Aufsatz 
Herrn Prof. Herling wichtigste Lehren der sphärischen Astronomie nach einer neuen Darstellungsweise / Johann Theodor Vömel
Entstehung
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einen beobachteten Gegenstand gezogenen Linien Parallaxe heifst, und diese, wenn der Körper im scheinbaren Horizonte eines Ortes liegt und die Linien von dem Orte und dem Centrum der Erde aus gezogen werden, Horizontalpar- allaxe genannt wird; so bezeichnet die Horizontalparallaxe die Entfernung beider Horizonte. Der Sinus der Horizontalparallaxe ist gleich dem Radius der Erde (wenn dieser mit der Linie zum Zenith zusammenfällt) dividirt durch die Ent- fernung des Himmelskörpers vom Centrum der Erde.

3) Betrachten wir die Erde als vollkommene Kugel, so fällt der Radius mit der Zenithlinie zusammen. Sie ist aber ein an den Polen eingedrücktes Sphaeroid, deren Achse sich zum Durchmesser des Aequators verhält, wie 191:192. Dies hat auf die Lage der Horizonte und auf die Bestimmungen der Horizontalparallaxen einigen Einflufs. Die mittlere Horizontalparallaxe des Mondes ist 57/27, der Sonne nur 8,5. Nach 2 laſsen sich daraus die Entfernungen dieser Körper bestimmen. Bei entferntern Körpern findet also keine Parallaxe statt.

4) Ein Kreis, durch Zenith und Nadir gelegt, also ein gröſster, heiſfst Höhen- kreis, denn in Graden dieses Kreises wird die Entfernung eines Sterns über dem Horizonte gemessen. Er steht auf dem Horizonte senkrecht und macht mit ihm einen rechten Winkel.

§. 6.

Eine Ebene, welche den erleuchteten Theil einer Kugel von ihrer Schatten- seite trennt, heiſfse Lichtscheide. Wenn der erleuchtende Körper auch eine Kugel ist, so ist die Lichtscheide, begränzt durch Tangenten beider Kugeln, z. B. db und d Fig. 1, ein Kreis, welcher senkrecht die zwischen den Mittelpunkten beider Kugeln gezogene Linie schneidet. Der Winkel c†o(Fig. 1) hängt von der Gröſse der beiden Radien R,- und Ce der Entfernung beider Körper d ab.

Sin. cjo= K. Bei der Sonne ist R= 113,14 Erdradien und die Entfernung d= 24260 Erdradien, folglich Sin.-o= 1ls da⸗ also cfo noch nicht 16,

um welche die Lichtscheide jenseits eines gröfsten Kreises fällt, und mehr als die Hälfte der Erde beleuchtet wird.

Demnach sey die Lichtscheide der Erde für das Sonnenlicht oder die Lichtscheide der Sonne, ein gröfster Kreis, der den Radiusvector der Erd- bahn(§. 4) senkrecht schneidet. Wie verhält es sich beim Lichte des Voll- monds? Ein gröſster Kreis, senkrecht auf die Linie zwischen einem Stern und dem Centrum der Erde, heifst die Lichtscheide des Sterns. Der Stern, obwohl