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mit der Geſchichte ſelbſt, indem ja anfangs beide Brüder einig ſind und den Chlothar zur Abtretung des größeren Theiles ſeiner Länder zwingen. Vielleicht war über die Theilung des eroberten Gebietes Streit entſtanden, vielleicht trieben die ehrgeizigen Großen zum Kampfe: gewiß iſt nur, daß die beſſere Hälfte der Nation dem Bürgerkriege abhold war und den Protadius, der für den Hauptanſtifter der Zwietracht angeſehen wurde, ſein thörichtes Beginnen mit dem Leben büßen ließ. Wäre Brunichilde Mitwiſſerin ſeines Planes geweſen, ſo würde der Adel gewiß die Gelegenheit, ſich von der ihm läſtigen Mitregentin zu befreien, nicht verſäumt haben und hätte ſie das Schickſal ihres angeblichen Buhlen theilen laſſen. Nimmt man nun auch an, daß ſie damals die Brüder gegen einander aufgehetzt, ſo erreichte ſie doch ihren Zweck nicht, denn der Friede wurde wiederhergeſtellt und beſtand fort, bis ihn Theodebert mit dem treuloſen Ueberfalle auf Saloiſſa brach. An dem Kriege, der nun begann, trägt Brunichilde keine Schuld, und Theodebert hat durch ſein un⸗ würdiges Benehmen ſein trauriges Ende ſelbſt herbeigeführt. Bald nach ihm ſtarb Theoderich, wie das Gerücht ſagt, an dem Gifte, welches ihm die Großmutter, mit der er ſich entzweit, beigebracht hätte. Iſt dieß ſchon an und für ſich unglaublich, weil Brunichilde, deren Herrſchaft nur auf der Perſon des Enkels beruhte, ſich mit deſſen Ermordung ſelbſt der einzigen Stütze beraubt und dem furchtbaren Haſſe der fränkiſchen Großen rettungslos preisgegeben haben würde, ſo berichten andere Zeugniſſe ausdrücklich, daß Theoderich durch die Ruhr'“) oder, bei einer Feuersbrunſt von der Hand Gottes getroffen, um das Leben gekommen ſei.²) Die geringe Glaubwürdigkeit der gesta regum Francorum c. 39. welche die Vergiftung behaupten, geht auch weiter daraus hervor, daß dort von Brunichilden erzählt wird, ſie habe nach dem Tode des Theoderich deſſen kleine Söhne abſcheulicher Weiſe ermorden laſſen, den jüngſten ſogar, indem ſie ihm den Kopf an einem Felſen zerſchmetterte, während aus Fredegar und Jonas zu erſehen iſt, daß ſie ihren Urenkeln den Thron zu er⸗ halten ſtrebte und darüber ſelbſt das Leben verlor. Wäre ſie daher an dem Tode des Theoderich betheiligt geweſen, ſo würde Fredegar und Jonas nicht verfehlt haben ihr dieſe That mit den härteſten Worten vor⸗ zuwerfen, ſo daß ihr Schweigen einer Freiſprechung gleich zu achten iſt. Wie wenig genau man es übrigens nahm, Brunichilden Verbrechen aufzubürden, an welchen ſie unſchuldig iſt, geht aus der Liſte der Könige hervor, welche als ihr Opfer gefallen ſein ſollen. Von den von Chlothar genanntens) ſind Sigibert und Merovech, vielleicht auch Chilperich, durch Fredegunden beſeitigt worden, Theodebert und deſſen Sohn Me⸗ rovech fielen auf Veranlaſſung des Theoderich, der ſelbſt eines natürlichen Todes ſtarb, während ſeine Söhne durch Chlothar getödtet wurden. Von Merovech, dem Sohne Chlothars, wiſſen wir nur, daß er bei Stampae von Theo⸗ derich gefangen genommen wurde) und wahrſcheinlich in der Gefangenſchaft ſtarb. Leidenſchaft und Rach⸗ ſucht iſt es alſo, wenn Chlothar Brunichilden Verbrechen vorwirft, welche er ſelbſt begangen, oder welche, wie er wohl weiß, ſeiner Mutter Fredegunde zur Laſt fielen.
Es bleibt uns noch übrig, das Verhältniß zu ſchildern, in welchem Brunichilde zu der Kirche und Geiſtlichkeit ſtand. Die Dankbarkeit, die der Klerus dem Chlodovech ſchuldete und auf deſſen Nachkommen übertrug, hatte der Krone eine Macht über geiſtliche Dinge bewilligt, die der König auf anderem Wege wohl nie erlangt haben würde. Die Beſtätigung der Biſchofswahlen, die Berufung von Synoden, ja ſogar die ſelbſtſtändige Beſetzung der erledigten Bisthümer, gegen welche kein Einſpruch gewagt wurde, gingen von der weltlichen Macht aus, deren Einfluß in Folge des unwürdigen Lebens vieler Glieder der Kirche von Jahr zu Jahr vermehrt wurde. Leider war die geiſtliche Würde für viele nur die günſtige Gelegenheit ge⸗
¹) Vergl. p. 9. Fred. 39. Ipso quoque anno jam exercitus contra Chlotharium adgrediebat, cum Theuderi- cus Mettis profluvio ventris moritur. In einer einzigen Handſchrift findet ſich am Rande das c. 39. der gesta faſt wörtlich ausgeſchrieben.— 2
²) Ionae vit. Col. c. 29.
3) Fred. 42. Die betreffenden Beweisſtellen ſind bereits früher gebracht worden.
4) Fred. 26.


