Aufsatz 
Festschrift zur Feier des 25jährigen Bestehens der Großherzogl. Landwirtschaftsschule zu Groß-Umstadt am 20. und 21. September 1913
Entstehung
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meiſten dieſer Anſtalten, auch die ſpäter errichteten und jetzt weitverbreitetſten ſogenannten landwirtſchaftlichen Winterſchulen ſind niedere landwirtſchaftliche Schulen mit nur theoretiſchem Unterricht.

Die landwirtſchaftlichen Winterſchulen, deren Einrichtung ſich ſehr bewährte und deren es im deutſchen Reich ungefähr 400, in Heſſen z. Z. 10 gibt, werden nur aus öffent⸗ lichen Mitteln unterhalten. Sie ſind Fachſchulen, beſtimmt für Söhne des mittleren und kleineren Bauernſtandes und bezwecken, dem Schüler ein ſolches Maß von Fachkenntniſſen beizubringen, daß er imſtande iſt, ſpäter ein kleines Gut ſelbſtändig zu leiten. Jede dieſer Schulen iſt zweiklaſſig. Der Unterricht, der nur Volksſchulbildung vorausſetzt, wird nur im Winter durch einen oder zwei Fachlehrer und einige Hilfslehrer erteilt. Die Schüler ſind von der Fortbildungsſchulpflicht entbunden.

Wir haben geſehen, daß Dr. K. Michelſen mit ſeiner Idee der rein theoretiſchen Ackerbauſchulen auf dem Gebiete des landwirtſchaftlichen Erziehungs⸗ und Unterrichtsweſens geradezu bahnbrechend gewirkt hat. DasWie zeigt uns die Entwick⸗ lungsgeſchichte ſeiner Anſtalt.

1858 richtete er in Hildesheim eine für Bauernſöhne Hannovers beſtimmte landwirtſchaftliche Schule ein, auf der lediglich theoretiſcher Unterricht erteilt wurde. Denner erkannte ganz richtig, daß den vermögenderen, wenn nicht reicheren Hof⸗ beſitzern vor allem ein beſſerer Schulunterricht not tue, und daß es an der Zeit ſei, durch einen beſonders berechneten Unter⸗ richtsplan jenen in ſo glücklichen und unabhängigen Verhält⸗ niſſen lebenden Stand in die Klaſſe der Gebildeten zu heben. Darum verzichtete Michelſen auf praktiſche Arbeit bei ſeinen Schülern, legte großen Nachdruck auf die allgemeinen Bildungs⸗ fächer und ergänzte den theoretiſchen Unterricht in den landwirt⸗ ſchaftlichen Disziplinen durch Exkurſionen nach Muſterwirt⸗ ſchaften. Der Unterricht ging das ganze Jahr hindurch fort, der volle Kurs dauerte 2 Jahre. Nach dem Tode K. Michelſens ſetzte ſein Sohn, Dr. E. Michelſen, das angefangene Werk fort und baute die Schule durch Hinzufügen neuer Klaſſen nach oben und unten zu einer ſogen. Mittelſchule, derLandwirtſchaft⸗ lichen Lehranſtalt, weiter aus. Und als im Jahre 1866 Han⸗ nover preußiſch undbei den veränderten Militärverhältniſſen das fernere Gedeihen der Anſtalt, ſowie der Charakter derſelben als einer landwirtſchaftlichen Mittelſchule von der Erlangung der Berechtigung, für den Einjährig⸗Freiwilligendienſt gültige Zeug⸗