— 24—
getrübte Heiterkeit des Geiſtes, Abhärtung: beſſere Leitung der Sinnlichkeit und männlichen Sinn,
Stärke und Geſchick, Geiſtesgegenwart und Muth in Gefahren, gute Bildung des Körpers, Schönheit der Seele, Schärfe der Sinne, Wahrheit der Empfindungen und Schärfe der Denkkraft, d. h. ſummariſch Harmonie zwiſchen Geiſt und Leib. Endlich gewährt ſie eine Wohlthat, die größte, nothwendigſte und zweckmäßigſte für junge Studirende: Unterbrechung geiſtiger Arbeiten. Unſer Vaterland aber braucht
Männer von unbeſcholtener Treue und Tugend, von Einſicht und unerſchütterlichem Muthe, von Thätig⸗
keit und Gegenwart des Geiſtes, von Stärke und körperlicher Kraft, von Ergebenheit und Vaterlands⸗ liebe, von Unterwürfigkeit gegen die Geſetze, um in Zukunft mit Macht und Manneskraft der drohenden Stürme und Gefahren vom In⸗ und Auslande zu wehren, das Mangelhafte jeder Art zu heben, und das Gute immer mehr zu befeſtigen und noch höher zu treiben. Unüberwindlich bleibt der Staatskörper und eine Nation, deren Individuen alle in die Geheimniſſe der Leibesübungen eingeweiht worden und 8 unwiderſtehliche Körper⸗ und Geiſteskraft geſchöpft. Deßhalb haben die Alten ſo viel dafür gethan.“
So ſpricht Guts Muths, und gewiß iſt darin ſehr viel, was auch noch für unſere Zeit, ſogar in
erhöhtem Maße, zutrifft. Wie aber Guts Muths, ſo urtheilen auch alle neueren bedeutenden Fachmänner
über den Einfluß des Turnens auf Geſundheit und Entwicklung des Geiſtes und der Bürgertugenden. So ſagt auch Spieß, nachdem er über die Art des Turnens geſprochen:„Wird auf dieſe Weiſe für die Erziehung der Jugend geſorgt, ſo erwächſt dem Staate ein wackerer, immer ſich erneuernder Kern ge⸗ ſchickter ordnungsſtarker Unterthanen für den Frieden, ein anſtelliger, ausdauernder und thatenmuthiger Männerſchlag für den Krieg. Aber noch gar manche ſchöne Frucht, gar mancher wahre Reichthum kann und wird der Segen ſein für ein Volk, wo neben Gemüths⸗ und Geiſtespflege auch die Pflege des Leibes zur Thatkraft eine ernſte Sorge iſt. Lebensfriſche, Leibesſchönheit, veredelte Körperlichkeit treten an die Stelle der Schlaffheit und rohen Leiblichkeit. Der ewige Wechſel der Modeſucht muß einer feſt⸗ ſtehenden Art eigener Landesſitte, die Nachäffung unbildſamer und geſchmackloſer Formen einer vater⸗ ländiſchen, unſerem eigenen Weſen angepaßten ſchöneren und zweckmäßigeren Tracht weichen, in der ſich unſer vielgeſtaltiger Sinn und der Ausdruck unſerer eigenen Leiblichkeit freier und edler bewegen und entfalten wird. Unſere Volksfeſte können wieder verherrlicht werden mit mancher ſchönen Einrichtung unſerer Vorväter, mit verjüngtem Geiſte würde manches Alte wieder neu werden, der Volkslangeweile könnte ächte Volksluſt geboten werden, zur Hebung und Befeſtigung eines lebendigen und vaterländiſchen Sinnes und eines würdevollen kernhaften Volksgefühles.“
Außer den Vortheilen aber, die das Turnen für die Geſundheit des Leibes und Geiſtes, ſowie für die Erziehung der Jugend gewährt, iſt noch ein anderer Vortheil hervorzuheben, der gerade in letzter Zeit für uns von großer Bedeutung geworden iſt, es iſt dies der Vortheil, den eine tüchtige Schule im Turnen für den künftigen Krieger, den Vertheidiger des Vaterlandes, gewährt. Seitdem in den letzten Jahren unſer Vaterland wieder zu neuer Stärke und Macht emporgeblüht, die es vor Allem nächſt den tüchtigen Führern der allgemeinen Wehrpflicht verdankt, iſt dieſe Einrichtung auch auf alle übrigen deut⸗ ſchen Staaten übertragen worden, in denen ſie ſeither noch nicht eingeführt war, und jedem Manne iſt nun die Pflicht auferlegt, das Wohl des Vaterlandes zu vertheidigen. Gerade für den Wehrmann aber iſt das Turnen von großem Vortheile, und dieſer Gegenſtand bildete einen der Hauptpunkte der Verhand⸗ lungen der 6. deutſchen Turnlehrer⸗Verſammlung in Darmſtadt..
Keinem Zweifel wird es wohl unterliegen, daß das Turnen die heranwachſende Jugend geſund und ſtark macht. Geſundheit und Stärke ſind aber vorzugsweiſe für den zukünftigen Soldaten nöthig; es wird alſo durch das Turnen der Jugend dem Heere eine Menge brauchbarer Soldaten zugeführt. Denken wir nur daran, welche furchtbaren Strapatzen der Soldat im Felde zu leiden hat, wie ſehr die Märſche mit gepacktem Torniſter bei Tag und bei Nacht, die Bivouacs, die Feldwachen einen rüſtigen, unermüdlichen Körper vorausſetzen! Wem dieſer fehlt, der hat dafür zu leiden, er fältt ab und kommt in das Lazareth. Daß die nöthige Kraft und Geſundheit nicht überall vorhanden war, zeigten die langen Züge der Kranken im letzten Kriege, und gerade die Jugend der beſſeren Stände war es vielfach, die bei ihrem Patriotismus nicht die gehörige körperliche Kraft und Geſundheit beſaß und deßhalb bald den Strapatzen und der Ungunſt der Witterung erlag. Daß aber im Felde ſich der Einfluß des Tur⸗ nens in Bezug auf Geſundheit und körperliche Ausdauer zeigte, beweiſt die gleich nach Beendigung des


