Bensheim und Friedberg ihre ſtaatliche Prüfung faſt alle mit gutem Er— folg ablegten. Als der Staat 1904 ein eigenes Seminar eröffnete, hatte ſie bereits ein Seminar für Sprachlehrerinnen eingerichtet, das bis in die Kriegsjahre hinein beſtand. Ganz eigene Wege ging ſie durch Errichtung von Fortbildungskurſen für ſolche Schülerinnen, die ihre Schulzeit hinter ſich hatten(1900). Hier finden wir in Heſſen zum erſten Male den Ge— danken der modernen Frauenſchule in die Tat umgeſetzt. Es iſt erſtaun— lich, wie dieſe Frau in ihrem Lehrplan um die Jahrhundertwende Ziele wegnimmt, die erſt nach dem Weltkrieg Allgemeingut wurden, z. B. Volks⸗ wirtſchaftslehre, Staatsbürgerkunde, Hygiene, Buchführung uſw. Sie hat auch ſonſt in manchen pädagogiſchen Fragen ihre eigenen Pfade geſucht und ihre Anſichten auch öffentlich vertreten ⁵⁰), wie ſie überhaupt auch über ihre Schultätigkeit hinaus in Kirche und Gemeinde, auch als Vorſitzende des Darmſtädter Lehrerinnenvereins, ihre Kraft eingeſetzt hat und auch weiter einſetzte, nachdem ſie ſich 1913 mit einer treuen Freundin— Frl. Eckert— in den Ruheſtand zurückgezogen hatte. Bis zum letzten Augen— blick tätig iſt ſie 1917 geſtorben ⁵¹).
Der große Weltkrieg brachte allen Schulen, alſo auch dem Hof— mannſchen Inſtitut nicht unbedeutende Schwierigkeiten, Lehrkräfte muß— ten eingeſpart werden, der Mangel an Heizmaterial behinderte den Unter— richt. Dazu kam noch, daß der neuen Schulleiterin, Annemarie Tube, nur ein vierjähriges Wirken beſchieden war ⁵²). Schon längere Zeit er— krankt, ſtarb ſie 1917. Wiederum war die Schule vor eine Schickſalsfrage geſtellt und das kurz vor dem Zuſammenbruch des Reiches und dem Aus⸗ bruch der Revolution. In dieſem entſcheidenden Augenblick griff das Darmſtädter Diakoniſſenhaus„Eliſabethenſtift“ ein und übernahm Oſtern 1918 mit Genehmigung des Miniſteriums die Schule, die nunmehr als „Eliſabethenſchule, vorm. Hofmannſches Inſtitut“ weitergeführt wurde. Während der letzten anderthalb Jahre hatte Frl. Elſe Stahl mit Geſchick die Leitung unter ſchwierigen Verhältniſſen interimiſtiſch geführt.
4. 1918— 1932.
De Übernahme der Schule durch das— 18858 von der Prinzeß Carl von Heſſen, geb. Prinzeß Eliſabeth von Preußen, begründete— Eliſabethenſtift bedeutete an und für ſich kein Abgehen von dem dem Stifte geſteckten Aufgabenkreis. Die Schöpfer der Diakonie der evang. Kirche zu Beginn des 19. Jahrhunderts, wie Fliedner und Löhe, hatten in dieſer Beziehung klare Wege vorgezeichnet und in die Tat umgeſetzt.
5⁰) vergl. ihren Vortrag über die Verbindung von„Arbeits⸗ u. Lernſchule“ Darmſt. Tgbl. 20. 3. 03.
51) vergl. Nachruf im Organ d. Allg. Dtſch. Lehrerinnenvereins 3. 3. 1917.
5²) geb. 1876 zu Metz als Tochter des Militäroberpfarrers Dr. Tube. Nach abgelegtem Sprachlehrerinnenexamen in Berlin war ſie einige Jahre Lehrerin an dem Lyzeum in Altenburg, beſtand 1904/05 das Lehrerinnen⸗ u. Schulvorſteherinnen⸗ examen in Berlin, ſtudierte dann einige Semeſter Theologie an der Univerſität! Berlin, um dann die Leitung einer Schule in Hohen-Neuendorf zu übernehmen.
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