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ganzen Staat gewährt. In der Blüthezeit Athens und der peloponneſiſchen Staaten begann ſofort nach Abſolvirung des Elementarunterrichts, der in den doriſchen Staaten dabei noch von keiner beſonderen Bedeutung war, der Unterricht in der Muſik und meiſt faſt gleichzeitig damit der Unterricht in der Gym⸗ naſtik. Dieſer aber ſtand als Vorſchule männlicher und kriegeriſcher Tüchtigkeit in beſonders engem Verhältniß zum Staat und war meiſt geſetzlich angeordnet. Dies war vorzugsweiſe bei den Doriern der Fall, bei denen überhaupt die Gymnaſtik eine mehr militäriſche war. Der Uebungsplatz, auf dem Knaben und Jünglinge den größten Theil des Tages zubrachten, hieß: Gymnaſion. Für die Knaben diente die Paläſtra, die Ringſchule, ein kleinerer und in der Regel bedeckter Uebungsplatz, der oft verbunden war mit dem Dromos, einer Laufbahn im Freien. Später gebrauchte man die drei Aus⸗ drücke ohne beſonderen Unterſchied. Das vollſtändige Gymnaſion war eine großartige Anlage. Die Lauf⸗ bahn, von der Länge eines Stadion, d. h. 600 Fuß, bildete die eine Seite des Platzes, der wohl am häufigſten quadratförmig war; dieſer Platz enthielt außer dem ſchon erwähnten Dromos, der Laufbahn im Freien, noch eine bedeckte Laufbahn und eine zu wiederholten Umläufen beſtimmte, vorzüglich bei Feſtſpielen gebrauchte breite Laufbahn, die insbeſondere Stadion genannt wurde. Den übrigen weiten Raum bedeckte theils die Paläſtra mit ihren zahlreichen Hallen, Sälen und Nebenräumen, theils war er mit Bäumen umpflanzt und mit Spaziergängen umgeben, zwiſchen welchen noch weite Räume für das Ballſpiel, für Diskos⸗ und Speerwerfen übrig blieben. Die Leibesübungen wurden, wenn auch dem freien Spiele der Knaben und Jünglinge ein weiter Raum vergönnt war, doch in allen bedeutenderen Städten ſchulmäßig betrieben, nnd war deßhalb natürlich Trennung in Altersclaſſen nöthig. Beſonders waren die Knaben getrennt von den Epheben, den Jünglingen im Alter der beginnenden Männlichkeit. Dieſe Hauptabtheilungen zerfielen dann wieder in verſchiedene Unterabtheilungen, die je nach dem Orte verſchie⸗ den waren. Lehrer der Knaben war der Pädotribe. Die Jünglinge ſcheinen ſowohl bei dem Pä⸗ dotriben, als auch dem Gymnaſten Unterricht gehabt zu haben. Letzterer war es, der insbeſondere auch die Athleten und Wettkämpfer ausbildete. Er ſollte den Leib planmäßig zu Kraft und Schönheit bilden, weßhalb man von ihm Einſicht in die Wirkungen der Bewegungen verlangte, während der Pädotrike nur Fertigkeit in Ausführung der einzelnen Bewegungsformen zu erzielen hatte. Der Stoff der griechi⸗ ſchen Leibesübungen war ſo außerordentlich einfach, daß wir kaum begreifen können, wie ein Unterricht in dieſen Gegenſtänden ſo viele Jahre hindurch hat fortgeſetzt werden können. Trotzdem aber muß dieſer Unteraſht ein ſyſtematiſcher geweſen ſein, der in geordneter Stufenfolge vom Leichteren zum Schwereren überging.
Wir finden bei den Alten nur wenige Uebungsarten, bei denen nur der Boden als Stützfläche dient. Die beiden Grundübungen der griechiſchen Gymnaſtik ſind das Ringen und der Lauf. Jenes wurde urſprünglich in der Paläſtra, dieſer im Dromos oder Stadion geübt. Das Ringen war der Haupt⸗ gegenſtand des Unterrichtes der Knaben, da hier etwas zu lernen, nicht blos zu üben war. Dadurch, daß man möglichſt gleiche Paare wählte, wurden übermäßige Anſtrengungen verhütet. Die Schüler erwarben ſich dabei Geſchicklichkeit und erlernten beſtimmte Griffe, Stellungen, Druck⸗, Zug⸗ und Hebewirkungen. Da aber alle Uebungen, bei denen es zunächſt auf das Begreifen der Bewegungsform ankommt, zuerſt mehrfach mit halber Kraft vorgenommen werden müſſen, bis erſt ſpäter durch energiſche Ausführung die Sache vollendet wird, kann man annähernd auf den Knabenunterricht in einer griechiſchen Paläſtra chließen. Der Pädotribe nahm wohl Claſſe nach Claſſe vor, während die Uebrigen ſich freiem Spiele im Gymnaſion hin⸗ gaben, vor Allem dem Ballſpiele, oder blos zuſahen, oder unter ſich oder mit Erwachſenen ſprachen. Für Ordnung ſorgten dabei theils beſtimmte Aufſeher, theils die Oeffentlichkeit und allgemeine Theilnahme der Erwachſenen. Es wurden dann wahrſcheinlich erſt Stellungen, Auslagen, Armhaltung u. ſ. w. ein⸗ zeln vorgenommen und ſchließlich, nach elementaren Uebungen mit gegenſeitigem Angreifen, das eigent⸗ liche Ringen.
Der Lehrgang im Laufen war wahrſcheinlich nicht ſo ſyſtematiſch geordnet, bildete aber einen Gegenſtand unabläſſiger Bemühung, ſchon wegen ſeiner Wichtigkeit für die Wettkämpfe, bei denen er meiſt die erſte Stelle einnahm, und ſeine nahe Beziehung zum Kriege, da bei helleniſcher Kampfweiſt ſchneller, ſtürmender Angriff und raſtloſe Verfolgung mit leichtem Rückzuge ſtets weſentliche Clemente waren. Daher gab es verſchiedene Arten den Lauf zu üben, je nachdem eine kürzere oder längere Strecke nackt oder in Waffen zurückgelegt wurde. In der pädagogiſchen Verwendung wurde der Lauf


