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Zu uns kam die Trauerweide wahrscheinlich aus England. Ueber ihre Einführung existiren verschiedene Sagen. In Bezug auf Deutschland erzählt man:„Die Mönche des Sinai schickten dem Kaiser Joseph Südfrüchte in einem niedlichen, aus sehr feinen und gleich- mässigen Weidenruthen geflochtenen Körbchen. Da die Ruthen noch sehr frisch schienen, so pflanzte man sie als Stecklinge, die auch gut anschlugen. Davon sollen alle unsere Trauer- weiden abstammen“. ¹.
In England befand sie sich zuerst in Twickenham bei London. Dahin soll sie von einem eng- lischen Kaufmanne im Jahre 1730 geschickt worden sein. Nach einer anderen Mittheilung war das erste Exemplar daselbst die sog. Pope's Trauerweide. Eine Lady Suffolk, welche in Twickenham wohnte, soll nämlich aus Spanien oder der Türkei einen aus Weidenruthen geflochtenen Korb erhalten haben, gerade zu einer Zeit, als der Dichter Pope bei ihr zum Besuche war. Dieser sah, dass einige Ruthen, aus denen der Korb geflochten war, noch Leben hatten und bestimmte die Lady, eine derselben in ihrem Garten zu pflanzen. Es geschah, und man hatte die Freude, die bisher unbekannte Trauerweide entstehen zu sehen. Der spätere Eigenthümer des Gartens liess dieselbe zu Anfang dieses Jahrhunderts abhauen, weil ihn der häufige Besuch von Fremden, die Pope's Trauerweide sehen wollten, langweilte. ²
Nach Frankreich soll sie zuerst Tournefort von seiner Reise nach dem Orient mit- gebracht haben.
Am Rechneigraben ist sie durch mehrere Exemplare, auf der Ost-, West- und Nord- seite, vertreten.
Wie die meisten Weiden, gedeiht auch sie am besten auf feuchtem Boden. Man sieht sie deshalb vorzugsweise am Wasser, häufig aber auch auf Priedhöfen angepflanzt, in ihren überhängenden, tief geneigten Zweigen ein Bild der Trauer. Um das Grab Napoleon's auf St. Helena waren Anfangs Trauerweiden gepflanzt. ³
Die Entfaltung der Blütenkätzchen und der Blätter findet gleichzeitig im April statt. Die Blätter sind langlanzettlich, zugespitzt, gesägt, bis auf den jungen, kurzen Stiel kahl, oben hell- unten blangrün und mit Nebenblättern versehen. Fehlen diese, so bemerkt man an deren Stelle gewöhnlich zwei Drüsen. An den Blütenkätzchen— besonders des Baumes an der Langestrasse— zeigt sich öfters eine Wucherung derselben dadurch, dass die Deck- und Frucht- blätter sich in lange schmale Blätter umgestalten. Daneben ist oft eine Zweigwucherung zu sehen. Eine derartige abnorme Zweigwucherung, welche mit dem Namen Hexenbesen, Donner- busch u. s. w. bezeichnet wird, findet sich am häufigsten an der Weisstanne. Sie rührt in diesem Falle von einem Pilze(Aecidium elatinum) her. Bei der Kiefer habe ich den Hexenbesen eben- falls wahrgenommen.
Die ursprüngliche Heimat der Trauerweide scheint China und Japan zu sein.
In Psalm 137 heisst es:„An den Strömen Babels— dort sassen wir und weinten, da wir Zion's gedachten. Dort hingen wir an den Weiden unsere Harfen auf.“ Wiener(Bibl. Realwörterbuch), Gesenius(Hebr.-chaldäisches Wörterbuch) u. A. weisen in Bezug darauf auf die Trauerweide hin. Da aber die Trauerweide in Babylonien nicht einheimisch ist, so kann mit dem Worte„Garab“ dieser Baum nicht gemeint sein und auch die Linné'sche Bezeichnung
¹ Rossmaessler, Der Wald, II. Aufl., pag. 495.— ² K. Koch, Dendrologie, II. Theil. I. Abtheil.,
4 pag. 509.— 3 Diese Trauerweiden waren mit anderen Gehölzen von England aus auf St. Helena verpflanzt
worden; sie bielten sich aber für die Dauer nicht.


