter, welcher am 25. Auguſt 1873 in der Heimat der Tuberkuloſe erlag, und des Obertertianers Ludwig Dormann aus Wiesbaden, der in den Herbſtferien am 29. September 1873 im elterlichen Hauſe vom Scharlachfieber dahingerafft wurde. R. i. p.

Die kirchliche Ordnung iſt unverändert geblieben. Bemerkt zu werden verdient, daß am 23. Juni 1873 der hochwürdigſte Herr Biſchof von Limburg 80 Gymnaſiaſten in der hieſigen Pfarrkirche das h. Sakrament der Firmung ſpendete, nachdem dieſelben in einem beſonderen Unter⸗ richte von dem Religionslehrer Herrn Eyſert hierauf waren vorbereitet worden. Die gemeinſchaftliche öſterliche h. Kommunion feierten die katholiſchen Lehrer und Schüler im Jahre 1873 am 2. März, im laufenden Jahre am 22. Februar.

Veränderungen in der Zuſammenſetzung des Lehrerkollegiums haben während des verfloſſenen Zeitraums nur in ſoweit ſtattgefunden, als mit der Leitung des Turnunterrichts ſeit dem Sommerſemeſter 1872 der an der Königlichen Central⸗Turnanſtalt in Berlin vorge⸗ bildete Elementarlehrer Herr Briel beauftragt iſt und das Königliche Provinzial⸗Schulkollegium durch Verfügung vom 21. September 1873 den Kandidaten des höheren Schulamts Herrn Robert Steffen aus Herford zur Ableiſtung des geſetzlichen Probejahres dem Gymnaſium überwieſen hat.

Um Zulaſſung zur dritten Abiturienten⸗Prüfung bewarben ſich 5 Oberprimaner, die