ſtufigen höheren Mädchenſchule vollzogen, alſo zu derſelben Zeit, da die ſtädtiſche höhere Mädchenſchule die gleiche Entwicklung genommen hatte. Ebenfalls um die gleiche Zeit(1875) wurde der Lehrplan zeitgemäß um⸗ geſtaltet, ausgearbeitet und in Druck gegeben ⁴³³). Inhaltlich entſpricht er den damals für die höheren Mädchenſchulen geltenden Lehrplänen, wenn er auch in manchen Punkten ſeinen eigenen und berechtigten Weg geht. Auf Grund dieſer Tatſache konnte die Behörde in einem Bericht aus dem Jahre 1870 feſtſtellen:„Die Schule iſt die einzige Privatmädchenſchule in Darmſtadt, die nicht nur dem Namen nach, ſondern in Wirklichkeit die Ziele einer ausgebildeten höheren Mädchenſchule, wie ſie in neuerer Zeit aufgeſtellt ſind, im Auge hat“ ⁴¹).
Auch die Schülerinnenzahl hatte nach 1866 raſch zugenommen und überſchritt Ende der 70Oer Jahre die Zahl 300— 1870 umfaßte die Schule z. B. 315 Schülerinnen— um bis in die Mitte der Soer Jahre dieſe Ziffer beizubehalten. Dementſprechend wuchs auch der Lehrkörper. 25 betrug die durchſchnittliche Zahl der Lehrkräfte ſeit 1872, davon etwa ein Drittel Lehrer und zwei Drittel Lehrerinnen. Den Kern des Kollegiums bildeten die Familien Stamm und Grein, um den ſich der übrige Teil gruppierte. Ein großer Teil der Lehrer unterrichtete nebenamtlich— ſie kamen zumeiſt von der Realſchule und Stadtſchule—, die Lehrerinnen, unter ihnen auch ſolche aus Frankreich und England, waren faſt alle hauptamtlich tätig ⁴⁵). Wie in den vergangenen Jahrzehnten, ſo bildete auch jetzt das Internat den ruhenden Pol. 25 junge Mädchen beherbergte zumeiſt das Internat, der Ruf der Schule hatte ſie oft von weither herbeigeführt. Jahr für Jahr erſchienen Schülerinnen z. B. aus der Schweiz, vor allem Neuchätel,— ehe es eine Eiſenbahn gab, mit eigens gemieteter Poſtkutſche—, ſie haben den Namen ihrer Schulſtadt auch im Ausland bekannt gemacht. Dazu traten bei dem Mangel an geeigneten höheren Schulen auf dem flachen Lande im Laufe der Jahre viele hunderte von Kindern aus den Beamten— und Pfarrhäuſern der heſſiſchen Heimat, die in den entſcheidenden Jahren ihres Lebens hier ihre Ausbildung empfingen. Wir haben viele Zeugniſſe, daß ſie in ſpäteren Jahren mit innerem Dank an dieſe Zeit zurückdachten. So herrſchte damals ein ernſter und doch lebendiger Geiſt in der Schule. Darum möge dieſer Abſchnitt der Schulgeſchichte ſchließen mit einem Zeug— nis des Mannes, der als ehemaliger Direktor der Viktoriaſchule und als damaliger Leiter des Darmſtädter Schulweſens, Geiſt und Kritik genug beſaß, ein maßgebendes Wort auszuſprechen. In ausführlichen Berichten aus den Jahren 1879 und 1884 an das Miniſterium ¹⁴⁸) gibt Dr. F. Wag⸗ ner das günſtigſte Urteil über die ſtarkbeſuchte Schule ab, deren religiös— ſittliche Erziehungsgrundſätze er voll anerkennt und über deren Leiſtungen und Lehrkräfte er faſt durchweg das Beſte ausſagen kann.
¹³) vergl. die Berichte 1875 u. 1879.(Stadtarch. Priv. Schul.). ¹¹) Stadtarch. Priv. Schul.
⁴⁵) Die Namen ſ. unter Statiſtik.
⁴⁶) Stadtarch. Priv. Schul.
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