Aufsatz 
Die Verwendung der Heimatkunde im Geschichtsunterricht / von Friedrich Schmidt
Entstehung
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verteilt, nördlich der Weschnitz den Oberrheingau und südlich den Lobdengau(Lopodungau Ladenburg). Das Grafengericht des Oberrheingaus war zu Bessungen, für den Lobdengau war eine Gaugerichtsstätte auf dem Stahlbühel bei Ladenburg. An alte Centgerichtsstätten erinnern die Linde auf dem Heiligenberg bei Jugenheim und dies Linde und der Galgen zu Beer- felden. Die grossen Waldgebiete unserer Gegend zerfielen in drei Forste. In der Ebene unterschied man die Forste Dreieichenhain ¹) und Forehahi(Föhrenhain), deren Grenze etwa der Linie Darmstadt-Erfelden entspricht. Dazu kam der Forst im Odenwald. Der Name Odenwald, der sich schon in Urkunden Pipins und Karls des Grossen findet, hat mit Odin nichts zu thun. Nach Sebastian Münster, dem bekannten Geographen des 16. Jahrhunderts, deutet der Name auf einen Fürsten Otto, der die Landschaft besessen habe, oder er bedeutet soviel wieöder Wald.

Für die Kenntnis der fränkischen Kultur aus der Merovingerzeit sind die fränkischen Reihengräber:) wichtig. Sie enthalten die Waffen, die dem Franken mit ins Grab ge- geben wurden.

Seit der Schlacht bei Zülpich galt das Christentum als Staatsreligion der Franken. Bonifatius war es wohl, der von seinem Bischofssitze in Mainz aus auch in unserer Gegend das Christentum zur Geltung brachte. Später machte sich das Kloster Lorsch um die Ausbreitung des Christentums verdient. Ein uralter kirchlicher Mittelpunkt war Heppenheim, ³) dessen St. Peter geweihte Kirche schon 755 gestanden haben soll. Die Michaelskirche in Bensheim wird 772 erwähnt. In Michelstadt stand 815 eine basilica lignea modica.

Zahlreiche alte Ortsnamen, besonders die auf bach und heim werden auf fränkischen Ursprung) zurückgeführt. Bei Schenkungenlan geistliche Gebiete werden eine Reihe von Ortschaften schon frühzeitig genannt.

628 schenkte der Frankenkönig Dagobert I. sein Haus zu Ladenburg nebst den dazu gehörigen Gütern der St. Peterskirche zu Worms. Die Echtheit der Urkunde ist freilich nicht unbestritten. Pipin schenkte 768 seine königliche Villa zu Umstadt mit den dazu gehörigen Gütern an Fulda. Umstadt selbst wird als Autmundistadt schon 741 erwähnt. In den folgenden Jahrhunderten erscheinen der Otzberg und Breuberg als fuldisches Lehen.

Durch reiche Schenkungen wuchs besonders das Kloster Lorsch. Der berühmte, jetzt in München befindliche codex Laureshamensis enthält ausser der Chronik des Klosters die Urkunden über die dem Kloster gemachten Schenkungen und ist eine unentbehrliche Quelle für die Lokalgeschichte des südwestlichen Deutschlands und des Mittelrheins. 5) Viele Orte finden hier ihre erste Erwähnung, manche von den im Codex angeführten Ortschaften sind längst eingegangen. Die in dem Codex abgeschriebenen 3836 Schenkungsurkunden, wovon weit über zwei Dritteile der Zeit der Karolinger angehören, enthalten über 2000 verschiedene Orts- namen.

Die Gründung des Klosters Lorsché) fällt in die Zeit Pipins. 764 wurde es von Graf Cancor, der im Oberrheingau reichbegütert war, gestiftet und mit Benediktinern aus dem Kloster

¹) Der königliche Wildbann Dreieich mit dem von Karl dem Grossen gegründeten Jagdschloss Drei- eichenhain liegt nur zum kleinsten Teil innerhalb unseres Gebietes.

²) Lindenschmit, das germanische Totenlager bei Selzen in der Provinz Rheinhessen, Mainz 1848.

³) Merian, Pfalz S. 22. Lemb, Geschichte der katholischen Pfarrkirche zu Heppenheim a. d. B. Heppen- heim 1878.

) Lamprecht, Zeitschr. d. Aachener Geschichtsvereins, IV. S. 208, und Lamprecht, fränkische An- siedelungen und Wanderungen im Rheinland. Westdeutsche Zeitschr. I. S. 133.

) Der Codex ist herausgegeben von der pfälzischen Akademie zu Mannheim 1768.

6) Merian, Pfalz, S. 22. Dahl, hist. top. statist. Beschreibung des Fürstentums Lorsch, Darmstadt 1812. Falk, Geschichte des ehemaligen Klosters Lorsch, Mainz 1866. Die Benediktiner zu Altenmünster, bei