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wahrſcheinlich mit weiſer Mäßigung geübt; vermuthlich ging der größere Theil der Turnſtunde mit dem ein⸗ fachen Stadionlauf hin, wobei Fehler in Haltung und Bewegung verbeſſert, und deßhalb die Knaben vorerſt einzeln vorgenommen wurden..
Dieſen beiden Uebungen ſchloß ſich nun zunächſt eine dritte an, der Sprung, der nach helleni⸗ ſcher Betriebsweiſe den ganzen Körper gleichzeitig und ebenmäßig in Anſpruch nimmt und die höchſte Schnellkraft einer plötzlichen Geſammtwirkung faſt aller Muskeln herausfordert. Die Hellenen bildeten nur eine einzige Art des Sprunges mit Vorliebe aus, den Weitſprung mit Hanteln. Es waren dies meiſt kolbenförmige Bleigewichte und ſo eingerichtet, daß bei vorgeſtrecktem Arme das Hauptgewicht noch vor der Hand lag, offenbar, um einen weiteren Sprung möglich zu machen. Durch Armbewegungen während des Sprunges konnten ſie den Schwerpunkt der ganzen Maſſe, beſonders unmittelbar nach dem Ab⸗ ſprunge und kurz vor dem Niederſprunge beträchtlich verlegen. In ſpäterer Zeit wurden die Hanteln auch vielfach, wie bei uns, zu allerlei Kraftübungen verwandt.
Die drei erwähnten Uebungsarten: Laufen, Ringen und Springen genügten zur harmoniſchen Durchbildung des Körpers in helleniſchem Sinne. Da man aber den rechten Arm für den Kriegsge⸗ brauch noch beſonders ausbilden wollte, wurden noch zwei weitere Uebungsarten hinzugefügt, das Dis⸗ kosſchleudern und Speerwerfen. Die Griechen trugen den Diskos in der linken Hand bis zum Gebrauch, um den rechten Arm nicht vorher zu ermüden. Der Diskos war eine linſenförmige Metall⸗ ſcheibe von etwa 10“ Durchmeſſer; er wurde in geſtreckter Armhaltung aus der linken in die rechte Hand gelegt, feſt gefaßt und zum Ausholen nach unten und hinten geſchwungen. Der rechte Arm beſchrieb unter begleitender Drehung des ganzen Körpers mehr als einen Halbkreis, kehrte dann auf demſelben Weg unten her zurück und ließ im heftigſten Vorſchwunge den Diskos fahren. In der Regel kam es nur darauf an, möglichſt weit geradeaus zu ſchleudern. Der Speerwurf entſpricht faſt völlig unſerem Gerwerfen; der Wurfſpieß war leicht, und auch hier wurde auf möglichſt große Weite des Wurfes ge⸗ ſehen, doch ſollte der Wurfſpieß zugleich treffen.
Der außer dieſen Uebungen bei den Hellenen noch vorkommende Fauſtkampf hat ſeine Bedeu⸗ tung mehr für die Athletik, als für die Erziehung. Ein Hauptzweig endlich aber der helleniſchen Leibes⸗ übungen war der Tanz, der zwiſchen Muſik und Gymnaſtik gewiſſermaßen in der Mitte ſtand, indem einzelne Tänze nur in langſamen und feierlichen Chorbewegungen beſtanden, andere dagegen lebhafte, nicht nur das rythmiſche Gefühl übende, ſondern auch Kraft und Ausdauer verlangende Bewegung hatten. Faſt noch mehr als der Tanz tritt aber das Spielen der Jugend in eine enge Beziehung zur Gymnaſtik. Von dieſen iſt vor Allem das Ballſpiel zu erwähnen, das mit Eifer von Knaben und Jünglingen betrieben wurde und auch in den Kreis der Gymnaſtik gleichſam eingereiht war.
Was die Römer anlangt, ſo haben dieſe nie eine nationale Gymnaſtik zur Entwicklung gebracht, und was ſie von den Griechen entlehnten, iſt nie zu einem wirkſamen Elemente der Volksbildung gewor⸗ den. Wie das ganze römiſche Weſen und Leben nur das Nützliche im Auge hatte, ſo dachte man in Bezug auf Körperpflege nur an zwei Dinge, an Geſundheit und Kriegstüchtigkeit. Ihre Ge⸗ ſundheit ſtählten ſie durch rauhe Feldarbeit, der ſich auch die Patricier hingaben. Trieben ſie dabei ge⸗ wiſſe Leibesübungen mit Vorliebe, ſo waren dies durchaus practiſche, wie Reiten, Fahren, Schwim⸗ men. Beim Eintritte in das Heer mußte dann der junge Römer zwar noch Manches lernen, was zur Uebung des Leibes gehörte, ſo die Elemente der militäriſchen Ausbildung in Reih und Glied, Dauerlauf und Schwimmen in voller Ausrüſtung; vor Allem aber mußte er durch Märſche, Kämpfe und Beſchwer⸗ den aller Art eine zähe Unverwüſtlichkeit bekommen, auf der vorzugsweiſe die Ueberlegenheit der Römer im Kriege beruhte. Mit dem Untergange der Freiheit Griechenlands durch Macedonien ſchwand die regel⸗ mäßige gymnaſtiſche Jugenderziehung aus den meiſten Staaten völlig; es bildeten ſich Turnvereine unter den Jünglingen, die auf eigene Fauſt, nicht ohne Anflug von Renommiſtterei, die Sache aufrecht hielten. Für das Turnen der Männer entwickelte ſich mehr und mehr der Geſichtspunkt der Geſundheitspflege, der von Aerzten und Gymnaſten bis zur Entwicklung einer vollſtändigen mediciniſchen Gymnaſtik fortgebildet wurde. Dabei wurden die Hantelübungen ein Lieblingsgegenſtand. In dieſem Zuſtande fanden die römi⸗ ſchen Eroberer die Gymnaſtik vor, und ſo bürgerte ſie 8 auch nach heftigen Kämpfen in Rom und dem römiſchen Reiche ein. t 1 B
Durch das Chriſtenthum wurden zunächſt die letzten Spuren der alten Gymnaſtik getilgt. Dies


