Aufsatz 
Hundert Jahre Elisabethenschule. Hofmannsches Institut Darmstadt. 1832 - 1932 / Hrsg. v. d. Leitung der Elisabethenschule
Entstehung
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ſtehenden Worte auszugehen und dieſes aus ſeinem Zuſammenhange her— aus zu verſtehen. So wird jene innere Haltung in dem jungen Menſchen gepflegt und geſtärkt, die die Vorausſetzung iſt für jede wahre Geiſtes- und Herzensbildung: die Ehrfurcht vor objektiven Werten. Selbſtverſtänd⸗ lich gibt es im Unterricht auch reichlich Gelegenheit, wo ganz perſönliche Auffaſſungen und Meinungen der Schülerinnen herauskommen, die dann in lebendigem gegenſeitigen Austauſch geklärt werden, wo Vermutungen und Intuitionen aufblitzen, die dann allerdings auf ihren tatſächlichen Wert geprüft werden müſſen. Gerade heute, in der Zeit der Schlagworte, müſſen wir uns doppelt bemühen, in der uns anvertrauten Jugend einen unbeſtechlichen Wahrheitsſinn und die Fähigkeit zu entwickeln, Echtes und Unechtes zu unterſcheiden.

Aus allem bisher über unſere Arbeitsweiſe Geſagten geht wohl ſchon deutlich hervor, daß hier auch eine neue Arbeitsbeziehung zwiſchen den Gliedern der Klaſſe zuſtande kommt. Der Lehrer ordnet ſich, allerdings unter ſtärkſter Führerverantwortlichkeit, in die Arbeitsgemeinſchaft der Klaſſe ein; das einzelne Kind iſt nicht mehr ausſchließlich auf den Lehrer gerichtet, ſondern es laufen jetzt Verbindungsfäden von ihm ſowohl zum Katheder, als auch zu jeder einzelnen Mitſchülerin. Die einzelne Schülerin arbeitet nicht für ſich allein, ihr Intereſſe beſchränkt ſich nicht auf das eigene Verſtehenlernen, ihre Kräfte und Anſpannungen dienen nicht nur dem eigenen Weiterkommen, ſondern, als Glied in die Klaſſengemeinſchaft hineinverwachſen, weiß ſie ſich in den Dienſt dieſer Gemeinſchaft ge— ſtellt nach dem Worte:„Dienet einander, ein jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat.“ Da hat jede Schülerin ernſthaft auf die Außerung ihrer Kameradin zu hören, und anſtatt rückſichtslos und ichſüchtig in einer anderen Richtung weiterzuarbeiten, zu dem Geſagten Stellung zu neh— men, ſei es durch Ergänzung, durch Berichtigung, durch Begrün⸗ dung oder Vertiefung. Die Verpflichtung zum Fragen, die jede Schülerin hat, fordert naturgemäß auch die Verpflichtung zum Helfen und zur gegenſeitigen Erklärung heraus. So findet dauernd ein lebendiger freudiger Austauſch zwiſchen allen Gliedern der Klaſſengemeinſchaft ſtatt; die begabte Schülerin erlebt es, welch tiefe Freude es iſt, helfen zu kön— nen, aber auch, wie ſchwer es iſt, etwas richtig klarzumachen; und die langſamer denkenden, ſchwerfälligeren Kinder erleben es beglückend, daß richtiges, ernſtes Fragen auch als wirkliche Arbeit gewertet wird und weiterhilft zur Klärung aller. Aus ſolchem Mit- und Füreinander, ſolcher gegenſeitigen Bereicherung entſpringt dann jene freudige Gelöſtheit, die auch die ernſteſte Unterrichtsſtunde zu einer herzlich fröhlichen Sache machen kann.——

Wenn ſchon ſo im Unterricht die Fröhlichkeit ihren Platz hat, ſo muß erſt recht das ſonſtige Schulleben einer evangeliſchen Schule durch— waltet und durchleuchtet ſein von kindesgemäßer Freude. Wie viel Ge— legenheit zum Freuen haben unſere Kinder, ſchon allein durch die engen Beziehungen zwiſchen den Großen und Kleinen, durch die vielen ſchönen Feſte, Feiern und Aufführungen, die zur ſtehenden Ordnung in unſerer

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