Die Gründung eines neuen humanistischen Gymnasiums war für die Stadt Frankfurt seit Jahren zu einem dringenden Bedürfnis geworden. Die einzige hier bestehende Anstalt dieser Art, welche nach Einverleibung der Stadt in den preußischen Staat 1866 von etwa 150 Schülern besucht wurde, hatte am Anfang des Schuljahres 1887/88 einen Bestand von 673 Zög- lingen. Abgesehen von den Mißständen und Schwierigkeiten, welche eine so hohe Frequenz naturgemäßz für den inneren Betrieb einer jeden höheren Schule im Gefolge hat, kam hier noch hin- zu, dass die gegebenen Raumverhältnisse die Möglichkeit einer Erweiterung der Anstalt ausschlossen. Schon Jahre hindurch hatte die Schule ihre Pforten vor auswärtigen Schülern schließen müssen, und selbst einheimische Familien, welche ihren Kindern gern eine humanistische Bildung ange- deihen lassen wollten, sahen sich vor die Wahl gestellt, dieselben entweder auf auswürtige Gymnasien zu schicken oder auf ihren Wunsch zu verzichten und sie anderen städtischen Schulen zuzuführen.
In der Erkenntnis des vorhandenen Notstandes begegneten sich die Organe der König- lichen Staatsregierung und der städtischen V erwaltung, und nach längeren Verhandlungen zwischen beiden Teilen kam ein Vertrag zu stande, demzufolge der Staat die Errichtung und Unterhaltung eines neuen Gymnasiums auf sich nahm, während die Stadt für Beschaffung des Bauplatzes sorgte. Die Wahl des Platzes war— dank auch den Bemühungen des früheren Polizei-
Kaiser Friedrichs-Gymnasium 1889. 1


