erteilen. Völlig neue Wege beſchritt die Schule durch die Einfügung einer höheren Mädchenſchulabteilung(Parallelzug zu den drei oberſten Lyceal⸗ klaſſen) in den Rahmen der Schule, die unter Zugrundelegung eines be— ſonderen Lehrplanes mit Genehmigung des Miniſteriums 1028 erfolgte. Sie iſt für die Schülerinnen berechnet, die nicht nach dem Matur ſtreben, ſondern ihre Schulzeit mit der ſog. mittleren Reife beenden wollen. Dieſe neue Schulform hat ſich nicht nur bewährt, ſondern findet auch in der neueſten Entwicklung des deutſchen Schulweſens ihre Beſtätigung. Der Ausbau der Schule zur Studienanſtalt oder die Angliederung einer Frauenſchule iſt noch eine Frage der Zukunft. Mit dem Wachſen der Schule hielt auch die Vergrößerung des Lehrkörpers Schritt, er umfaßt jetzt 21 Mitglieder.
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In einer verworrenen und dunklen Zeit überſchreitet die Schule die
Schwelle, die ins zweite Jahrhundert ihrer Geſchichte hineinführt. Die Vergangenheit ſchweigt, die Gegenwart tritt mit ihren Forderungen an uns heran. Eine große Zahl von Fragen, Sorgen und Hoffnungen werden dabei wach. Eine Schule iſt keine Inſel, die fernab von jedem Lärm in ſtiller Ruhe liegt. Die wirtſchaftliche Not und die Unſicherheit der Lage umbranden auch ihre Mauern. Beſteht doch in Deutſchland die große Gefahr, daß angeſichts der ſchweren Lage die Ausgaben für Kultur und Schulbelange auf allen Seiten herabgeſchraubt werden. Die ſchwere Be— rufsnot der heutigen Jugend wirft ebenfalls ihre dunklen Schatten in die Schule hinein. Sicherlich, eine ſelten ſchwierige Lage auf dem Schul— gebiet, dem ſelbſt der Staat nicht entgeht, der ja ſeit den Tagen Hegels in immer ſtärkerem Maße ſeinen Einflußbereich auf alle Gebiete des Volkslebens ausgedehnt hat. Wie die Entwicklung hier weiter gehen wird, kann heute noch niemand ſagen. Und doch ſcheint es uns ſo, als ob gerade in der Gegenwart ſich ein neues Verſtändnis anbahnt für das, was die be— ſondere Eigenart unſerer Schule ausmacht und was den Gründern und weithin auch ihren Nachfolgern am Herzen lag: Der Verſuch, Inhalt und Geiſt einer Schule zu prägen, vom evangeliſchen Glauben aus, ſo wie ihn uns die Reformatoren bezeugt haben. Das heißt nicht, wie viele meinen, die Offenheit verlieren für die geſamten geiſtigen und materiellen Auf— gaben der Zeit, das heißt vor allem nicht die übrigen Ordnungen des Da— ſeins, vor allem des Volkstums, der Nation und der Familie gering achten, im Gegenteil! Das heißt auch nicht, die Bildungsaufgabe, ſo wie ſie uns durch die Lehrpläne gegeben ſind, eigenmächtig umgeſtalten— wobei allerdings nicht geſagt ſein ſoll, daß dieſe für uns ein reſtloſes Ideal darſtellen. Es heißt dies aber, bei allem Erfahren, daß unſer Handeln und Wiſſen Stückwerk bleibt, die letzten Grundlagen erkennen, von denen aus die Bildungsaufgabe und das pädagogiſche Handeln beurteilt und be— trieben wird.
Wer die gegenwärtige Lage der wiſſenſchaftlichen Pädagogik be— obachtet, wird auch hier die Feſtſtellung machen, daß eine veränderte
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