E. Chronik der Anstalt.
1. Das verflossene Schuljahr hat in der Zusammensetzung des Lehrerkollegiums mancherlei Wechsel gezeigt. Zunächst trat mit Ostern Herr Haine infolge ernster Er- krankung von seiner langjährigen Thätigkeit zurück. Der scheidende Kollege hat es ver- standen, die Schülerinnen nicht nur technisch zu schulen, sondern sie auch künstlerisch anzuregen und durch die Liebenswürdigkeit und Gediegenheit seines Wesens erzieherisch einzuwirken. Bei seinem Scheiden begleiteten ihn die herzlichsten Wünsche des Kollegiums und der Schülerinnen.
2. Auf Ostern trat Frl. Emilie Grauer aus Laufen für Frl. Ella Raiser ein, welch' letztere infolge ihrer Vermählung ihre mit so viel Hlingebung und Geschick geübte Thätigkeit an unserer Schule einstellte.
3. Für die erkrankte Frl. Wenck trat bis Herbst Frl. Johanna Meis aus Mainz und von Herbst bis Weihnachten Frl. Else Göttmann aus Darmstadt ein.
4. Letztere übernahm von Weihnachten bis Ostern die Vertretung der erkrankten Frl. Bertha Schulz. Diese Krankheit nahm, leider, eine so verhängnisvolle Wendung, dass wir am 16. Februar den Verlust der treuen Collegin zu beklagen hatten. Diesmal gelang es ihr nicht, wie so manches Mal, sich wieder aufzurichten. Ihre Kräfte hatten sich in dem Dienst der Sache, der sie sich während ihres fast zwanzigjährigen Wirkens an unserer Anstalt mit seltener Treue und Gewissenhaftigkeit und mit schönstem Erfolg gewidmet hatte, erschöpft. Die Dankbarkeit ihrer Schülerinnen und die Achtung ihrer Mitarbeiter folgen der Verstorbenen über das Grab hinaus.
5. Mit dem Beginn des Wintersemesters legte ferner Frl. Raeder ihre Stelle nieder. Die hohe Behörde gab ihrem Wunsche nach, ihr nach 27jähriger Thätigkeit an unserer Anstalt noch die Möglichkeit der Erholung durch ein ruhiges Alter zu gewähren. Zahl- reiche Kundgebungen seitens des Kollegiums, der Schülerinnen und weiter Kreise des Publikums legten Zeugnis von der Dankbarkeit und Liebe ab, welche die verdiente Kollegin sich in langen Jahren treuer und erfolgreicher Arbeit erworben hatte.
6. Am 7. Februar verlieh Se. Königl. Hoheit der Grossherzog dem Oberlehrer Dr. Uhrig den Charakter als Professor.
7. Am 7. Februar wohnte berr Turninspektor Schmuck dem Turnunterricht in allen Klassen bei.
8. Die Schulfeste wurden in der üblichen Weise gefeiert.
9. Der Unterrichtsverteilung liegt in diesem Programm mit Rücksicht auf die mancherlei Veränderungen während des Schuljahres die Verteilung von Weihnachten ab zu Grunde.
10. Eine freudige Ueberraschung bereitete uns der Beschluss der Stadtverordneten- versammlung, sich mit dem Neubau einer höheren Mädchenschule prinzipiell einverstanden zu erklären. So sieht denn diese so lange schwebende Frage Dank der lnitiative des Herrn Oberbürgermeisters Köhler und der Einsicht und dem Wohlwollen der Stadt- verordnetenversammlung ihrer endlichen Lösung entgegen.
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