Aufsatz 
Hundert Jahre Elisabethenschule. Hofmannsches Institut Darmstadt. 1832 - 1932 / Hrsg. v. d. Leitung der Elisabethenschule
Entstehung
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Die Familie Hofmann-⸗Grein⸗Stamm

Von Luiſe Grein(Darmſtadt).

Weiccher waſchechte Darmſtädter hätte nicht in den 70 er und 8o er Jahren wenigſtens vom Hörenſagen„Fräulein Amalie“, Frau Davidſon, Herrn Pfarrer Stamm oder Herrn Hofprediger Grein gekannt! Das Herz wird mir warm, laſſe ich mir noch einmal an meinem geiſtigen Auge die Menſchen vorüberziehen, unter welchen das Hofmannſche In⸗ ſtitut mit Gottes Segen eine Blütezeit erlebt hat, wie es wohl wenigen derartigen Anſtalten beſchieden iſt.

Was war es denn, was der Anſtalt ihren gang eigenartigen Stempel auf⸗ drückte? Es war wohl das, daß die leitenden Perſönlichkeiten die Schule, das Erbe ihrer Tante, Fräulein Johannette Hofmann, als eine ihnen hinterlaſſene, heilige Aufgabe betrachteten. Selbſtloſeſte Liebe und Kindes⸗ treue hatte ſeinerzeit Fräulein Johannette Hofmann zu dem Entſchluß kommen laſſen, eine kleine, ſchon beſtehende Privatſchule zu übernehmen, um den geliebten Eltern, die ihr Vermögen verloren hatten, einen ſorg— loſen Lebensabend zu bereiten, aber auch, um die Kinder ihrer Geſchwiſter nicht nur zu ſchulen, ſondern ſie zu Charakteren zu erziehen. Ich ſehe ſie als alte Dame vor mir, die zierliche Geſtalt mit dem feingeſchnittenen energiſchen Geſicht, immer einfach gekleidet, im weißen Tüllhäubchen. Große Ruhe ging von ihr aus, ſtets wußte ſie, Güte und Strenge zu paaren. Welch ſchalkhafter Zug ſpielte um ihren Mund, wenn ſie ihren Gäſten am Schluß eines Eſſens noch ein Stückchen„Brottorte“ anbot und ſie dann die verdutzten Geſichter der hereingefallenen Großnichten, Neffen und Gäſte bemerkte; denn die Brottorte hatte ſich in ein Stück— chen Schwarzbrot verwandelt!— Sie kannte nur ihre Schule und ihre Familie, dieſe bildeten ihren Lebensinhalt. Still wie ſie gelebt, durfte ſie an einem Sonnabend unter dem Geläute der Glocken zur ewigen Ruhe eingehen. Acht Tage ſpäter, Sonntags in der Frühe, folgte ihr der einzige Bruder, der damalige Realſchuldirektor Hofmann, in die Ewigkeit. Er war ihr die treueſte Stütze und ein zuverläſſiger Berater geweſen.

Nun lag die ganze Schwere der Verantwortung in erſter Linie auf den Schultern der Nichten, Fräulein Amalie Grein und ihrer Schweſter Frau Davidſon. Deren Bruder, der Hofprediger Grein, war Lehrer an der Schule und ſtand den Schweſtern ſtets zur Seite. Inſtitutsvorſteher wurde Herr Stamm. Das Geheimnis des Erfolges, welcher dieſen Men— ſchen beſchieden war, lag nicht nur in der harmoniſchen Ergänzung der Charaktere: Fräulein Amalie war mehr der Verſtandesmenſch, Frau David⸗

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