Aufsatz 
Ein Beitrag zur Förderung des Turnunterrichtes an der Großherzogl. Realschule, den Stadtschulen und Privatschulen zu Alzey
Entstehung
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Schieben und Heben, Gehen und Laufen wichtige Dinge waren, ſchon wegen der Rückſicht auf die Wehr⸗ haftmachung der Nation. Der leitende Grundſatz war eben, Alles zu machen, was gemacht werden kann. Man glaubte, durch ſyſtematiſches Aufſuchen aller möglichen am Geräthe auszuführenden Bewegungen die Turnkunſt zur Vollkommenheit bringen zu können.

Im Jahn ſchen Turnen liegen die Keime des heutigen Schulturnens und des Vereinsturnens noch ungeſondert neben einander. Jahn hatte als Lehrer und Erzieher auch in der deutſchen Turnkunſt die Jugend im Auge, beſonders die Schuljugend der höheren Claſſen der Gymnaſien und anderen Lehranſtalten, aber nur in der Weiſe, wie er die Turnvereine eingerichtet hatte. Der Jahnſſche Geiſt blieb, wenigſtens was die Uebungen und die ganze Betriebsweiſe betrifft, auch in den Schulen herrſchend. Als ſpäter das Augenmerk der Regierungen auf die politiſche Seite des Turnens gerichtet war, verfolgte man die Turner wie die Demagogen, und auch in Preußen, wo gerade ein Plan zur allgemeinen Anlegung von Turn⸗ plätzen durch die ganze Monarchie ausgearbeitet worden war, und wo tüchtige Officiere ſchon die Wich⸗ tigkeit des Turnens als Vorſchule zur Landwehr erkannt hatten, wurde die Beförderung bald in Unter⸗ drückung verwandelt, während ſich in Süddeutſchland und noch mehr in der Schweiz die Turnvereine ausbreiteten und entwickelten. Die durch Cabinetsordre vom 12 Novbr. 1819 geſchloſſenen Turnplätze wurden erſt ſeit 1834 in einzelnen Fällen, ſeit 1837 aber allgemein den Schulen wieder freigegeben. Als im Jahre 1842 durch Cabinetsordre vom 6. Juni endlich allgemeine Anſetzung von Turnſtunden bei den höheren Schulen angeordnet wurde, beſtrebte man ſich, die Sache auf einen neuen Boden zu ſtellen und von den Ueberlieferungen der Jahn’'ſchen Zeit möglichſt frei zu halten. So trat zunächſt hier auf negativem Wege die Trennung des Schulturnens von dem Vereinsturnen ein, die im Süden auf dem Wege poſitiven Fortſchrittes, durch Einführung des Spieß'ſchen Turnens, ſich Bahn brach. Dennoch beherrſchte das Turnen der Vereine im Norden wie im Süden auch die weit überwiegende Mehrzahl der Turnplätze höherer Schulen.

Zur Zeit der politiſchen Verfolgung und Unterdrückung des Turnweſens verſuchten es eifrige Turn⸗ lehrer, die Leibesübungen aus der durch Jahn geſchaffenen Verbindung mit Volksthümlichkeit und Vater⸗ landsliebe herauszureißen und dadurch den auf ihnen ruhenden Bann zu löſen. Dies ließ ſich um ſo eher erreichen, je mehr ſich die Leibesübungen auch in Stoff und Betriebsweiſe vom Jahn’'ſchen Turnen unterſchieden und ſich enger an die Kunſt der vornehmen Welt, Fechten, Tanzen, Anſtandslehre u. ſ. w. anſchloſſen. Dieſen Weg ſchlug Werner ein, der 1820 als Lehrer der Gymnaſtik an die Univerſität Leipzig berufen wurde. Er belebte unter der academiſchen Jugend den Sinn für Waffenübungen, zog das Voltigiren herbei und bald auch andere Leibesübungen. Vorurtheilsfreie Männer unter den Begrün⸗ dern der Turnkunſt, wie namentlich Eiſelen, erkannten das Zeitgemäße und Lobenswerthe in Werners Streben und traten in Verkehr mit ihm. Werner bemühte ſich, durch anatomiſche und phyſiologiſche Studien eine Grundlage für den Uebungsbetrieb zu gewinnen, die ihm um ſo nöthiger erſchien, als er eine drei⸗ fache Richtung der Gymnaſtik in ihrer Anwendung auf die Schule, das Heer und die Heilkunde annahm. Leider erweckten ſpäter die Spielereien Werners mit Fahnen und Kränzen und die öffentlichan Aufführungen im Gewandhausſaale zu Dresden bei den Pflegern der ernſteren Turnkunſt Mißtrauen nnd bei den Päda⸗ gogen Befürchtung, daß die Eitelkeit zu ſehr befördert würde. Doch hat er auch das Verdienſt, die Gymnaſtik der weiblichen Jugend mächtig angeregt zu haben, wenn er auch ſein Intereſſe mehr auf die Heilgymnaſtik lenkte. Die bedeutendſte Fortbildung erfuhr das deutſche Schulturnen durch Adolf Spieß. Seine Beſtrebungen haben in pädagogiſcher, ſtofflicher und theoretiſcher Hinſicht den ganz beſtimmten Grundſatz der unbedingten Einordnung des Turnens in den Organismus der Schule, nicht als Erholungsmitel, ſondern als Bildungsmittel für Geiſt und Leib; Ab⸗ leitung des Uebungsſtoffes aus den natürlichen Bewegungsverhältniſſen des Einzel⸗ nen und der Maſſen, mit ſtrenger Unterordnung des Geräthes unter den Zweck, dem es jedesmal dient; ſyſtematiſche Vollſtändigkeit in der Darſtellung aller Bewegungsverhältniſſe, unter Einord⸗ nung derſelben in gewiſſe große Hauptclaſſen. In jeder dieſer Beziehungen iſt das Streben nach Ord⸗ nung das eigentliche Lebensprincip der Spieß'ſchen Schöpfungen, daher nahm man oft einſeitigerweiſe die Ordnungsübungen als alleiniges Kennzeichen Spieß'ſcher Turnweiſe an. Spieß entzog in natürlichſter Weiſe dem Turnen der Schüler jede politiſche Seite und zog die Aufmerkſamkeit der Schulmänner des Verwaltungsfaches auf ſich. Spieß hat ſich in ſeinem Turnbuche für Schulen, einem zur Anleitung des