Aufsatz 
Die Verwandlung der menschlichen Gestalt im Volksaberglauben
Entstehung
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Auch dem deutschen Aberglauben sind die Krankheits- geister nicht völlig fremd geworden. Wuttke sagt darüber im Abschnitt 470 seines Buches was folgt:„Die Krankheiten werden vom Volke auf eine sehr kleine Zahl von Arten zurückgeführt. Sie gelten nicht sowohl als eine bloße Störung, als vielmehr als bestimmte Wirklichkeit und werden oft fast wie ein persön-— liches Wesen betrachtet und behandelt; und die Vorstellung, dab sie böse Geister seien, schimmert vielfach hindurch; sie werden in Beschwörungsformeln geradezu angeredet, und oft heißt es darin, daß unser Herr Christus der Krankheit begegnet und sie fragt, wo sie hingehe, und sie antwortet wie eine Person.“

An die oben erwähnte Vorstellung der Naturvölker, daß ein besonderer Krankheitsgeist in bestimmter Verkörperung, z. B. als Stein, als Holzsplitter, als Wurm, als Käfer, in den Leib des Bestimmten eingefahren sei und dort nun Schmerzen verursache, erinnert die Ansicht des deutschen Volksglaubens, daß die Krankheiten vielfach„Würmer“ sein sollen; man kennt einen„Wurm im Finger“, einen„Herzwurm“ u. s. W.

Der deutsche Aberglaube heilt Krankheiten, indem er sie durch Zauberkunst aus dem kranken Leib herauszieht und auf irgend ein Objekt der Erscheinungswelt überträgt, am häufigsten auf Bäume, die nach außerordentlich weit verbreiteter Ansicht auch die Krankheiten gesandt haben, worüber später Genaueres zu berichten sein wird. Auch auf Menschen und Tiere, die dann aber daran erkranken, überträgt man Leiden, oder man gräbt sein Wehtum in den Boden ein, oder man versteckt es irgendwo in eine Ritze oder ein Loch. Amulette gegen Krank- heiten werden von deutschen Abergläubischen noch wie von den Naturvölkern getragen.

Zu den Krankheitsgeistern, die in Europa noch teilweise bekannt sind, dürfen auch jene Geister gerechnet werden, die ein lobendes, bewunderndes Wort, das in bester Absicht ge— sagt worden sein kann, gegen den gelobten Menschen oder Gegenstand in Bewegung setzt. Wir haben es hier mit dem Beschreien oder Berufen zu tun. Deutschland scheint die Geister nicht mehr zu kennen, die, durch lobende Worte zur Bosheit gereizt, dem gelobten Gegenstand schaden. Die Südslawen kennen sie noch recht gut. Krauß sagt darüber S. 41:„Innere