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Seit 373 drangen die Burgunder ¹) vom oberen Maingebiet aus vor und drängten die Alemannen zurück. 406 wurden sie von den Vandalen, Sueben und Alanen auf das west- liche Ufer des Rheins fortgerissen. Ihr König Gundahari, der zusammen mit dem Alanen Goar den Iovinus zum Cäsar erhoben hatte, erlangte 413 die Abtretung eines Landesteils am linken Rheinufer, dessen Mittelpunkt Worms war. Als er aber im Jahre 435 oder 436 von Aötius geschlagen und 437 mit einem grossen Teil seines Volkes von einem Hunnenheere vernichtet, worden war, wurden die burgundischen Reste von Aötius nach Savoyen verwiesen. Offenbar beherrschten die Burgunder von Wornis aus auch das gegenüberliegende rechte Rheinufer, wie der in der Heppenheimer Markbeschreibung angeführte Burgunthart im Odenwald beweist.
Der Glanz und die Macht des burgundischen Königshofes zu Worms spiegelt sich in der Nibelungensage wieder, die zahlreiche Beziehungen zu unserer Heimat aufweist. Spessart, wohin Hagen angeblich den zur Erfrischung nach der Jagd bestimmten Wein schickte, ist der Name des Bergrückens zwischen dem Güttersbacher und Grasellenbacher Thal. In jedem der beiden Thäler wird ein Brunnen gezeigt, an dem Siegfried erschlagen worden sein soll. Mit grösserer Wahrscheinlichkeit als der Siegfriedsbrunnen bei Grasellenbach wird der Lindelbrunnen bei Hüttenthal für den Ort gehalten, an den das Nibelungenlied die Ermordung Siegfrieds verlegt. Er wird schon in der Beschreibung der Heppenheimer Mark als Lintbrunnen erwähnt. Die„Linde breit“, zu der die beiden Helden um die Wette liefen, soll ihm den Namen gegeben haben. Den Ort, an dem der Nibelungenschatz versenkt wurde, fanden J. Grimm und Lachmann, die der St. Gallener Handschrift(ze Loche) folgten, nahe bei Gernsheim, wo einst ein Ort Lochheim?) lag. der im Codex Laureshamensis erwähnt wird. UÜberdies lässt die Lass- bergische Handschrift des Nibelungenliedes Siegfried in Lorsch begraben sein, ändert das Wort Wasgenwald in Odenwald und verlegt den Ort, wo Siegfried erschlagen wird, nach einem Dorfe Otenheim, das sie freilich„vor“ den Odenwald verlegt. Auch das Gedicht„Hürnin Sigfrid“ lässt Siegfried im Odenwald erschlagen werden. Ute stiftete in Lorsch eine reiche Fürsten- abtei und hatte hier ihren Witwensitz.
Es fragt sich, ob nach dem Abzug der Burgunder ihr rechtsrheinisches Gebiet wieder von den Alemannen eingenommen wurde, oder ob damals schon die Franken in die von den Burgunden verlassenen Sitze einrückten. Jedenfalls aber war seit der Schlacht bei Zülpich 496 das ganze Gebiet bis zur Murg und dem Hagenauer Forst hin fränkisch, indem die Oberfranken, in deren Bund auch die Chatten ³) aufgegangen waren, sich hier niederliessen.
II.
Die Zeit der Merovinger und Karolinger.
Nach der fränkischen Verfassung zerfiel auch unser Gebiet in Gaue, Centen und Dorfschaften mit ihren Marken(Gemarkungen). Jeder dieser Bezirke hatte seinen eigenen Vorsteher: Gaugraf, Centgraf, Schulze, und seine eigene Gerichtsstätte: Gaugericht, Cent- gericht, Dorfgericht. Während die Bedeutung der Gaue allmählich schwand, plieben die Centen noch lange bestehen, und die spätere Einteilung in Amter schloss an die alte Cent- einteilung an. Der Odenwald gehörte im Norden zum Maingau, im Süden zum Gau Win- garteiba(Weingartenland), die Bergstrasse und die vorgelagerte Ebene war auf zwei Gaue
¹) Rieger, die Nibelungensage in ihren Beziehungen zum Rheinland. Quartalbl. 1881, 1—4, S. 25. ²) Wagner, die Wüstungen im Grossherzogtum Hessen. Prov. Starkenburg. Darmstadt 1862, S. 157. ³) Rieger, über die Ansiedlungen der Chatten. Archiv XV 1.
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