Aufsatz 
Darlegung und Prüfung der Kant'schen Kritik des ontologischen Beweises für's Dasein Gottes. Zur Begrüßung der 32. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner
Entstehung
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20 derselben Lebhaftigkeit entstehen, was jedoch bei normalen Verhältnissen nicht der Fall ist, ja im Gegentheil: Die Vor- stellung des Raumes tritt meist plötzlich und ohne Zusammen- hang mit der inneren Gedankenkette hervor. Ist nun aber der Raum objektiv gegeben, dann muss auch die Zeit etwas Objektives sein, weil im Raum Veränderungen vor sich gehen, die nothwendig auch objektiv Zeit voraussetzen. Indessen ist die Kant'sche Lehre von Raum uud Zeit schon deshalb gan⸗z unnatürlich, weil Raum und Zeit nicht einmal dem Ich als ⸗Ding an sich⸗ zukommen, sondern nur subjektive Zuthaten desselben sind. Dasselbe behauptet auch Kant von den Kate- gorien, in diesem Falle aber würde alles Denken illusorisch. Die Kategorienlehre Kants fällt jedoch schon dadurch, dass wir nicht nur das Mannigfaltige wahrnehmen, welchem nach Kant erst die Kategorien die Einheitsform des Denkens schaffen, sondern dass die Wahrnehmung schon selbst uns Ein- heiten giebt; ja wir bedürfen zu Einheitsbegriffen durchaus der einenden Macht der Dinge selbst. Zwei Zimmer sind z. B. nur deshalb zwei, weil eine trennende Wand zwischen ihnen ist; ein Zimmer ist nur deshalb eins, weil sich in demselben keine den Raum theilende Wand findet. Hieraus sehen wir also, dass der Begriff der Einheit, welcher nach Kant das charakteristische Merkmal der Kategorien ist, auch ob- jektive Giltigkeit hat. Ebenso ist es mit dem Causalitäts- verhältniss, welches Veränderungen im Raum und damit die Zeit voraussetzt. Die reine Subjektivität der Kategorien fällt demnach mit der reinen Subjektivität des Raumes und der Zeit. Für uns steht also der Fundamentalsatz zur Ermittlung der Wahrheit fest: Alles, was wahrgenommen wird, existirt, wofern sich nicht in dem Wahrgenommenen ein Widerspruch

tindet.