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etwas erreichte und dem Strebſamen ein begeiſterter Führer zum höchſten Ziele zu ſein,— das war ſeine Kunſt, das war ſeine Freude. Aber leider trug er ſeinen Schatz in einem zer⸗ brechlichen Gefaͤße. Noch ſtand er in den guten Jahren ſeines Lebens, als ein ſchweres und, wie der Erfolg lehrte, unheilbares Uebel in ihm ſich zu regen begann. Mit großer Beſorgniß ſahen ſeine Collegen und Freunde, daß dieſes verborgene Leiden zunahm, und ſeine Kräfte zwar langſam, aber unaufhaltſam verzehrte. Er ſelbſt, dem das Leben ſo manchen bitteren Kelch gereicht hatte, wußte lange Zeit auch dieſe Laſt zu tragen, ohne in ſeiner Thätigkeit auch nur im Mindeſten nachzulaſſen. Seine große Pflichttreue half ihm Berge überſteigen, vor denen mancher andere muthlos ſtehen geblieben wäre. Ja, es wird uns allen unvergeßlich ſein, wie der ſchwer leidende Mann im letzten Jahre zu euch, ſeinen geliebten Schülern, buchſtäblich ſich ſchleppte, und ſelbſt da noch wirkte, als ſchon die Schatten des Todes auf ſeinem Antlitz lagen. Erſt als ſeine Füße ihn nicht mehr tragen wollten, hielt er ein. Die Zeit der Früh⸗ lingsferien, von der er und wir alle neue Stärkung für ſeinen kranken Leib erwarteten, ging vorüber, ohne daß Beſſerung eingetreten wäre. Das neue Schuljahr wurde begonnen und er war nicht in unſerer Mitte; und nun, da kaum einige Wochen desſelben dahin ſind, ſtehen wir an ſeinem Grabe. Als Chriſten wiſſen wir Gottes Wege zu ehren. Seine Wege ſind immer gut, auch wenn es dem gebeugten Herzen anders ſcheint. Wir wiſſen auch, daß Gott an eines Menſchen Wirkſamkeit nicht gebunden iſt. Er kann wiedergeben in anderer Weiſe, was Er genommen hat. Darum klagen wir nicht wie die Thoren, die keinen Glauben haben. Aber in tiefer Wehmuth blicken wir hinab in die Gruft des geliebten Lehrers und rufen ihm nach: Dein Gedächtniß wird bleiben im Segen und unſer Dank wird nicht ſterben für das, was Gott in dir und durch dich uns gegeben.“
Vom 19. bis 28. Mai Pfingſtferien.
Durch Reſcript vom 12. Mai ad. Num. Reg. 11,862 wurde der stud. med. Herr Ernſt Zais von Wiesbaden zu einer nachträglichen Maturitätsprüfung an dem hieſigen Gymnaſium zugelaſſen und beſtand dieſelbe in den Tagen vom 29. Mai bis zum 4. Juni.
Am 12. Juli Nachmittags verſchied im 67 Lebensjahre der Zeichenlehrer Maler Durſt, nachdem er länger als zwanzig Jahre mit gutem Erfolge an dem hieſigen Gymnaſium gewirkt hatte. Die Anſtalt wird den Verſtorbenen, der ſich neben der Tüchtigkeit in ſeinem Fache auch durch eine höhere geiſtige Bildung überhaupt, ſowie durch große Pflichttreue im Dienſte auszeichnete, noch lange in ehrendem Andenken behalten.
Am 24. Juli wurde noch das Geburtsfeſt Seiner Hoheit des Herzogs von Naſſau von dem Gymnaſium durch einen feierlichen Redeact in der Aula begangen. Die von dem Collaborator Schmitthenner geſprochene Feſtrede handelte von dem Werthe und der Be⸗ deutung der ſittlichen Bildung für die ſtudirende Jugend.
Vom 23. bis 28. Auguſt(ſchriftliche) und am 1. September(mündliche) Maturitäts⸗ prüfung, zu welcher der Oberprimaner Emil Dörr von Unterliederbach durch Reſcript von 18. Juli ad Num. Reg. 25,621 zugelaſſen worden war. Derſelbe beſtand die Prüfung mit der Reifenummer III und ſtudirt(evangeliſche) Theologie.
Am 10. und 11. September Herbſtprüfung und Entlaſſung des Abiturienten Dörr, darauf Ferien bis zum 10. October.
Am 10. October Aufnahmeprüfung und am 11. Eröffnung des Winterhalbjahrs.
Montag den 29. October beehrte Herr Geheimer Oberregierungsrath ꝛc. Dr. Wieſe von Berlin auf der Durchreiſe die Anſtalt mit einem kurzen Beſuche.


