IV. Zur OChronik der Anstalt.
Zur Chronik des vorigen Schuljahres ist noch nachzutragen, dass Herr Oberlehrer Dr. Reis zu einem Auf- enthalt im Süden vom 11. März bis 12. April beurlaubt wurde. Das Schuljahr wurde am 15. März mit einer Schul- feier geschlossen, bei welcher unser Gesangschor und einige für den Sologesung und die Deklamation trefflich ge- eignete Primaner das Melodrama„Fürs Vaterland“, Text von Treller, Musik von Mangold, zur Aufführung brachten. Zum Schluss entliess der Direktor die Abiturienten.
Durch Allerhöchste Entschliessung wurde mit Wirkung vom 1. April der Oberlehrer Rouge an die höhere Bürgerschule in Dieburg und der Oberlehrer an der Realschule und dem Progymnasium in Alzey Professor Dr. Wiss mann an unsere Anstalt versetzt.
Da infolge der Anmeldungen die Schülerzahl einzelner Klassen so hoch angewachsen war, dass die Räume unseres Gebäudes sich als unzureichend erwiesen, so hat Grossh. Ministerium des Innern genehmigt, dass der eine Parallelcoetus der Sexta dem Herbstgymnasium angegliedert wurde.
Das neue Schuljahr begann am 7. April. In den ersten Wochen des Sommerhalbjahrs traten durch häufigere Erkrankungen mehrerer Lehrer mancherlei Unterrichtsstörungen ein. Auch gegen Ende des Sommers waren solche zu beklagen; so war insbesondere Herr Grünschlag einige Wochen durch hartnäckige Ischias seinem Dienste ganz oder teilweise entzogen.
Das kühle, regnerische Wetter im Monat Mai zwang dazu, den(zur Erinnerung an den Abschluss des Frank- furter Friedens, 10. Mai 1871) hergebrachten Ausflug aller Klassen bis zum 4. Juni zu verschieben.
An dem zu München vom 14. bis einschl. 19. Juli für bayerische Gymnasiallehrer abgehaltenen archäologischen Kursus nahm auch Herr Prof. Dr. Willenbücher teil.
Am 25. und 26. Juli besichtigte der hochw. Herr Bischof in Begleitung des Domkapitulars Herrn Dr. Selbst den katholischen Religionsunterricht.
Am 9. August wurde das Sommerhalbjahr geschlossen und am 15. September das Winterhalbjahr in her- gebrachter Weise mit dem Gottesdienst der beiden Bekenntnisse begonnen. Während der Herbstferien hat das Grossh. Hochbauamt die Schulsäle, die Gänge und das Treppenhaus austünchen und anstreichen lassen.
Aus Anlass der 50 jährigen Jubelfeier des Rômisch-Germanischen Zentralmuseums dahier wurde von Sr. Königl. Hoheit dem Grossherzog dem Herrn Prof. Dr. Körber in Anerkennung seiner Verdienste um das Museum das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Grossmütigen verliehen.
Infolge der übeln Nachwirkungen eines während der Herbstferien überstandenen Influenzaanfalls konnte vom 27. September an der Oberlehrer Herr Dr. Schwarz keinen Dienst mehr tun. Er musste bis zum 8. November beurlaubt werden. Aber schon nach wenigen Tagen, am 20. November, musste er wieder aussetzen und auf dringendes Verlangen des Arztes bis zum 31. Januar seiner dienstlichen Verpflichtungen entbunden werden Auch vom 2. Februar an, wo er seinen Unterricht teilweise wieder aufnahm, bedurfte er weiter noch grosser Schonung.
Vom 1. Oktober an wurde der Schulverwalter Herr Beringer zu einer militärischen Übung eingezogen. Als Stellvertreter wurde der Schulverwalter Herr Walter bestimmt, der am 13. November beim Wiedereintritt des Herrn Beringer aus dem Dienstverhältnis zu anderweitiger Verwendung entlassen wurde.
Als Vertreter des erkrankten Herrn Dr. Schwarz wurde der Lehramtsaccessist am Gymnasium zu Giessen, Herr Schüler, ernannt, welcher vom 26. November bis 31. Januar an unserer Anstalt tätig war.
Den Geburtstag Sr. Königl. Hoheit des Grossherzogs feierte die Anstalt in herkömmlicher W eise; in seiner Ansprache setzte der Oberlehrer Herr Dr. Reis den Schülern die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse Deutschlands vor 100 Jahren bis zur Gründung des Zollvereins auseinander, durch welche im Jahre 1828 unser Land in seinem Vertrag mit Preussen den Anfang zu einem hochwichtigen Einigungswerk machte. Dieser wirt- schaftlich überaus segensreichen Tat gleich zu achten ist die unter unserem jetzigen Fürsten durchgeführte preussisch- hessische Eisenbahngemeinschaft.
Hatte der Sommer, wie schon bemerkt, durch Krankheitsfälle im Lehrerkollegium manche Störungen des Unterrichtsbetriebs gebracht, so war auch im Beginn und im weiteren Verlauf des Winters der Gesundheitszustand ungünstig. Von Erkältungskrankheiten, insbesondere von Influenzaanfällen, bplieben die Schüler verhältnismässig


