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der Kirche, welche die mächtigsten Erinnerungen in ihm erweckt. Unwillkürlich hemmt der gemüthvolle Heimkehrende bei ihrem Anblicke seine Schritte und seine Augen haften in kind- licher Verehrung an dem Baume, unter dessen Schatten sich Freud und Leid der Dorfbewohner abspielt und der daher mit allen Wechselfällen des Dorflebens innig verwebt ist.— Auch in der Stadt fehlt die Linde nicht; aber neben derselben stehen hier noch gar viele andere stattliche Bäume und die Fülle und Mannigfaltigkeit des Gebotenen verallgemeinert die Erinnerung und schwächt den Eindruck des Einzelnen.
Die ersten Linden auf einem öffentlichen Platze Frankfurts mögen 1745 gepflanzt worden sein.¹ Sie bilden heute die Mehrzahl der Bäume in unseren Anlagen. Die Bockenheimer und ein grosser Theil der Taunus- und Friedberger Anlage sind fortlaufende Lindenreihen, ebenso ein Theil der Bockenheimer Landstrasse.? Ausserdem stehen Linden vielfach zerstreut in den Anlagen und an anderen offentlichen Plätzen, so auf dem Schillerplatze, in dem zoologischen Garten u. s. W. Die beiden Linden vor der Hauptwache wurden im Jahre 1814 angepflanzt, nachdem die früher dort gestandenen im Jahre 1813 durch die Wachtfeuer der Kosacken zu Grunde gerichtet worden waren.*
Die Linde ist ein Baum mit dicht belaubter, schön gewölbter Krone. Der Stamm hat tiefgehende, weit ausgebreitete Wurzeln und vermag daher den heftigsten Stürmen zu trotzen. Durch Bildung grosser Maserknoten bekommt er oft ein unförmliches Aussehen. Die Rinde des Stammes ist in der Jugend glatt, im Alter borkig und rissig. Die Blätter erscheinen vor den Blüten, sind schief herzförmig, am Rande gesägt, zugespitzt und auf der Unterseite mehr oder weniger behaart. Die Keimblätter sind gelappt. Die Blüten entfalten sich im Juli, sind gelblich, bilden Doldentrauben und stehen oberhalb einer im nächsten Jahre sich ent- faltenden Knospe. Sie bestehen aus zwei fünfblättrigen Blütenhüllen, vielen Staubgefässen, die auf dem Fruchtboden stehen, und einem fünffächerigen zehneiigen Fruchtknoten, der einen Griffel mit einer fünfspaltigen Narbe trägt. Die Blüten riechen angenehm und enthalten viel Honig. Eigenthümlich ist das gelbliche zungenförmige Deckblatt, welches bis zur Hälfte dem gemeinschaftlichen Blütenstiele angewachsen ist. Die Frucht ist eine mehr oder minder deutlich fünfkantige zwei- oder einfächerige Nuss, mit einem oder zwei Samen. Die getrockneten Blüten geben den allbekannten Lindenblütenthee; das weisse und weiche Holz dient zu Schnitzereien und Geräthen, die Kohle zum Zeichnen und aus dem Baste werden Matten, Stricke u. a. m. verfertigt.
Die Winterlinde bluht vierzehn Tage später als die Sommerlinde, ihre Trugdolden sind reichblütiger, ihre Blätter kleiner und auf der Unterseite bläulichgrün. Ferner sind bei
¹1 1745 wurden auf dem Rossmarkte(dem jetzigen Goetheplatz) Lindenbäume an Stelle der Kastanien- bäume gepflanzt und die Gegend fing nun an„an der Lindenallee“ zu heissen. Battonn VI. Heft, pag. 256.— ²2 Die Linden auf der Bockenheimer Landstrasse sind zum grossen Theil im Absterben begriffen; ebenso einige der dortigen Rosskastanien. Der Grund hierfür ist in der Canalisation, der Legung der Wasserleitungs- und Leuchtgasröhren zu suchen. Durch sie wurden die tiefgehenden und sich weit ausbreitenden Wurzeln der Linden verletzt und auch vielleicht zu trocken gelegt(unabsichtlich drainirt). Eine fernere Ursache mag in dem Ausströmen des Leuchtgases zu suchen sein.— ³ Aehnlich erging es einer Tulpenbaum-Allee zwischen dem Bethmann'schen Weiher und dem Sandwege, wo jetzt Ahorne stehen. Die Tulpenbäume, Liriodendron tulipifera L., wurden von den 1813 daselbst campirenden Kosacken und ihren Pferden bis auf zwei ruinirt. Diese beiden Ueberbleibsel wurden dann an den Rechneigraben verpflanzt, woselbst sie bis zu ihrem
Eingange, Ende der fünfziger Jahre, standen.


