Im Ringen um eine evangeliſche Pädagogik.
(Aus der Arbeit der Schule.) Von Diakoniſſe Elſe Morell(Darmſtadt).
Ein Gedenktag wie der heutige ruft uns nicht nur auf zu dankbarer Freude, ſondern er zwingt uns auch zu ernſter Selbſtbeſinnung. Was wir bei der Übernahme der Schule an unſerem erſten Elternabend am 8. April 1918 darlegten als Ziel unſerer Erziehungsarbeit, was uns dann im Laufe der 14 Schuljahre an weiter- und tieferführender Erkenntnis über die Wege zu ſolchem Ziele geſchenkt wurde, das alles ſteht heute vor uns, einmal als frohen Dank heiſchende Gabe, ſodann aber auch als tief verpflichtende Forderung, die uns durchrichtet und anklagt. Was an ſolch letztem innerlichen Erleben dieſe Gedenktage für alle die perſönlich be— deuten, die in der Arbeit an der Eliſabethenſchule ſtehen, das gehört nicht vor das Forum der Offentlichkeit. Indeſſen ſcheint es uns eine Verpflich— tung, am heutigen Tage auch einen größeren Kreis hineinſchauen zu laſſen in die innere Werkſtatt unſerer Schularbeit, wenn es ſich dabei auch natürlich nur um einen ganz flüchtigen Einblick handeln kann. Immer wird dabei im Auge zu behalten ſein, daß zwiſchen dem von uns Erſtrebten und dem tatſächlich Erreichten eine ſchmerzlich fühlbare Kluft beſteht und daß es vom Wollen bis zum Vollbringen ein weiter Weg iſt.
Als das Eliſabethenſtift das Hofmänniſche Inſtitut übernahm, tat es dieſen Schritt im Gehorſam und Glauben gegen Gott und war ſich darüber klar, daß die Eliſabethenſchule als bewußt evangeliſche Schule die urſprüngliche Tradition des Hofmänniſchen Inſtituts wieder zu erwecken und damit eine beſondere Aufgabe zu erfüllen habe. In einer Zeit des äußeren und inneren Zuſammenbruchs auf allen Gebieten, der ſcharfen Auseinanderſetzung zwiſchen den verſchiedenſten Geiſtesſtrömungen und Weltanſchauungen, der einſchneidendſten Umwälzungen gerade auf päda⸗ gogiſchem und ſchuliſchem Gebiete war die Aufgabe einer chriſtlich-evange⸗ liſchen Schule wohl beſonders ſchwierig, aber auch verheißungsvoll! In der Tat, gerade in dem letzten Jahrzehnt heben ſich mitten aus dem Ge— wirre pädagogiſcher Reformen deutlich Erneuerungsbeſtrebungen heraus, die man als Anſätze einer evangeliſchen Pädagogik bezeichnen kann. Nicht als ob mit dem Ausdruck„evangeliſche Pädagogik“ bereits eine feſtum—
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