Aufsatz 
Die Verwandlung der menschlichen Gestalt im Volksaberglauben
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 9—

verwandelte Menschen aus einem versunkenen Zeitalter.— Nach den afrikanischen Bari ist der Flefant der Urvater der Menschen.— Von einem Nogel leiten sich die mittelamerika- nischen Zapoteken ab.— Die Stammeltern mancher Malayen- fürsten sind Tiger, Krokodile. Auf der Insel Banka stehen die Krokodile darum in fürstlichem Ansebhen. Manche australischen Völker lassen den Schöpfergott, der selbst Eidechsenform hatte, aus Eidechsen, denen er die Schwänze abschnitt, Menschen er-— zeugen. Auf den Tonga-Inseln sandte der Schöpfergott Tan- garoa seine Tochter zur Erde nieder, damit sie Menschen schaffe. Sie flog zur Erde in Schnepfen- oder Lerchengestalt und schuf Menschen aus Würmern.— Die Krebsindianer glauben als Schalentiere aus dem Boden gewachsen zu sein.

Manche Völker lassen den Menschen fix und fertig aus irgend einem anderen Wohnort, z. B. vom Himmel, aus einem See, aus dem Inneren der Erde, zur Erde auf irgend eine Weise gelangen. So wohnte der Delawarenstamm Minsi(Wolf) früher in einem unterirdischen See, aus dem ein Krieger heraufstieg, einen Hirsch tötete und seine Stammesgenossen zur Teilnahme an dem für gut befundenen Braten heraufrief.— Sagen mit gelehrtem Anflug lassen einen Riesen oder Gott schlachten, aus dessen Gliedern die verschiedenen Berufsstände hervor- gehen. Aus des zerstückten Brahma Munde entstehen nach den Indern die Priester, aus seinen Schultern die Krieger, aus seinen Schenkeln die Ackerbauer, aus seinen Füßen die Paria oder dienenden Klassen. Ursprünglich und volkstümlich sind dergleichen Sagen nicht. Schließlich muß noch eine Art von Schöpfung angeführt werden, wonach der betreffende Schõöpfer- gott bloß irgend ein Ding beim Namen zu nennen braucht, um ihm sogleich zum Dasein zu verhelfen. Der Gott Til der vumale in Kordofan ruft in den Wald: Ovambo, d. h. Mensch, worauf ein Mann und eine Frau daraus hervorkommen. Auf einen zweiten Ruf kommt ein Reh, usw.

Im allgemeinen darf man auf Grund einer Übersicht über die Schöpfungssagen das Urteil wagen, dab der Naturmensch in seinen Ursprungsmythen von den übrigen Geschöpfen und Produkten der Erde nicht abrückt; es ist kein Bestreben zu erkennen, sich von ihnen zu sondern und etwas vor ihnen