Aufsatz 
Ein Beitrag zur Förderung des Turnunterrichtes an der Großherzogl. Realschule, den Stadtschulen und Privatschulen zu Alzey
Entstehung
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Verhältniſſe ſtehen, oder nicht. Die Vortheile, die das Turnen gewährt, ſind hauptſächlich dreifacher Art;

einmal iſt das Turnen von Bedeutung in pädagogiſcher Hinſicht, ferner in Hinſicht auf Geſundheit des

ned Und Geiſtes, dann aber auch in Bezug auf ſeinen Einfluß auf die Wehrhaftigkeit des deut⸗ en Volkes..

Was den erſteren Punkt betrifft, ſo ſagt darüber Spieß mit Recht Folgendes:„Der Turnunter⸗ richt iſt weſentlich eines der Mittel, durch welche das Leben zu geordneter und darum freier Kraft erzogen werden ſoll. Freie Kraft allein iſt es, welche die Ordnung erzeugt und erhält in der Zucht des Geiſtes. In Zucht geordneter freier Kraft bedarf der Einzelne, wie Alle, für das ganze Leben, das iſt das Ziel aller Menſchenerziehung. Die Menſchheit iſt ein Ganzes, zuſammengeſetzt aus Völkern, Stämmen, Ge⸗ meinden, Familien und lebt in Genoſſenſchaft aller Art, in welcher der Einzelne das kleinſte Glied, zu⸗ gleich aber auch das Ganze bildet, in welchem ſich die Menſchheit ſelber ſpiegelt. Wer Erziehung bezweckt, muß dieſe Ordnung im Auge behalten, den Einzelnen für das Ganze und die Vielen für den Einzelnen bilden. Nur geordnete Kraft kann zugleich Geiſt und Leib entwickeln und erfriſchen, bei den Einzelnen, wie bei den Vielen. Zucht und Ordnung aber, eine weſentliche Aufgabe der Erziehung, zu erreichen, dafür bietet der Turnunterricht die geeignetſten Mittel. Je einfacher, gründlicher und bewußter die Ordnung ſo eigentlich ſchulmäßig in ihre Beſtandtheile zerlegt und wieder zuſammengeſetzt unterrichtet wird, deſto lebendiger muß dieſelbe alle Geübte durchdringen. Das Müſſen wird nicht geſchwächt durch das rechte Wiſſen, es begreift ſich gerade erſt durch dieſes und fällt in eines zuſammen mit dem freien Wollen. Ohne Zucht und Ordnung kann kein Unterricht gedeihlichen Erfolg haben. Deßhalb bedarf jeder Lehrer die gleichen Mittel zur Handhabung der Ordnung, wie der Turnlehrer, wie dieſer es nicht nur allein mit dem Leibe zu thun hat, ſo jener nicht allein mit dem geiſtigen Verhalten. Wenn auch gerade der Turn⸗ unterricht ſeine Ordnungsübungen auf alle Leibeszuſtände, auf verſchiedene Räume und Geräthe, bei den Gemeinübnngen aller Art ausdehnt, bei allem Verhalten und bei allen Veränderungen der Uebenden ge⸗ ſetzte Ordnungen in Wechſel zu bringen hat und damit die Aufgabe der Zucht auf ſehr ſchwierige Fälle und Verhältniſſe Bezug nehmen kann, ſo iſt doch ebenſo bei jedem anderen Unterrichte, wo feſtſtehende Räume und weniger Veränderungen in dem Verhalten der Schüler einfachere Leiſtungen der Ordnung nöthig ma hen, das Mittel der Ordnung ein gleiches, wie bei dem Turnunterrichte.“— Der Schüler wird alſo beſonders auch durch den Turnunterricht an ſtrenge Zucht gewöhnt, er wird zur äußeren Ordnung angehalten, und dieſe Gewöhnung an die Ordnung kommt nicht blos der Schule zu Gute, deren Disciplin ſie unterſtützt, ſondern auch im ſpäteren Leben iſt dieſe Gewöhnung an beſtimmte Ord⸗ nung und Einordnung des Einzelnen in das Ganze, wie auch die Gewöhnung an geregelten Gebrauch der Kraft, an Maß in jeder Bewegung, von großem Werthe, denn das Turnen ſteht mit dem Leben in vielfältigem und unmittelbarem Verkehre.

Denken wir nur an Löſch⸗ und Rettungsweſen. Sind an Ordnung nicht gewöhnte Maſſen da, wie ſchwer wird es, unter denſelben nur einigermaßen Ordnung zu ſchaffen, die bei derartigen Dingen unerläßlich iſt; wie raſch aber ordnen ſich ſolche, die von Jugend an gewöhnt ſind, in beſtimmte Reihe und Ordnung einzutreten. Was aber von den ſeltener vorkommenden Fällen bei Bränden u. ſ. f. gilt, das gilt noch in höherem Maße von täglichen Verrichtungen, z. B. vom Bau großer Gebäude, von Fabricationen mancherlei Art, vor Allem von der Fabrication des Gußſtahles. Hier müſſen die Arbeiter, wenn ſie etwas zu Stande bringen wollen, in vollkommener Ordnung ſein, ſtreng müſſen ſie ihre Reihe einhalten, und dies werden ſie auch um ſo leichter können, je mehr ſie ſich von Jugend an darin ge⸗ übt haben. Sind doch z. B. die gewaltigen Erzeugniſſe der Krupp'ſchen Gießerei nur dadurch ermög⸗ licht, daß die Mehrzahl der Arbeiter militäriſch ausgebildet und dadurch an ſtrenge Ordnung gewöhnt iſt. Wie aber durch das Turnen der Geiſt der Ordnung geweckt wird, und Luſt daran entſteht, ſo daß die Ordnung auch auf alle anderen Verhältniſſe der Schule und des Lebens übergeht, ſo ſchärft es auch vielfach die Sinne und iſt auch dadurch für Schule und Leben von Bedeutung. Durch die mannigfal⸗ tigen Uebungen jeder Art wird Auge, Ohr und Taſtſinn geſchärft, Achtſamkeit und Beſonnenheit im Handeln wird erhöht, ebenſo die Spannkraft des Willens.

Wirkt nun in dieſer Weiſe das Turnen vortheilhaft ein, ſo iſt es nicht minder für die Geſundheit, auf die ein tüchtiger Erzieher ja auch zu ſehen hat, von großem Vortheile. Jeder Arzt wird wohl eben zugeſtehen, daß in vielen Krankheiten eine richtig geleitete körperliche Bewegung von großem Vortheile iſt;