Aufsatz 
Die Frankenkönigin Brunichilde
Entstehung
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Gregor forderte und erhielt, ¹) mochte in der Geiſtlichkeit den Glauben erwecken, ſie als williges Werkzeug benutzen und zu allen Zwecken gebrauchen zu können. Allein in dieſer Hoffnung täuſchte man ſich ſehr; in allen Dingen, in denen es ſich um königliche Prärogative handelte, war Brunichilde unerbittlich und nicht zum Nachgeben zu bewegen. So iſt ſie zwar nicht gegen die Berufung einer Synode, um über die Ab⸗ ſchaffung der Simonie zu berathen,²) ſie thut aber nichts für die Sache und macht dem Vicar des päpſt⸗ lichen Stuhles, dem Biſchofe Virgilius von Arles, keinerlei Zugeſtändniſſe. Wie unwürdig ihr auch der Verkauf geiſtlicher Würden erſcheinen mochte, ſo konnte ſie doch auf das Recht der Krone, die Bisthümer für Geld zu vergeben, um ſo weniger verzichten, als derſelben hieraus eine bedeutende Einnahme zufloß, und es von Alters her, ſelbſt von Königen wie der fromme Gunthramm, unbedenklich ausgeübt worden war. War hierüber ſchon das gute Einvernehmen ſehr getrübt worden, ſo ſteigerte ſich die Unzufriedenheit, als Streitigkeiten über die geiſtliche Gerichtsbarkeit ſich erhoben; und da Brunichilde ihrerſeits ſich durch die Biſchöfe, welche, zum Theile ſelbſt dem fränkiſchen Adel angehörig, ſich bei den Verſchwörungen zu ihrem Sturze betheiligt hatten,3) verletzt fühlte und an den Sitten und dem Leben vieler Geiſtlichen mit Recht Anſtoß nahm, ſo ging die Spannung bald in offene Feindſchaft über. Nun ſieht man in ihr eine zweite Jeſabel,*) welche durch Meuchelmord wegzuſchaffen Geiſtliche auf Fredegundens Befehl übernahmen, nun iſt ſie die Bruna, vor deren Antlitz viel Volkes umkommen ſoll,s) und je eifriger man ſie früher gelobt hatte, deſto härter und leidenſchaftlicher wurde der Tadel, mit welchem ſie von Seiten des Klerus über⸗ ſchüttet wurde. Die Feindſchaft zwiſchen Thron und Kirche war daher keineswegs von Brunichilden abſicht⸗ lich hervorgerufen worden, ſondern der Same dazu lag ſchon lange vor, konnte jedoch unter der kräftigen Regierung eines Sigibert und Chilperich nicht keimen und mußte eine Zeit abwarten, da das Frankenreich von drei Knaben und einem Weibe beherrſcht wurde, um im Vereine mit einem übermüthigen Adel, der ſich von der Krone zu emancipiren ſtrebte, die Königsgewalt der Kirche unterthan zu machen. So hat der Kampf zwiſchen Scepter und Krummſtab, der für das ganze Mittelalter ſo ſchwere Folgen nach ſich zog, ſchon damals begonnen und damit geendigt, daß ein anderer Gregor mit der Demüthigung des Kaiſers Hein⸗ rich IV. die weltliche Macht zur Unterwerfung und den ſtolzen Bau der Hierarchie zur völligen Vollen⸗ dung brachte.

Am meiſten Anlaß zu Vorwürfen gab Brunichildens Benehmen gegen Deſiderius, Biſchof von Vienne, und den heiligen Columban. Was den erſteren betrifft, ſo ſind die Nachrichten über ſeinen Tod ſo dürftig, daß das gegen ihn eingehaltene Verfahren ſich jeder Kritik entzieht. Deſiderius hatte ſich erlaubt die ſchlechten Sitten der Königin öffentlich zu rügen, wofür er in die Verbannung gehen mußte. Wäre die⸗ ſes das einzige Vergehen deſſelben geweſen, ſo würde ſein Loos als ein ſehr hartes erſcheinen, aber jeden⸗ falls lag noch anderes gegen ihn vor, da eine in Cabillonum abgehaltene Synode ihn ſeiner Würde entſetzte und das Verbannungsurtheil beſtätigte.“) Die Verſammlungen der Biſchöfe gaben ſich nämlich keineswegs

¹) L. VI. ep. 50. Indicamus latori praesentium, Leuparico, reliquias nos beatorum Apostolorum Petri et Pauli, juxta Excellentiae vestrae petitionem, cum ea veneratione, qua dignum est, praebuisse.

²) L. IX. ep. 109. handelt„de iis, qui ex laicis repente fiunt episcopi aut per simoniam ordinantur“ und wünſcht, daß eine Synode zur Ausrottung dieſer Ketzerei veranſtaltet werde, welches letztere auch der Zweck von I. IX. ep. 63. iſt.

³) Man denke an den Biſchof Egidius. Vergl. p. 5.

4) Ionae vit. Col. c. 18.

5⁵) Hist. Franc. Epit. 59. Tanta mala et effusiones sanguinum a Brunichildis consilio in Francia facta sunt, ut prophetia Sibyllae impleretur dicens: Veniet Bruna de partibus Spaniae, ante cujus conspectum multae gentes peribunt.

) Fred. 24. Synodus Cabillono colligitur: Desiderium Viennensem episcopum dejiciunt, et instigante Aridio, Lugdunensi episcopo, et Brunichilde subrogatus est loco ipsius sacerdotali officio Domnolus; Desiderius vero in insulam quamdam exsilio retruditur. 4