Aufsatz 
Beiträge zur inneren Geschichte Athens in der zweiten Hälfte des peloponnesischen Krieges / von Ferd. Schmidt
Entstehung
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derungen stellt, dass jener gezwungen ist, die Verhandlungen abzubrechen. Auf diese Weise hat Alkibiades den Schein seines Einflusses bei Tissaphernes bewahrt; die Schuld an dem Scheitern der Verhandlungen scheinen die Oligarchen durch den Mangel an Nachgiebigkeit zu tragen. 6) War nun der Weg, den diese bisher eingeschlagen hatten, um den Staat in ihre Gewalt zu bekommen, einigermassen gesetzlich, se betreten sie von nun an den Weg der Revolution und des gowaltsamen Umsturzes, ohne in ihren Mitteln irgend wie wähle- risch zu sein. Offenbar waren Pisander und seine Genossen bereits so weit gegangen, dass sie ohne Gefahr für ihr Leben nicht mehr zurückgehen konnten. Daher fassen sie in Samos den unheilvollen Beschluss, trotz der misslungenen Verhandlungen mit Persien ohne Alki- biades die Demokratie zu stüwen und zwar nicht allein in Athen, sondern in allen bundes- genössischen Städten; diese oligarchische Bewegung sollte durch die Niederwer fung des De- mos in Samos selbst unterstützt werden. Endlich beschloss man den Krieg mit aller Energie fort zu führen und so viel als möglich von dem eignen Vermögen beizusteuern, da man nunmehr diese Ausgaben im eignen Interesse mache. 59) Namentlich der letzte Beschluss zeugt von der Selbstsucht, mit der diese Oligarchen erfüllt waren. Von Aufopferung für das Wohl des Vaterlandes ist keine Rede mehr; nur der Gedanke an die Gewalt, die ihnen bald zufallen wird, kann sie zu Opfern fortreissen.

In Folge dieser Beschlüsse macht sich Pisander mit 5 seiner Genossen auf den Weg nach Athen. In allen bundesgenössischen Städten, die er berührt, richtet er eine oligar- chische Verfassung ein und sammelt sich in denscibon treu ergebene Hopliten, während die andere Hälfte der Gesandten den Auftrag erhielt, in allen übrigen Städten der athenischen Symmachie die Oligarchie aufzurichten. Welchen Erfolg die Wirksamkeit derselben hatte, zeigt Thukydides an dem Beispiel der Insel Thasos, die sich sofort nach dem Sturz der Demokratie den Spartanern anschloss. 70) Weit besser glückte die Sendung des Pisander in Athen. Hier fand er durch die Hetärieen oder, wie Thukydides eine besondere Gattung derselben nennt, von den υυνοiαdεmꝛm-öiues uu do½ανς), den Boden für die Oligarchie vollständig vorbereitet. Ueber die Bedeutung und die Wirksamkeit derselben ist oft hin und her gestritten worden. Dem Wortlaute nach sind es Verschwörungen für Processe und Aemter. Allein in welcher Weise diese Gesellschaften auf Processe und die Ernennungen zu Aemtern einwirkten, können wir nicht mehr bestimmt nachweisen. Jedenfalls ist Hüll- mann's gekünstelte Ansicht zurückzuweisen, dass esBestechungsgesellschaften gewesen seien, die theils aus solchen Leuten bestandden, welche pestechen wollten, theils aus solchen, die sich bestechen liessen; im vorliegenden Falle seien sie von Pisander bestochen worden. 72²) Ich stimme Büttner's Ansicht bei, der sie fürHetärieen erklärt, die zur Erreichung der politischen Zwecke ihrer Mitglieder überhaupt zusammengetreten waren. Diese Vereine hatte Pisander, wie oben erzählt, vor seiner Abreise alle vereinigt, damit sie auf ein ge- meinsames Ziel, den Sturz der Demokratic, hinarbeiteten. Jedoch musste die ganze Bewe- gung einen Mittelpunkt haben, von dem aus sie geleitet wurde und die Auflösung der

68) Thuc. 8, 56, 2 5.) Thuc. 8, 63, 2 3. 7⁰) Thuc. 8, 64.) Thuc. 8, 54, 3. 72²) vergl. Büttner, Netäricen, p. 77 u. 78 mit der Anmerkung.