21— 12
Gewerbe, wenn es ſo betrieben werden ſoll, wie das eben not⸗ wendig iſt, gründliche Kenntniſſe der mannigfaltigſten Art ſehr zu verwerten ſind.“ Die Realſchule konnte natürlicher Weiſe das Streben nach landwirtſchaftlicher Fachbildung nicht befrie⸗ digen und zwar aus dem Grunde, weil ſie keine Fachſchule iſt und auch nicht ſein ſoll.
Dieſes ungeſtillte Verlangen rief allmählich hier im vor⸗ deren Odenwald eine Bewegung zu Gunſten der Errichtung einer Ackerbauſchule zu Groß⸗Umſtadt heroor, eine Bewegung, die noch durch den Umſtand verſtärkt wurde, daß die Ackerbauſchule in Michelſtadt im Jahre 1876 eingegangen war und ſomit der Odenwald und der nordöſtliche Teil der Pro⸗ vinz Starkenburg nur ſchwer einer landwirtſchaftlichen Fachbil⸗ dung teilhaftig werden konnte; denn von den noch beſtehenden 3 Ackerbauſchulen waren 2— Friedberg und Alsfeld— in Oberheſſen und nur 1— Darmſtadt— in Starkenburg.
Ganz beſonders ſtarken und lebhaften Anklang fand der Groß⸗Umſtädter Plan im Frühjahr 1883. Häufige Beſprech⸗ ungen von Vertrauensmännern fanden ſtatt, und am 18. Aprik 1883 begab ſich nach Beſchluß einer ſolchen Verſammlung eine Kommiſſion, beſtehend aus dem damaligen Realſchuldirektor Nodnagel,— jetzt Geh. Oberſchulrat in Darmſtadt—, dem Bürgermeiſter Eidmann und dem Gemeinderatsmitglied Ganß, nach Dieburg, um die Mitwirkung und Unterſtützung des Herrn Kreisrats Hallwachs zu erbitten, der das Vor⸗ haben auch mit warmer Anteilnahme begrüßte und nach Kräf⸗ ten fördern half. Eine Umfrage bei den Bürgermeiſtereien des Kreiſes Dieburg ergab vorausſichtlich 39— 55 Schüler, eine Zahl, die die Zweckmäßigkeits⸗, wenn nicht die Bedürfnisfrage wohl unwiderleglich bejahen und der Gründung und dem Fort⸗ beſtand einer Ackerbauſchule gewährleiſten konnte.
Eine am Sonntag, den 17. Juni 1883 von Herrn Kreis⸗ rat Hallwachs nach Groß⸗Umſtadt einberufene, von Bürger⸗ meiſtern des Kreiſes Dieburg und ſonſtigen Intereſſenten zahl⸗ reich beſuchte Verſammlung ſprach einſtimmig ihre Anſicht da⸗ hin aus, daß die beabſichtigte theoretiſche landwirtſchaftliche Schule zu Groß⸗Umſtadt wünſchenswert und lebenskräftig ſei. Nachdem noch Herr Bürgermeiſter Eidmann namens der Stadt Groß⸗Umſtadt die Ueberlaſſung geeigneter Schulräume, ſowie die Beſtreitung der Heizung und Beleuchtung in Ausſicht geſtellt hatte, wurden auf Antrag des Herrn Kreisrats Hall⸗ wachs die Herren Direktor Nodnagel, Landtagsabgeord⸗ neter Lautz und Reallehrer Vogel mit der Abfaſſung einer
2


