Schule geworden ſind und die in hervorragendem Maße die Gemeinſchaft untereinander fördern. Wir ſind, wie dies in unſeren„Richtlinien“ aus— drücklich betont iſt, der Meinung, daß in der Atmoſphäre reiner Freude die Arbeit am beſten gedeiht und daß der Ernſt der Forderung kein Hinder— nis für die Fröhlichkeit iſt, oder anders ausgedrückt, daß Autorität durch⸗ aus vereinbar iſt mit rechtverſtandener Freiheit.
Dieſes vielleicht wichtigſte aller modernen Erziehungsprobleme, einen heilſamen Ausgleich zwiſchen Autorität und Freiheit zu ſchaffen, ſteht als täglich anzufaſſende Aufgabe vor uns, nicht nur im Blick auf den Unter⸗ richt, ſondern auch im Blick auf das ganze ſonſtige Schulleben. Es gilt auch hier, die Kinder allmählich von dem„Du ſollſt“ emporzuleiten zu einem„ich will“. Alle Einrichtungen unſerer Schule möchten unſerer Jugend helfen zu einer immer perſönlicheren Stellungnahme gegenüber der göttlichen Forderung gegenſeitigen Dienens in Liebe und Wahrheit. Ob es ſich da handelt um die gewiſſenhafte Verwaltung von Ehrenämtern — wohl jede Schülerin hat ein ſolches Amt für ihre Klaſſe oder für die ganze Schule— oder um die treue Befolgung der Schulordnungen, ob es geht um die bei uns bewußt gepflegten Beziehungen zwiſchen den älteren und jüngeren Schülerinnen oder um das Verhältnis der Kinder einer Klaſſe zu einander oder zu anderen Klaſſen, in jedem einzelnen Falle ſoll es der junge Menſch lernen, ſich verantwortlich einzuſtellen und ſeine augenblickliche Laune und Neigung zu überwinden. Eine dauernde Kon— trolle, ein fortwährendes Gängeln und Bevormunden möchten wir ab— gelöſt ſehen von einer perſönlich und freimütig abgelegten Rechenſchaft der Kinder über ihr Verhalten. Ebenſo entſpricht ein ausgeklügeltes Syſtem von Strafen und Belobigungen ſelbſtverſtändlich nicht unſerer pädago— giſchen Auffaſſung, wenn auch im einzelnen Falle die Strafe durchaus zu Recht beſteht, doch möglichſt immer als folgerichtige Auswirkung der ſtrafbaren Handlung. Alle äußeren Mittel, wie polizeiliche Aufſicht und Strafe können im beſten Falle ja nur verhüten; wirklich den Charakter bilden helfen ſie kaum. Dagegen wird Geſinnung geſtärkt durch klärende Ausſprachen innerhalb der Klaſſengemeinſchaft; dieſe dürfen allerdings keinerlei Ahnlichkeit haben mit Gerichtsverhandlungen; ſondern hier wer— den in gegenſeitigem Vertrauen und Freimut, im Geiſte einer aufs Höchſte zielenden, wahren Kameradſchaft, Auge in Auge Unklarheiten und Miß⸗ ſtimmungen geklärt, Recht und Unrecht als ſolches gekennzeichnet, aber auch verziehen. Dabei müſſen es die Kinder uns Erwachſenen abſpüren, daß wir uns Gott gegenüber genau auf der gleichen Ebene wiſſen wie ſie und im gleichen Kampfe ſtehen wie ſie.——
Wenn wir aus dem Geiſte des Evangeliums heraus arbeiten wollen, können uns Niederlagen in unſerer Arbeit nicht erſpart bleiben. Es kann und darf uns ja auch gar nicht daran liegen,„brave Kinder“ im Sinne der Phariſäer zu erziehen, vielmehr muß es uns darauf ankommen, die jungen Menſchen„ſtark werden zu laſſen am inwendigen Menſchen“, ſie hineinwachſen zu laſſen in die„herrliche Freiheit der Kinder Gottes“. Denken wir daran, wie unſer Gott mit uns handelt, daß Er kein anderes
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