Schulnachrichten.
I. Lehrverfassung
während des Schuljahrs von Ostern 1875 bis dahin 1876.
Während des verflossenen Schuljahrs wurden die Schüler der Ober- und Unter-Tertia wiederum in allen Lehrgegenständen ausser Religion, Geographie und Naturgeschichte getrennt unterrichtet. Auch die beiden Abtheilungen der Secunda waren während des Sommerhalbjahrs in der Mathematik, im Winterhalbjahr im Griechischen, Lateinischen und in der Mathematik in zwei Coetus getrennt.
Prima. (Ordinarius: im Sommer anfangs Director Dr. Piderit, dann Prorector Dr. Fürstenau, im Winter Director Dr. Fürstenau.)
Religionslehre. 2 Stunden wöchentlich. Im S.: Symbolik nach Schmieder, besonders die Augs- burgische Confession(anfangs Director Dr. Piderit, dann Pfarrer Wiederhold); im W.: Geschichte des Reiches Gottes im alten Bunde(Oberlehrer Dr. Rothfuchs).
Deutsche Sprache. Im S.: Lektüre von Göthes Tasso und Lessings Laokoon. Declamations- übungen und Aufsätze, anfangs 3 St. w.(Director Dr. Piderit), dann 2 St. w.(Gymnasiallehrer Dr. Duncker); im W.: Geschichte der deutschen Nationalliteratur von den ältesten Zeiten bis zum J. 1517. Göthes Iphigenie und 1. Thl. des Nibelungenlieds mit Ausw., nach Wackernagels Edelsteine. Declamationsübungen und Aufsätze. 3 St. w.(Oberlehrer Lichtschlag).
Themata zu den deutschen Aufsätzen: im Sommer: 1) Ueber Catull. 51, 15„Otium et reges prius et beatos perdidit urbes“. 2) Das Leben des Bergmanns. Im Anschluss an das„Bergmanns- lied“ von Novalis. 3)„Zwar herrlich ist die liedeswerthe That, doch schön ist's auch, der Thaten stärkste Fülle durch würdge Lieder auf die Nachwelt bringen“.(Göthe Tasso II 1, Clausur-Aufsatz). 4) Ueber den Charakter des Antonio in Göthes Tasso. Im Winter: 1) a. Das Glück des Unglücks. b. Kenntnisse sind der beste Reichthum. 2) Schön ist der Friede, aber der Krieg auch hat seine Ehre. 3) Ueber den Nutzen der Geschichte überhaupt und den der vaterländischen insbesonder e (Clausur-Aufsatz). 4) Die Betrachtung grosser Männer demüthigt und erhebt. 5) Principiis obsta.— Für die Abiturienten: Die Zunge, das wohlthätigste und das verderblichste Glied des Menschen.
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