eine organiſche Verbindung zu ſchaffen und zu pflegen zwiſchen Wort Gottes und Schulleben, auch zwiſchen Wort Gottes und Unterricht.
Gerade der letztere Gedanke könnte zu Mißverſtändniſſen Anlaß geben. Auf den billigen Spott einzugehen, der etwa von einem„evange⸗ liſchen Chemie- und Mathematikunterricht“ ſpricht, erübrigt ſich wohl ohne weiteres; aber es gilt hier, den Irrtum abzuwehren, als ob es ſich bei einem im evangeliſchen Geiſte erteilten Unterricht, vor allem in den Ge— ſinnungsfächern, um eine tendenziöſe Darbietung und Behandlung des Stofſes handle. Wohl iſt es ſo, daß für uns Chriſten alle Kulturgüter erſt im Lichte des Evangeliums ihren Ewigkeits- oder Eintagswert er— weiſen; dieſer Maßſtab allein bewahrt uns vor Kulturſeligkeit. Aber wir lehnen es gerade als evangeliſche Chriſten grundſätzlich ab, die mit den Schülerinnen zu behandelnden Stoffe irgendwie tendenziös zu färben und dadurch zu entſtellen. Wir erkennen grundſätzlich die jedem Fache und jedem Stoffe innewohnende Eigengeſetzlichkeit an und ſtellen die Dinge in ihrer ſachlichen Abſolutheit hin. So würden wir es geradezu für eine Ent— heiligung der Bibel, aber auch für mangelnde Ehrerbietung gegen eine ernſte Wiſſenſchaft halten, wollten wir in der Bibel die Quelle natur— wiſſenſchaftlicher Erkenntniſſe ſehen. Bibel und Viſſenſchaft liegen auf verſchiedenen Ebenen. Ebenſo empfänden wir es als eine Ungeheuerlichkeit, den Schülerinnen im deutſchen Unterricht einen chriſtlich zugeſtutzten Goethe vorzuführen. Goethe iſt eben Goethe. Wenn wir den Unterricht in den Dienſt einer evangeliſchen Pädagogik ſtellen wollen, ſo handelt es ſich viel mehr um das Wie, als um das Was. In der Art, wie ge— arbeitet wird, ſoll evangeliſcher Geiſt ſich lebendig auswirken. Wir glauben, in bewußt evangeliſchen Linien zu gehen, wenn wir in unſerer Arbeit erſtreben: Erziehung zu Gehorſam und Selbſtzucht, zu Verantwortlichkeit, zu perſönlicher und ſachlicher Wahrhaftig⸗ keit, zu Ehrfurcht und zu freudigem Dienſt an der Gemeinſchaft. Wir glauben auch, daß wir mit dieſer Zielſetzung zugleich, und nicht zuletzt, eine wirklich vaterländiſche Aufgabe erfüllen, in dem Sinne, daß wir bewußt mithelfen, unſere Jugend für ihren ſpäteren Dienſt an der deutſchen Volksgemeinſchaft charakterlich zu ertüchtigen.
Hier kommt uns nun das ſogenannte„Arbeitsſchulprinzip“ zuſtatten, das die unterrichtlichen Reformen der letzten Jahrzehnte beherrſcht. Um der Klarheit willen ſeien die weſentlichſten Merkmale dieſer Lehrart her— ausgeſtellt: Statt der mehr rezeptiven Haltung des Schülers ſelbſtändige, freie geiſtige Arbeit, d. h. ſtatt des Nachverſtehens und des mehr oder weniger gedächtnismäßigen Einprägens eines vom Lehrer vorgetragenen und erklärten Wiſſensſtoffes ſelbſttätige Erarbeitung desſelben, anſtelle des entwickelnden Herausfragens von ſeiten des Lehrenden die aus dem Stoff unmittelbar erwachſenden Fragen des Schülers, ſtatt übernommener Urteile eigenes Prüfen und Urteilen, zugleich ein ſtarkes Zurücktreten des bisher die Unterrichtsſtunde allein beherrſchenden Lehrers zugunſten einer allgemeinen Arbeitsgemeinſchaft.— Wir ſtehen nicht an zu bekennen, daß wir in der Arbeitsſchule, wenn ſie ſich in den Dienſt einer intellektua—
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