Aufsatz 
Die Verwandlung der menschlichen Gestalt im Volksaberglauben
Entstehung
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schen. Bekanntlich wimmeln die Sagen und Märchen von Vor- kommnissen solcher Art, und sie finden Glauben bei den rohen Völkern der ganzen Erde. Als Stichproben für diese sehr zahl- reiche Sagenfamilie mögen drei Geschichten dienen, die der Abhängigkeit voneinander nicht verdächtigt werden können.

Als erstes Menschenkind gilt bei dem bolivianischen Stamm der Yuracares die einsame Jungfrau. Diese bemalte einst mit Ruku einen schönen Baumstamm, der dadurch zum Manne und zu ihrem Gatten wurde. In Abwesenheit der Frau wurde dieser Mann von einem Jaguar zerrissen, aber von der heimkehrenden Frau wieder zusammengesetzt, worauf er neu belebt war. Als er indessen merkte, daß ein Stück von seiner Wange fehlte, das nicht mehr aufzutreiben war, da wollte er aus Scham über diese Verstümmelung nicht mehr bei seiner Frau bleiben und entfernte sich auf Nimmerwiedersehen.

Die zweite Geschichte führt uns zu den Zigeunern und wird von Wlislocki erzählt. Bei ihnen herrscht der Glaube, daß totgeborene Kinder vampyrartige Wesen werden, die man Mulo nennt. Sie bewohnen die höchsten Berge und bewachen die Schätze, die sie sich auf nächtlichen Streifen rauben. Nun hatte ein Zigeunerpaar ein totgeborenes Kind bekommen und war darüber untröstlich. Ein Jahr nach des Söhnchens Be— stattung waren die Eltern noch nicht darüber getröstet, und der Mann machte sich auf, zu sehen, ob er im Muloreiche nicht sein Kind erlösen könne. Auf den höchsten Spitzen der Berge angekommen, leitete ihn eine weiße Maus, der er nach- lief, in die Höhle der Mulo. Einer von ihnen kam herein und fragte den Zigeuner, der sich traurig auf eine Bank gesetzt hatte, ob er etwas essen wolle. Der durch das Erscheinen des Mulo erschreckte Mann antwortete hastig:„O ja.“ Der Mulo ging hierauf an den Herd und nahm aus dem Kessel ein Stück- chen Fleisch, das er dem Manne anbot. Der nahm das Fleisch und verschlang es. Da bot ihm der Mulo noch ein Stückchen an, aber der Mann wies es zurück und sagte:„Ich bin nicht hungrig. Ich bin hergekommen, um mein totgeborenes Kind zu erlösen.“—„Ja“, versetzte der Mulo,„weil du vom Fleische deines Kindes gegessen hast, ist es jetzt befreit worden! Nimm, hier hast du das Kind und gehe jetzt nach Hause.“ Hierauf