Aufsatz 
Die Verwandlung der menschlichen Gestalt im Volksaberglauben
Entstehung
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zog er aus dem siedenden Kessel, der am Herde stand, ein kleines Knäblein hervor, das lebend und unversehrt war, außer daß ihm an der Hüfte just das Stückchen Fleisch fehlte, welches der Mann verzehrt hatte. Er nahm das Kind auf den Arm und eilte nach Hause zu seiner Frau. Da hatten sie ihre Freude am schönen Knaben, der rasch emporwuchs und mit der Zeit ein tüchtiger Mann wurde.“(S. Wlislocki, Volksglaube und religiöser Brauch der Zigeuner, S. 36 ff.)— Die dritte Ge— schichte, die den beiden vorausgegangenen angereiht werden kann, ist die allbekannte Sage vom Tantalus, dem Gastfreunde der Götter Griechenlands, der, um die Allwissenheit der Himm- lischen zu prüfen, seinen Sohn Pelops schlachtete und den Göttern zur Speise vorsetzte. Sie merkten aber, worum es sich handelte, und nur Demeter, die traurigen Gedanken über das Verschwinden ihrer Tochter nachhing, aß von der Schulter des Knaben. Die Götter warfen die einzelnen Stücke des Kindes in einen Kessel und zogen dann den Knaben heil und gesund daraus hervor. Die fehlende Schulter ersetzten sie ihm durch eine solche von Elfenbein.— Wie schrankenlos die Phantasie der Primitiven mit dem leiblichen Leben der Men- schen waltet und schaltet, läßt sich kaum deutlicher zeigen als durch die Art von Erzählungen, von denen wir diese drei Stich- proben gegeben. Sei der Mensch in den Sagen der primitiven Welt in Stücke zerrissen, geschlachtet, gesotten, gebraten, so ist damit noch lange nicht alles verloren und Zauberkunst kann den also schlimm Behandelten wieder völlig herstellen,— wofern noch alle zum Körper gehõrigen Teile vorhanden sind. Ist das nicht der Fall, so sind sie unersetzlich. Das klingt in diesem Zusammenhang merkwürdig genug. Die schier all- mächtige Zauberkunst der Götter, Dämonen und Zauberer kann die zerrissenen Glieder eines Menschen wieder zusammenfügen und zu neuem Leben vereinigen, aber nicht das kleinste ab- handen gekommene Teilstückchen einem wiederbelebten Men- schen ersetzen. Hier schränkt eine aus der Erfahrung dem Naturmenschen leider nur zu bekannte Tatsache das Spiel der Phantasie korrigierend ein.

Mit besonderer Erwartung darf man an eine Untersuchung der in der primitiven Welt vorhandenen Vorstellungen über