— 60—
1013 übertrug König Heinrich II. tauschweise den Hof Gerahe (Gerau) ¹³s mit allem Zubehör und die Grafschaft in Bessungen, zu welcher der Hof gehörte, dem Bischof von Würzburg. Wie dieser ursprünglich von einem geistlichen Stifte zu Lehen getragener Be- sitz freies Allod geworden ist, wie besonders die Katzenelnbogener in diese Stellung im Oberrheingau eingerückt sind, entzieht sich unserer Kenntnis. Möglicherweise ist sie zurückzuführen auf die Ehe Heinrichs II. von Katzenelnbogen mit Adelheid, der Enkelin der Schwester des kinderlosen Grafen und Lorscher Vogtes Berthold von Lindenfels aus dem Hause Kalw und auf die Verwandtschaft mit dem Grafen von Henneberg, Familien, die die alten Grafen des Oberrheingaues stellten. Der erste Katzenelnbogener, der ur- kundlich bestimmt im Oberrheingau vorkommt, ist Diether II. (1222) ¹³⁰9, der bekannte Gönner Walthers v. d. Vogelweide. Seit der Mitte des 13. Jahrh. Herren der Grafenrechte im Oberrheingau wussten die Katzenelnbogener einen ziemlich geschlossenen Besitz an Centgerichten zu bilden, in Grossgerau, beim Holengalgen in der Gemarkung Erfelden und auf dem Heiligenberg bei Jugen- heim, im Maingau, zu Ober-Ramstadt; aber erst 1319 140 wird zum ersten Male der Belehnung durch Würzburg Erwähnung getan. Schon König Wilhelm von Holland hatte sich genötigt gesehen, die letzten Reichsdörfer im Oberrheingau an den Grafen Diether III. zu verpfänden: Trebur, Dornheim, Ginsheim, Crumstadt, Wasser- biblos. Diese Dörfer gingen später in freies Eigentum über. 141 Vom Reich stammte auch Rüsselsheim, vom Erastift Mainz die Schlösser Auerberg und Alsbach, sowie die Orte Zwingenberg und Pfung- stadt, vom Pfalzgrafen Schloss Lichtenberg, von Fulda Arheilgen und Rossdorf. Von den zahlreichen kleineren oder grösseren Dynasten in der Nachbarschaft behaupteten manche ihre Reichs- freiheit oder unterwarfen sich mächtigem geistlichen Schutze, andere machten sich nur ungern und allmählich den Katzeneln- bogenern lehnbar und verkauften schliesslich ihre Güter und Ge-
¹ss Der Hof Gerau' ehemals Reichsdomäne, kam durch Tausch oder Vertrag an die Grafen von Henneberg, und diese belehnten die Herrn von Dornberg damit, die dem Schloss entweder den Namen gaben oder von ihm nahmen. Dasselbe Lehen wird i. J. 1259 u. 1270 den Herrn von Katzeneln- bogen zu teil(Wenck, HL I UB 34 u. 35). Im 13. Jhrd. führten die Katzen- elnbogener die zum Schloss Dornberg bez. Hof Gerau gehörigen Lehens- stücke in die würzburgischen Lehensbriefe ein. Darob entstand ein lang- wieriger Streit mit den Hennebergern, die ihr altes Recht behaupteten; erst 1521 entsagen die Henneberger aller Lehensherrlichkeit über das Schloss Dorn- berg(Wenck, HL I UB 364 u. Knetsch, d. Erwerb. Schmalkaldens d. Hessen S. 5 f.). Die Lehensbriefe der Bischöfe von Würzburg lauten auf Schloss und Dorf Dornberg, Gross-Gerau, Klein-Gerau, Worfelden. Berkach, Wallerstädten, Büttelborn. Die Grafschaft Bessungen(Wenck, HL. I, 66) umfasste Darmstadt, Bessungen, Klappach, Eschollbrücken, vielleicht auch Niederramstadt, Ar- heilgen, Braunshardt, Wixhausen, Schneppenhausen.
¹zo Wenck, HL I, 264.— Scriba, HR n. 316.
140 Wenck, HL I, UB S. 98.
141 Wenck, HIL. I, 323 UB S. 17.


