ſon die Vertreterin der Mütterlichkeit, Herr Stamm der gemütliche, lebensbejahende fröhliche Menſch, immer zu einem Spaß bereit und Herr Grein, der herbe, äußerlich ſo ſtreng ſcheinende Pflichtmenſch, der jedoch eine ſo ſeltene Gemütstiefe beſaß. Tieferes war es, was all ihrem Tun den Stempel aufdrückte: Über ihrem Leben ſtand nicht nur ge— ſchrieben„Ich diene“, ſondern es wurde bei ihnen zur Tat! Und noch ein Zweites kam hinzu; ſie fühlten ſich als Haushalter ihres himmliſchen Meiſters und des ihnen anvertrauten Gutes. Dieſes Verantwortungs— geſühl fand ſeinen Niederſchlag in der ganzen Geſtaltung ihrer Arbeit.
Wer von den alten„Hofmännern“ erinnert ſich nicht noch mit mehr oder weniger Freude an Fräulein Amaliens glänzende franzöſiſche Gram— matikſtunden nach dem„großen Ploetz“, oder an die Fremdwörterſtunden, in denen wir nebenbei mit viel Ach und Weh Ferſen einſtricken lernten! — Außerſt lebendig geſtaltete Herr Stamm die Kunſtgeſchichte; ſelbſt die wöchentliche Briefſchreibſtunde wußte er uns ſchmackhaft zu machen. Und der Geſchichtsunterricht! Nicht nur der Dreißigjährige Krieg gehörte zu dem eiſernen Beſtand unſerer Kenntniſſe, auch engliſche und franzö— ſiſche Geſchichte brachte er uns nah, ganz zu ſchweigen von den deutſchen Kaiſern, die vielleicht heute noch eins oder das andere von uns im Schlafe aufſagen kann! Aber das Schönſte war doch die Einführung in die Lite— raturgeſchichte. Da erlebten wir die ganze Fülle deſſen, was unſere großen Meiſter uns geſchenkt haben, von Ulfilas Bibelüberſetzung bis zu Goethe und Schiller. Tiefe Liebe für Volk und Vaterland wurde da ins Kinder— herz geſenkt. Verſtärkt und vertieft wurden dieſe Eindrücke durch die Höhepunkte des Schullebens, die patriotiſchen Feſttage. Uns allen ſchlug da wohl das Herz höher im Gedanken daran, Glieder dieſes großen deut— ſchen Vaterlandes ſein zu dürfen!
Was Herr Grein uns im Religionsunterricht gab, das haben wir wohl erſt als reife Menſchen ganz zu würdigen gelernt. Mit einem Beſtand von 600 Sprüchen, 30 Liedern und 18. Pſalmen entließ er uns aus der letzten Religionsſtunde; erſtaunliche Zahlen für heutige Begriffe, aber welch großen Reichtum hat das Gelernte für uns im Leben bedeutet! Un— vergeßlich ſind auch die Eindrücke ſeiner Kirchengeſchichtsſtunden: Ver— ſtändnis für geſchichtliches Werden und eine wirkliche Liebe zu unſerer evangeliſchen Kirche ſuchte er uns einzupflanzen, gab uns auch Kenntnis von den verſchiedenen Sekten und erweckte Hochachtung auch für Anders— gläubige durch die gründliche, klare Unterweiſung in den Unterſcheidungs— lehren, ſodaß mich vor nicht langer Zeit eine Nonne fragen konnte:„Sind Sie katholiſch?“, und auf ein erſtauntes„Warum?“ antwortete:„Weil Sie in unſerer Kirche ſo gut Beſcheid wiſſen.“
Unendlich viele Stimmen erheben ſich heute gegen das alte Teſta— ment. Wem in den Unterklaſſen durch Frau Davidſon bibliſche Geſtalten des alten Teſtamentes nahe gebracht wurden, dem ſind die Geſtalten der Erzväter zu vertrauten Begleitern auf dem Lebenswege geworden. In dieſen bibliſchen Geſchichtsſtunden kam ganz beſonders Frau Davidſons warme Mütterlichkeit zum Ausdruck und was ſie den Kinderſeelen ins
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