halten. ¹⁰5) Dieser Verdacht wurde noch dadurch bestärkt, dass sich eine spartanische Flotte unter der Führung des Agesandridas in der Nähe Athens sammelte. Unter dem Eindruck dieser Nachrichten wurde die Stimmung des Volxes eine höchst erbitterte und die Gährung erhält ihren Ausdruck, als Phrynichos auf offenem Markte ermordet wurde. 106) Da dieser politische Mord ungeahndet plieb, da sogar viele unter den 400 sich in Folge dieser drohen- den Anzeichen flüchteten 1), so gehen Theramenes und Aristokrates nunmehr kühner vor. Die spartanische Flotte ankerte im saronischen Golf und schien nur auf eine günstige Ge- legenheit zu warten, um Athen zu überrumpeln. Als die Hopliten im Piraeeus sich empö- ren, weil sie Verrath wittern, erbietet sich Theramenes sie zu beschwichtigen und unter seiner Anführung wird das Kastell in Eetioneia von den Hopliten im Piraceus und von den Bewohnern desselben zerstört. Die Losung ist: Herrschaft der 5000, nicht der 400, oder deutlicher gesprochen, Demokratie, keine Oligarchie mehr. Ebenso wie das Heer auf Sa- mos, ist auch jetzt der Piraeeus offen von den 400 abgefallen. 16s) Die abgefallenen Hopliten ziehen am folgenden Tage nach der Stadt, wo zum ersten Male wieder in altgewohnter Weise über das Wohl des Staates verhandelt wird. Abgesandte der 400 geben sich alle erdenkliche Mühe, das aufgeregte Volk durch Zugeständnisse zu beruhigen; sie versprachen die 5000 sofort zu ernennen und aus ihnen die 400 abtheilungsweise zu entnehmen. Na- mentlich bot Antiphon seine ganze Beredsamkeit auf und wahrscheinlich in dieser Versamm- lung hielt er seine perühmte Rede meν ινο ⁊k, die an mehreren Stellen ehrenvoll erwähnt wird. 10) Schliesslich kommt man überein, das Volk an einem festgesetzten Tage zur völ- ligen Herstellung der Eintracht zu versammeln. ¹¹⁰) Bereits sind die Bürger in dem Theater des Dionysos versammelt, da erschallt der Schreckensruf, Agesandridas steuere mit seiner Flotte auf den Piraceus los. Sofort cilen alle dorthin zur Abwehr des Feindes. Allein jener segelte nach Puboea und brachte diese so wichtige Besitzung Athens, von der sie ihre Le- bensmittel bezogen, zum Abfall. Der augenblickliche Versuch, die Insel wieder zu gewin- nen, misslingt, da die Schiffe in der Eile nur schlecht und nothdürftig ausgerüstet waren. ¹¹1) Die Lage Athens nach dieser Niederlage war eine geradezu verzweifelte und Thukydides malt uns dieselbe in den düstersten Farben aus. Wenn die Spartaner ihren Sieg benutzt und Athen zu Wasser und zu Lande eingeschlossen hätten, wäre entweder Athen bei der gleichzeitigen inneren Entzweiung den Feinden in die Hände gefallen, oder die Flotte in Samos hätte herbei eilen und die ganze athenische Seeherrschaft aufgeben müssen. Sparta begnügte sich indessen mit dem Abfalle Euboeas und benutzte seinen Sieg nicht weiter.
105) Thuc. 8, 91, 1.— 106) Die Ermordung des Phrynichos wird uns, abgesehen von Thucydides (92, 2), ausführlicher von Lysias(in Agorat.§. 70— 72) und von Lycurg(Leocrat.§. 111— 113) erzählt, und zwar durchaus nicht übereinstimmend von allen. Die Mörder sind Apollodoros und Thrasybulos, nicht Hermon, wie Plutarch irrig bemerkt(Alcib. 25, 12). Sie wurden nachher durch die grössten Belohnungen ausgezeichnet(conf. die Urkunde über dieselben bei Ussing, inscript. graec. und die Ergänzung des ver- stümmelten Theiles derselben durch Bergk[Zeitschr. f. A. 1847, p. 1109]).— 1¹07) Lys. in Agorat.§. 73.
¹08) Die Bewohner des Piraeeus standen von jeher in dem Rufe, dass sie eifrige Anhänger der Demo- kratie seien. Arist. Polit. 5, 2, 12: 11. ον J„⁴μοπιιο 01 T0„ IIeioα olzodpres T0 70 αorv.
¹09) Philostrat. vit. sophist. c. 15. p. 500.— Suidas und Harpocration.
110) Thuc. 8, 93, 2— 3.— 1¹¹) Thuc. S, 95.


