Aufsatz 
Ein Beitrag zur Förderung des Turnunterrichtes an der Großherzogl. Realschule, den Stadtschulen und Privatschulen zu Alzey
Entstehung
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ſind ja doch wegen dieſer Vortheile für die Geſundheit der Menſchen die Schweden ſo weit gegangen, daß ſie das Turnen zur reinen Heilgymnaſtik machten und alle anderen Geſichtspunkte bei den Uebungen außer Acht ließen. In England fand man bald nach Einführung des Turnens, daß unter den Turnen⸗ den die Zahl der Krankheiten verhältnißmäßig bedeutend nachgelaſſen. Dieſe wohlthätigen Folgen für die Geſundheit und Kräftigung des Körpers hat auch der erſte Begründer der deutſchen Turnkunſt, Guts Muths, wohl eingeſehen und ſpricht er in der Einleitung ſeines oben ſchon erwähnten Buches davon. Er ſagt darüber:

„Die Vernachläſſigung des Turnens iſt Schuld an der immer mehr ſichtbar werdenden Körper⸗ und Geiſteslähmung und dem bereits faſt allgemein einreißenden Siechthume der Sterblichen. Die Erziehung betrachtet nur die Cultur des Geiſtes, ohne den Körper auszubilden. Dieſe einſeitige Behandlungsart hat traurige Folgen, deßhalb muß die Bildung des Körpers mit der Bildung des Geiſtes vereinigt wer⸗ den, welche beide vereint das ſchönſte menſchliche Ideal und ein wahres Bild und Meiſterſtück von Gei⸗ ſtesgröße und Körperkraft, getrennt aber in jedem Betracht immer nur Halbmenſchen ſchaffen. Durch die Gymnaſtik haben in der Vorzeit jene großen Völkerſchaften, berühmte Könige und ausgezeichnete Männer, über deren Thaten wir erſtaunen, ſich zu ſo außerordentlichen Menſchen und Helden jeder Art gebildet; ſie errangen Vorzüge und Fähigkeiten des Geiſtes, der Seele und des Leibes in ſo hohem Grade, daß die Nachwelt nichts Aehnliches zeugte. Unſere widernatürliche Erziehungs⸗ und Lebensart iſt zu ändern; freie Luft, freie häufige Bewegung, einfache Nahrung muß die Jugend abhärten und Geſundheit und Stärke, Gewandtheit, Dauer des Körpers, Standhaftigkeit und alte Treue, Muth und Geiſtesgegen⸗ wart erringen. Statt deſſen werden die Kinder verweichlicht von Geburt an; in freien Stunden ſuchen ſie angenehme Geſchäftsloſigkeit, zweckwidrige Geſellſchaften, häusliche und öffentliche Vergnügungen, fade Geſpräche, alberne Erzählungen und Romanlectüre, Comödie, Kartenſpiel, ſtatt daß ſie ihre Glieder durch Uebungen, Gehen, Laufen, Springen, Werfen u. ſ. w. ſtärken und dadurch die Keime des Muthes, Un⸗ erſchrockenheit, Thätigkeit und Denken über Naturgegenſtände hervorlocken. Dazu kommt bei der arbei⸗ tenden ärmeren Volksclaſſe zu frühe und heftige Körper⸗ und Kraftanſtrengung, da kann keine kräftige Generation gedeihen. Der ſchwache Körper bringt viel Uebel, Krankheiten, Jugendſünden, die hauptſäch⸗ lich vom kränklich ſchwachen Körper und deſſen Unthätigkeit herkommen. Darauf folgt dann Müßiggang, träge Ruhe und Beguemlichkeit, endlich Leidenſchaften und Laſter, die den Staat im Innerſten erſchüttern. So entſteht durch ſchlechte und verkehrte Erziehung: weibiſche Verzärtlung, Mangel körperlicher Kraft und Geſchicklichkeit, der Lebensdauer und Nervoſität, endlich Körper⸗ und Geiſtesweichlichkeit und Schwäche mit allen den unſeligen Folgen, davon eine falſche Wahl von Vergnügungen nicht die geringſte iſt. Man trat dagegen auf, aber nicht kräftig oder mit falſchen Mitteln, das richtige Mittel iſt: Voller Genuß der freien Luft, hinlängliche Leibesübungen und Schlaf, einfache Nahrungsmittel, kein Wein noch ſtarkes Ge⸗ tränk, ſehr wenige oder gar keine Arzneien, keine warmen und engen Kleider, keine Federbetten, keine Kopfbedeckungen, kaltes Bad und Gewöhnung der Füße zur Kälte und Näſſe. Man ſuchte dafür Erſatz in den Häuſern der Vermögenden durch Tanzen, Reiten und Fechten. Dies können aber nur Wenige und meiſt erſt in dem Alter, wenn der Körper ſchon zu ſehr entwickelt iſt, auch bilden ſie nicht den ganzen Körper. Ja dieſe Uebungen ſtiften ſogar oft Schaden, wie das Fechten durch Erweckung über⸗ triebenen Ehrgefühles, oder Tanzen, das durch Nebenumſtände ſür Seele und Geſundheit nachtheilig ſein kann. Außerdem iſt ein großer Unterſchied zwiſchen Tanzen und Ausbilden des Körpers, zwiſchen dem zaghaften Geiſte des jungen Eleganten und dem männlichen Weſen eines deutſchſeinſollenden Jünglinges, den wahrlich pedantiſches Abmeſſen der Schritte nicht ſchafft. Am beſten hemmte die Nachtheile immer die natürliche Neigung der Jugend ſich im Freien herumzutummeln. Das Beſte aber iſt die Gymnaſtik, die von den Alten hochgeſchätzt wurde, ſo daß Plato, Ariſtoteles u. A. denjenigen Staat nicht für den beſten hielten, wo man ſich derſelben nicht bediente. Aber nicht blos das Alterthum, auch die einſichts⸗ vollſten Erzieher und größten Aerzte unſerer Zeit, ja die Stimme des geſunden Menſchenverſtandes ſprechen für ſie. Fern von Abwegen und Audarfungen ſollen durch dieſe Uebungen Geſundheit der Glieder, Ab⸗ härtung, männlicher Sinn und Muth erſtrebt werden. Deßhalb iſt es unbegreiflich, daß man gerade zu der Zeit, wo man in der Schule nur von Rom und Griechenland lebte, fortwährend die vortrefflichen Grundſätze der altgriechiſchen und römiſchen Körpererziehung leſen konnte, ohne etwas davon auf die da⸗ malige Erziehung zu übertragen. Wir erreichen durch die Gymnaſtik: Geſundheit des Leibes: un⸗