Aufsatz 
Die Verwendung der Heimatkunde im Geschichtsunterricht / von Friedrich Schmidt
Entstehung
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Damals gehörte unsere Gegend zu der römischen Provinz Germania superior mit der Hauptstadt Mogontiacum(Mainz) und speziell zu dem ausserhalb der Rhein- und Donaulinie gelegenen Dekumatenland.

Von den beiden Limeslinien im Osten unseres Gebiets beschäftigt uns hier nur die sog. Neckar-Mümlinglinie, die, wie wohl als sicher angenommen werden darf, älter ist als die Limeskastelle am Main. Von Jagstfeld gegenüber Wimpfen ¹) ausgehend, durchschneidet sie den Odenwald in der Richtung von Süden nach Norden auf den Höhen östlich vom Müm- lingthal und erreicht bei Wörth den Main. Wall und Graben finden sich hier nicht, wohl aber Turmstationen und Castelle(Schlossau, Hesselbach, Heunehaus bei Würzberg, Eulbach, das Hainhaus bei Vielbrunn, Lützelbach, Wörth), sowie bürgerliche Niederlassungen, zu denen die Haselburg bei Höchst gehört.²) Die sog. Begleithügel, die sich längs der ganzen Strecke hinziehen, werden jetzt als Reste der ältesten Turmbauten erklärt, die aus starkem Holzwerk errichtet waren. Gleichzeitig mit der Errichtung dieser Holztürme erfolgte wahr- scheinlich die Anlage eines Palissadenzauns, der, wie die neusten Untersuchungen ergaben, etwa 30 m östlich von den Türmen die ganze Linie begleitete. Die Castelle und Turmstationen waren durch eine ziemlich kunstlos hergestellte Strasse mit einander verbunden, die nur da nicht zwischen Türmen und Palissaden lief, wo es das Terrain verbot. ³)

Auch unser Gebiet zerfiel in eine Anzahl von grösseren Verwaltungsbezirken(civi- tates), denen die kleineren Gemeinden(vici) zugeteilt waren. Doch ist nur ein grösserer Verwaltungsbezirk bekannt, die civitas Ulpia S. N.(die Beinamen sind noch nicht genügend erklärt) mit dem Hauptort Lopodunum(Ladenburg). ¹) Kleinere Gemeinden) waren Quintiacum (König) und Gernsheim, wo 1885 eine Römerstadt aufgedeckt wurde.)

Von Römerstrassen ist ausser der Strasse, die die Neckar-Mümlinglinie begleitet, die grosse rechtsrheinische Heerstrasse*) besonders zu erwähnen, die von Mainz über Gerns- heim, Ladenburg, Heidelberg nach Basel führte. Auf römischen Ursprung geht wahrscheinlich auch die Bergstrasse(jetzt alte Bergstrasse) zurück, die schon in der Heppenheimer Mark- beschreibung von 795 als strata publica, quae ducit in pago Lobodunense, erwähnt wird.

Römisch sind auch die Steinbearbeitungen auf dem Felsberg.²) Hier nämlich hat man dieselbe Art der Steinbearbeitung gefunden, wie bei den römischen Steinbrüchen in Agypten. Der Steinbruch muss eine grosse Bedeutung gehabt haben. Denn die zahlreichen alten Syenit- säulen, die sich in den ganzen Rheinlanden finden, können nur vom Felsberg stammen, da an den wenigen Orten, wo sich das gleiche Gestein findet, keine alten Steinbrüche sind. Be- sonders berühmt ist ausser dem Altarstein die Riesensäule auf dem Felsberg. Im Mittelalter

¹) Schumacher, Limesblatt XIV S. 396. ²) Giess, Ausgrabungen auf der Haselburg bei Hummetrot. Quartalblätter d. hist. Vereins für d. Gross- herz. Hessen 1882, 1 u. 2, S. 27.

³) Soldan, Vortrag über die Ausgrabungsergebnisse an den Turm- und Hügelstationen der Odenwaldlinie. Inhaltsangabe in der Darmstädter Zeitung 1896 Nr. 12.

4) Mommsen, römische Geschichte 145 und 146 Anm. 1. Starck, Ladenburg am Neckar und seine römischen Funde 1868, Separatabdruck aus dem 44. Band der Jahrbücher für Altertumsfreunde im Rheinland. Die Namensform Lopodunum steht inschriftlich fest, vgl. Näher, die Baudenkmäler der unteren Neckargegend und des Odenwalds, Heidelberg 1893, Heft II Blatt 4.

) Zwei andere römische Gemeinden liegen bereits ausserhalb der Grenzen, die wir uns gezogen haben, Masilla(Messel) und Dieburg, das auf einer 1894 gefundenen Inschrift Vicus U. V.(vielleicht Ulpius vetus) genannt wird. Zuerst veröffentlicht bei Buchhold, die Antikensammlungen des Darmstädter Museums, Darmstadt 1895. S. 25.

) Kofler, eine neuentdeckte Römerstadt bei Gernsheim. Quartalblätter 1885, 3. S. 6.

1) Mommsen, röm. Gesch. V 139.

s) Merian, Topographia Palatinatus et vicinarum regionum 1645,§. 12. Cohausen und Wörner, römische Steinbrüche auf dem Felsberg a. d. B. Archiv XIV 137.

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