Aufsatz 
Naturgeschichte der Ameisen und Anleitung zur Bestimmung der nassauischen Arten : 2. Theil
Entstehung
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C. Aeſthetiſche Bildung.

Die Anſtalt war zwar zunächſt auf die ihr ſelbſt zu Gebote ſtehenden Mittel, die Pflege des Geſanges, den Unterricht im Zeichnen und Malen, Schulfeſte ꝛc. angewieſen, geſtattete daneben aber auch ihren Zöglingen den Beſuch von anderweitigen Concerten und Kunſtpro⸗ ductionen, ſofern dieſe dem Zwecke förderlich ſchienen. Zur Erlernung eines muſikaliſchen In⸗ ſtrumentes iſt die Gelegenheit in ausreichender Weiſe geboten, indem außer dem Geſang⸗ und Muſiklehrer des Gymnaſiums mehrere Mitglieder der Regimentsmuſik Privatunterricht ertheilen.

Auf Grund einer beſonderen Einladung war den Schülern der beiden Oberklaſſen die Betheiligung an den von der Caſinogeſellſchaft veranſtalteten Bällen und andern Unterhaltungen Seitens der Anſtalt nicht nur erlaubt, ſondern wurde auch empfohlen, weil erfahrungsgemäß die Söhne auswärts wohnender Eltern ſich nur zu gern in ihrem Umgang auf ſich ſelbſt be⸗ ſchränken und dadurch der nicht gering anzuſchlagenden Vortheile der edleren Formen des Um⸗ gangs und der geſelligen Bildung verluſtig gehen, die doch mit der äſthetiſchen in ſo engem Zuſammenhange ſteht. Die Anſtalt muß auch für dieſe Seite der Erziehung die Minwirkung der Eltern in Anſpruch nehmen.

D. Disciplin.

Der pädagogiſche Grundſatz, daß Disciplinarvergehen der Schüler durch Beſeitigung der Urſachen und Anläſſe zu denſelben zu verhüten ſind, hat ſich auch in dieſem Schuljahre trefflich bewährt. Schwerere Vergehen, die mit andern als den gewöhnlichen Schulſtrafen hätten geahndet werden müſſen, ſind nicht vorgekommen. Ich kann jedoch nicht verſchweigen, daß in einigen Fällen die erziehliche Thätigkeit der Anſtalt durch allzugroße Vorliebe der Eltern für ihre Söhne beeinträchtigt worden iſt.

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44 E. pyyfiſches wohl.

Der Geſundheitszuſtand war in dieſem Schuljahre nicht ganz befriedigend. Von den Lehrern wurde einer durch ſchwere Krankheit auf längere Zeit ſeiner Berufsthätigkeit entzogen, von den Schülern weilt einer, um der zwar leichteren, aber ziemlich häufigen Fälle von Un⸗ wohlſein nicht zu gedenken, aus demſelben Grunde ſeit Neujahr im elterlichen Hauſe, und end⸗ lich iſt einer der Anſtalt durch den Tod entriſſen worden. Am 17. April v. J. verſchied näm⸗ lich der Oberprimaner Walther Schmitt, Sohn des Directors, an einem Bruſtleiden, nachdem er mehrere Wochen zuvor ſich noch an den ſchriftlichen Arbeiten der Maturitätsprüfung betheiligt hatte. In academiam abiturus mortem obiit. Sit tibi terra levis!

II. Chronik des Gymnaſiums.

Der mündliche Theil der im Februar 1863 begonnenen Maturitätsprüfung kam in den Tagen vom 22. bis 25. März unter Leitung des Directors zur Erledigung. Einer der Abi⸗ turienten, der im Monate darauf verſtorbene Walther Schmitt, war zu dieſer Zeit ſchon ſo leidend, daß er nicht zugelaſſen werden konnte; die neun übrigen erhielten ſämmtlich das Zeug⸗ niß der akademiſchen Reife, einer mit Nr. I, drei mit Nr. II und fünf mit Nr. III. Von dieſen ſtudiren Karl Ferd. Bingel von Herborn, Carl Melior von Weilburg, Bernh. Spieß von Becbem. Karl Weygandt von Niederbachheim evangeliſche Theologie; Rud. Mencke