Krankheitsgeist zu erschrecken und zum Ausfahren zu zwingen. — Die auberer der Caraiben lärmen mit Calabassen um den Kranken, verwenden aber auch Heilkräuter. Gelingt ihnen die Kur nicht, so entschuldigen sie sich damit, daß der große böse Geist sich des Kranken bemächtigt hätte, weshalb ihre Kunst nichts mehr bewirke.— Haben die Indianer über Unwohlsein zu klagen, so bringen sie Opfer und sagen:„Die Geister sind unzufrieden und wollen versöhnt sein“. Die Schmerzen, die sie dabei empfinden, erklären sie damit, daß Manitus in sie gefahren seien, die sie nun auf alle Weise peinigten.— Castrén sah zu, wie eine Schamanin der russischen Lappmarken eine Gliederverrenkung zu heilen suchte; sie strich auf dem schmer- zenden Gliede hin und her, und als sie den Sitz des Schmerzes entdeckt hatte, quetschte sie die Stelle mit den Nägeln, führte die herausgequetschten Krankheitsgeister zum Munde, zerbiß sie zwischen den Zähnen und spie sie, also übel zugerichtet, wieder aus.— Ein zu einem Kranken gerufener Hottentotten- zauberer liest erst aus den Eingeweiden eines Schafes, ob der zu bekämpfende Krankheitsgeist nicht zu stark sei.
Diese Leiden schaffenden Dämonen sind nicht nur unter den Naturvölkern zu finden, in Europa sind noch recht deut-— lich ihre Spuren zu erkennen. Nach Wlislocki fingen die Un- garn vor einigen Jahren die Cholera in Debreczin ab und schlugen sie tot. Sie erschien als struppiges, haariges Tier; in Oberungarn sah man dieselbe Krankheit als dünne graue Wolke einherschweben und daraus einen langen Arm hie und da bis zur Berührung des Erdbodens hervorstrecken. Als nacktes Kind stieg sie einem Fuhrmann auf den Wagen, von dem sieé der Rosselenker durch Anrufung der heil. Dreifaltig- keit vertrieb.— Nach Krauß, S. 40, glauben die Bulgaren im Küstendiler Bezirk, die Krankheiten seien überhaupt samt und sonders Frauen mit rötlichbraunem Kopfhaar, die von Dorf zu Dorf zögen, um mit ihren Pfeilen Menschen und Tiere zu er— legen.— Den Zigeunern sind die Krankheiten neun scheuß-— liche Geschwister, die aus der Ehe der Königin der Wald- geister oder Keshalyi mit dem Könige der in Dämonen ver-— wandelten Menschen, der Logçolico, entstammen(Wlislocki, Zigeuner, S. 19).
Schaefer, Verwandl. d. menschl. Gestalt im Volksaberglauben. 2


