worden, Reichthum und äußere Ehre zu erlangen, und wurde darum oft mit den verwerflichſten Mitteln geſucht, indem die Candidaten ſelbſt dem Könige Geſchenke boten, um in ein einträgliches Bisthum eingeſetzt zu werden, und damit den Verkauf der geiſtlichen Stellen hervorriefen.!.) Auf dieſem Wege wurden viele unwürdige Glieder in den Klerus aufgenommen, die durch ſittenloſen Lebenswandel, Trunkſucht, Ehebruch ihren Stand den Laien gegenüber erniedrigten und das der Kirche gebührende Anſehen ſchwächten.) Da bei der Rohheit der Zeit die Geiſtlichkeit des äußeren Schutzes nicht entbehren konnte, ſo kam ſie bald in eine Abhängigkeit von der weltlichen Macht, welche ihre völlige Unterwerfung unter dieſelbe befürchten ließ. Es iſt daher nicht zu verwundern, daß die Kirche ſich von dieſem läſtigen Verhältniſſe freizumachen und auf jede Weiſe den Einfluß der Krone zu vermindern ſtrebte. Bei dem engen Bunde, den Thron und Altar mit einander geſchloſſen, konnte es dem Klerus natürlich nicht gleichgültig ſein, wenn eine, arianiſche Gemahlin dem Könige zur Seite ſtand: um ſo freudiger aber war er überraſcht, als Brunichilde ſich zur orthodoxen Lehre bekehrte und dem neuen Glauben, wenigſtens bis zum Tode Gregors von Tours, mit ſeltener Treue und Standhaftigkeit anhing.³²) Auch ſpäter, nachdem ſie unter Theoderich in den factiſchen Beſitz der Re⸗ gierung gelangt war, hatte ſie das gute Einvernehmen mit dem Klerus fortgeſetzt und in der richtigen Er⸗ kenntniß, daß nur die Kirche der Rohheit und Sittenloſigkeit der Franken einen Damm entgegenzuſetzen ver⸗ möge, alle Maßregeln des päpſtlichen Stuhles, ſo viel in ihren Kräften ſtand, unterſtützt. Noch herrſchte mancher Aberglaube aus der alten Druidenzeit in Gallien, welchen auszurotten dem Chriſtenthume nicht gelungen war, die Sitten der Prieſter ließen viel zu wünſchen, und die Kirche allein konnte nicht durchdringen: da wendet ſich der Papſt Gregor der Große an Brunichilde und ſucht ihre mächtige Hülfe für die Ausrottung der letzten Reſte des Heidenthumsa) und die ſittliche Beſſerung des Klerus, der dann durch das eigene Beiſpiel auf die Laien wirken ſollte.“) Auch das Miſſionswerk der Kirche fördert Brunichilde mit allen Kräften und läßt dem Auguſtinus, der zur Bekehrung der heidniſchen Angeln und Sachſen nach England zog, ihren Beiſtand in ſolchem Maße zu Theil werden, daß Gregor I. ihr ſeine beſondere Anerkennung dafür an mehreren Stellen ſeiner Briefe ausſpricht.) Der Umſtand, daß ſie in allen Stücken ſich gegen die Kirche fügſam zeigte, daß ſie, der herrſchenden Sitte ihrer Zeit gemäß, Autun ein Kloſter delndeie für welches ihr beſondere Privilegien bewilligt wurden, 7) daß ſe ſeun Reliquien von
¹) Vergl.„Löbell, geezer von Tours und ſeiue Zeit, Lpzg. 1839“ p. 349 seq.
²) Vergl.„Löbell“ p. 309 seg..
3) Hist. Franc. 4, 27. Et quia Arianae legi subjecta erat, per praedicationem Sacerdotum atque ipsius regis commonitionem conversa, beatam in unitate confessa Trinitatem credidit atque chrismata est, quae in no- mine Christi Catholica perseverat.
4) 8. Gregorii Epist. Reg. I. IX. 11. Hoc quoque pariter hortamur, ut et ceteros sub disciplinae debeatis
moderatione restringere, ut idolis non immolent, cultores arborum non exsistant, ‚de animalium capitibus
sacrificia sacrilega non exhibeant: quia pervenit ad nos, quod multi Christianorum et ad Ecelesias occur- rant et, quod dici nefas est, a culturis daemonum non abscedant..
⁵) L. XI. ep. 69. handelt ganz von der Verbeſſerung der Sitten und der Disciplin des Klerus.
6) L. IX. ep. 11. Qualiter autem se Excellentia vestra erga fratrem et coëpiscopum nostrnm Augustinum exhibuerit quantamque illi, sibi Deo aspirante, caritatem impenderit, diversorum fidelium relatione cogno- vimus. Ebenſo l. XI. ep. 62. Quanto autem favore quantaque opitulatione Excellentia vestra reveren- dissimum fratrem et coëpiscopum nostrum Augustinum proficiscentem ad Anglorum gentem adjuverit, nec antea silentio fama conticuit et postea quidem ab eo ad nos Monachi redeuntes subtiliter retulerunt.
7) L. XIII. ep. 6. Epistolis autem vestris indicantibus agnoscentes Eeclesiam vos S. Martini in suburbano Augustodunensi atque monasterium ancillarum Dei nec non et xenodochium in urbe eadem construxisse
valde laetati sumus et gratias omnipotenti Deo retulimus, qui cordis vestri sinceritatem ad haec ope- randa compungit.


